Riez-Open-Air Bausendorf: Sympathisch, kuschelig und ein bisschen krass

Rockfestival : Riez-Open-Air in Bausendorf - Sympathisch, kuschelig und ein bisschen krass (Fotos)

1600 Hardcore-Musikfans feiern drei Tage beim Riez-Open-Air in Bausendorf-Olkenbach. Bands aus Europa und Übersee treten auf.

René sitzt in der ausgedörrten Böschung und sucht nach Worten: „Das hier ist der absolute Hammer. Ich war schon auf einer Menge Festivals. Aber so was habe ich noch nicht erlebt. Wir sehen nachher eine Band aus Orange County und wir stehen dann direkt vor denen an der Bühne. Die Chance hat man nicht immer. Ich bin nächstes Jahr wieder dabei, egal wer kommt“, sagt der Kölner begeistert über das Riez-Open-Air-Festival.

Mehr oder weniger der Zufall haben ihn und Nadine, die neben ihm sitzt, ins Alftal bei Bausendorf-Olkenbach verschlagen. „Wir sind Ignite-Fans“, erklärt die junge Frau. Mit der kalifornischen Band kommt eine der bedeutendsten Gruppen des Melodic Hardcore in den kleinen, 1500 Einwohner zählenden Ort.

In Deutschland stand Ignite schon auf Platz zwölf der Charts. Die US-Band ist nicht einmal der Headliner des Riez-Open-Air. Das ist Propagandhi. Ausgerechnet als die Kanadier am Samstag gegen Mitternacht auf der Bühne stehen, geht der lange ersehnte Regen nieder. Die Abkühlung hätte für das ehrenamtliche Team des im vergangenen Jahr gegründeten Riez-Kulturvereins jedoch noch ein bisschen auf sich warten lassen können. Drei Wochen lang wurden das Festivalgelände und die Bühne teilweise in brütender Hitze hergerichtet. „Die Leute kommen von der Arbeit hierher und arbeiten bis nachts. Eine Bühne extern aufbauen lassen, wie die großen Festival, das könnten wir uns nicht leisten“, erklärt die Vereinsvorsitzende Tamara Schaab. Ohne dieses Engagement würde dem Riez-Open-Air wie vielen anderen kleinen Festivals das Aus drohen.

Jeder der rund 60 Freiwilligen, die beim Auf- und Abbau, an der Tageskasse oder an den Getränketheken helfen, will, dass das Riez-Open-Air erhalten bleibt. „So ein kleines Festival hat seinen eigenen Spirit“, sagt Schaab. Der Geist des Riez, das ist eine Botschaft für Toleranz und Vielfältigkeit. Sascha Hörold von der Berliner Alex Mofa Gang ruft: „Springt in die Luft gegen Faschismus!“ Dann holt er ein Surfbrett und lässt sich darauf stehend von Dutzenden Zuschauerhänden tragen, bevor er in die Menge springt – und aufgefangen wird.

Dank der friedlichen Stimmung hat der Malteser Hilfsdienstes wenig zu tun. „Das Übliche halt: Insektenstiche und so“, sagt Einsatzleiter Markus Stoffel. Nicht einmal alkoholisierte Besucher müssen die Sanitäter behandeln. „Uns macht das auch Spaß“, sagt Stoffel. „Es gibt keine Rangeleien oder Schlägereien. Es ist ein gutes, nettes Publikum.“ Dem stimmt Fan Jana, die seit drei Jahren am letzten Juli-Wochenende ihren Lebensmittelpunkt von Nordrhein-Westfalen an die Alf verlegt, zu: „Es ist sympathisch, klein und kuschelig. Man hat keine weite Wege und kennt die Leute.“

Erstmals wurde das Riez-Open-Air vom neugegründeten Verein organisiert. Rund 1600 Besucher zählte das Team an den drei Festivaltagen. Der Zuspruch ist der Lohn für monatelange Arbeit. „Als es in die heiße Phase ging, haben wir uns alle zwei Wochen abends getroffen“, erzählt Schaab. Auch wenn die Hauptlast der Arbeit nicht nur auf den Schultern von Schaab und ihrem Lebensgefährten Mario Schichel ruht, es musste zunächst mehr abgesprochen werden. „Auf die Dauer lohnt sich das“, ist die 32-Jährige überzeugt. „Alle sind voll motiviert, und es kommen auch neue Ideen.“ So wie die von Eric Müller, der mit seiner Freundin einen Gartenzwerg für die selbsternannte „krasseste Gartenparty“ baute. Jeder Festivalbesucher kann seinen Kopf durch das dafür vorgesehene Loch der Holzskulptur stecken und sich ablichten lassen.

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