Römische Villa: Konzept gefragt

Was soll mit Wittlichs 1800 Jahre altem Erbe unter der Autobahnbrücke passieren? Das ist die Frage, seit die Überreste der Römischen Villa ins öffentliche Bewusstsein gerückt sind. Was Wittlich auch im Hinblick auf Touristen mit der Villa anfangen kann, ist noch unklar. Die Stadt kauft Hilfe ein: Ein Konzept nach dem Baukastenprinzip ist bestellt.

Wittlich. Was ist schwarz und steht in Trier? Die Porta Nigra. Das weiß fast jedes Kind. Und was liegt unter der Wittlicher Autobahnbrücke? Eine römische Villenanlage, immerhin eine der größten nördlich der Alpen. Das wissen wenige. Wittlichs Ex-Villa an der Lieser taugt bislang weder zum Wahrzeichen, noch zur Touristenattraktion und ist nicht sonderlich bekannt.

Kein Wunder, denn selbst in Wittlich war sie so gut wie vergessen: Zuletzt zerstörte der Bau der Autobahnbrücke 1972 den Südflügel der römischen Überreste. Seither sind die riesigen Brückenpfeiler der Neuzeit optisch weitaus dominanter als das, was die Römer zwischen 150 und 200 nach Christus erbauten. Der teilweise rekonstruierte Mitteltrakt der Anlage lässt ihre einstige Größe von 140 mal 28 Meter nur mit viel Fantasie und Hintergrundwissen erahnen.

Selbst damit wäre es fast vorbei gewesen. 2005 stand die Stadt kurz davor, alles zuzuschütten, auch um die Überbleibsel vor Vandalismus zu schützen. Dann kam die Villa-Wende: Es gründete sich der Verein Wittlicher Kulturgüter. Er setzt sich für den wichtigen Römerbau ein. Die Stadt stieg zu. Sie ließ das zugewachsene Gelände freischneiden, bröckelndes Gemäuer und Schutzdach reparieren, Wege sichern. Der Verein machte Teile des Grundrisses durch Steine wieder sichtbar, erstellte eine Infotafel, sorgte dafür, dass antike Sandsteine vom Pferdetrog bis zur Treppe wieder zurückkehrten. Wittlichs wichtigstes römisches Erbe rückte wieder ins öffentliche Bewusstsein. 2007 gab es eine Ausstellung in der Synagoge, die die kulturhistorische Bedeutung des Gutshofs an der Lieser würdigte.

Schritt für Schritt soll's vorangehen



Wie es langfristig weitergehen soll, blieb unklar. Laut Stadtverwaltung gab es zudem "Uneinigkeit zwischen Stadt, Land als Fördergeber und Fachbehörden," etwa über eine geplante Freilegung zweier Binnenhöfe. Hinzu kommt das regionweit aktuelle Projekt "Straße der Römer" sowie die Eifelsteig-Erlebnisschleife Säubrennerroute: Alles neue Entwicklungen, in die es die Villa einzubringen gilt. "Die kulturelle und touristische Inwertsetzung der römischen Villa rückt nun noch stärker in den Vordergrund. Eine ganzheitliche touristische Konzeption ist daher erforderlich", sagt Ulrich Jacoby, Pressesprecher der Stadtverwaltung.

Autobahnbrücke, Lieser und das gegenüberliegende Gelände müssten in Pläne, was man mit der Villa machen könne, einbezogen werden. Deshalb will die Stadt ein Konzept. Das soll die Bonner Firma Kultur- und Tourismusmarketing GmbH, projekt2508, leisten.

Dem hat der Kulturausschuss nichtöffentlich zugestimmt. 19 000 Euro kostet das bestellte Entwicklungs- und Realisierungskonzept. Mitte des Jahres ist Liefertermin.

Was soll da drin stehen? Ortwin Eich vom Förderverein Wittlicher Kulturgüter sagt: "Das Konzept soll sowohl archäologische als auch kulturelle und touristische Aspekte berücksichtigen und die schwierige Moderation und notwendige Abstimmung zwischen den zu beteiligenden Fachbehörden beinhalten. Es soll einen modular aufgebauten Maßnahmen-, Kosten-, Zeit- und Ablaufplan enthalten, der es erlaubt, je nach der Höhe der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel einzelne Maßnahmen umzusetzen. Unser Verein soll in diese Planungen mit einbezogen werden."

Meinung

Nägel mit Köpfen machen

Schon wieder ein Konzept? Nein: Erstmalig ein Konzept, jedenfalls was die Römische Villa angeht. Und dafür wurde es Zeit. Das große Engagement des Vereins droht sonst irgendwann zu versickern, die Villa bei der anderweitig mit Großprojekten vom Rathausbau bis zur Stadtsanierung beschäftigten Verwaltung "unterzugehen". Zudem ist ein professioneller Blick von außen gefragt und kein selbst gestricktes Römer-Konzept von Laien, das nichts Halbes und nichts Ganzes wäre. Bislang ist es nicht gelungen, die Ideen zu bündeln, auf eine machbare und erfolgsversprechende Linie zu bringen. Das soll die Firma leisten. Deren Referenzliste ist lang und beeindruckend. Ob sie ihr Geld wert ist, wird sich zeigen. Wie man das Geld derzeit für die Villa besser investieren könnte, ist auf jeden Fall unbekannt, und nichts tun auf Dauer blamabel. s.suennen@volksfreund.de