Römer, Reben und ein Räuber

HONTHEIM. "Auf den ersten Anschein ist Hontheim kein historisch bedeutender Ort", schreibt Manfred Aretz im Vorwort zur Chronik des schmucken Eifelortes, fährt dann aber fort: "Dennoch lässt sich beim Studium der Aufzeichnungen feststellen, dass die Gemeinde eine große Vergangenheit hat und die großen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entscheidungen das persönliche und gemeindliche Leben beeinflusst haben."

Wie die meisten Dörfer der Region, so war auch Hontheim in den Epochen der vergangenen 2000 Jahre verschiedenen Machtbereichen und Landesherren zugeordnet. Bis zum Ende des 5. Jahrhundert waren die Römer im Land, bis 855 herrschten die Franken, und von 855 bis 1794 gehörte Hontheim zu Kurtrier. Die Franzosenzeit endete bereits 1815, danach war die Region ein Teil von Preußen. Aus dem Dunkel der Geschichte tritt Hontheim erstmals im Jahr 1138. Die Brüder Werner und Johann von der Entersburg, die heute noch zur Gemeinde Hontheim gehört, hatten dem Erzbischof seine Lieblingsburg Arras bei Alf mit Gewalt genommen. Als dieser aus Italien zurückkehrte, eroberte er Arras zurück und machte die berüchtigte Entersburg dem Erdboden gleich. Diese Entersburg wird wieder in einer Urkunde von 1335 erwähnt, als Cuno von Ulmen dem Erzbischof Balduin seinen Anteil an den hohen Gerichten Huntheim, Grintkamp, Wispelscheit und Entersburg verkaufte. Schaut man weiter in die Chronik, fallen weitere bemerkenswerte Ereignisse auf. Hontheim lag stets an einer wichtigen Verkehrsverbindung. Das war zu Zeiten der Römer die alte Römerstraße, die von Trier über Föhren, Olkenbach, Wispelt, Hontheim, Bad Bertrich und Koblenz bis zum Rhein führte. Später war es die alte Weinstraße, die von der Mosel über Hontheim zum Rhein nach Köln führte, die dem Ort Vorteile verschaffte. Interressant dürfte auch sein, dass die Römer vermutlich in Hontheim Wein anbauten, wie Spuren von alten Rebkulturen, die man in der Gegend entdeckt hat, belegen. Über die Qualität des Weines ist allerdings nichts bekannt. Während des 30-jährigen Krieges verlor Hontheim die Hälfte seiner Einwohner. Aber der Ort erholte sich wieder und gelangte im 18. Jahrhundert zu neuem Wohlstand. Eher zweifelhaften Ruhm erlangte Hontheim Ende des 18. Jahrhunderts, als die so genannte "Mosel-Eifel-Bande" das arme Volk in Schrecken versetzte. Ein gewisser Johann Sebastian Nikolei von Krinkhof spielte dabei eine führende Rolle. Die Bande traf sich regelmäßig in Bad Bertrich und Krinkhof und startete von dort aus ihre Raubzüge. Wichtig für Hontheim war und ist die Nähe zum Kurort Bad Bertrich. Viele Hontheimer arbeiten dort, viele Kurgäste kommen gerne in den Eifelort, nicht zuletzt, um sich die stimmungsvolle Pfarrkirche anzusehen. Viele Jahrhunderte war Hontheim ein typisches Bauerndorf. Fast jede Familie lebte ganz oder teilweise von Ackerbau und Viehzucht. Walter Thullen, der 25 Jahre bis zum Jahr 2004 als Ortsbürgermeister den Ort mitgeprägt hat, hat den enormen Strukturwandel hautnah erlebt. Vor zwei Jahren schrieb er: "Die letzten 20 Jahre brachten einen tief greifenden Wandel in unserer Gemeinde. Die kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betriebe sind verschwunden. Die Gemeinde ist zu einem Wohnort geworden mit unterschiedlichen Interessen. Unsere Gemeinde ist von einem tiefen und starken Gemeinschaftsgeist geprägt. Wir haben ein pulsierendes Vereinsleben, das allen Generationen eine vielfältige Freizeitbeschäftigung bietet."

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