Rollatorparkplätze an der Theke

Rollstuhlfahrer spielen Dart, junge Gäste helfen den Älteren und Beeinträchtigten: Das Morbacher Lokal Pitcher hat sich als Gaststätte für verschiedene Generationen profiliert und bietet dafür spezielle Thekenparkplätze.

Morbach. Verkehrszeichen gibt es viele. Auch solche, auf denen erläutert wird, wer wo parken darf. Doch Parkschilder für Rollatoren, die gibt es nur im Morbacher Lokal Pitcher. An einem Schrank neben der Theke hängen drei blaue Schilder mit jeweils einem großen "P" für Parkplatz und einem stilisierten Rollator. Genauso viele Gehhilfen auf Rollen können dort auch abgestellt werden. "Die Schilder habe ich selber gemacht", sagt Inhaberin Annette Prinz. Und das nicht ohne Grund. Denn Prinz hat das Pitcher als Lokal für alle Generationen ausgelegt. "Ich lege Wert darauf, dass sich Alt und Jung treffen", sagt sie.
Aus diesem Grund finden sich im Pitcher neben den gewohnten Kneipenbesuchern jeden Alters nahezu täglich auch Menschen mit Beeinträchtigungen im Pitcher ein, die auf Unterstützung durch Rollatoren, mechanische oder elektrische Rollstühle angewiesen sind. Auch an diesem Nachmittag sind alle Parkplätze belegt. Hier die abgestellten Rollatoren, dort sitzen die Fahrerinnen am Tisch und "maie" miteinander, wie man im Hunsrück zu sagen pflegt. "Wenn es das Wetter erlaubt, bin ich jeden Tag da", sagt die 79-jährige Liesel Nau. "Mir geht es um die Gesellschaft", sagt die 75 Jahre alte Hedwig Stürmer. "Dort drüben haben wir auch schon getanzt", ergänzt sie. Natürlich ohne Rollator. "Wir haben uns aneinander festgehalten", lacht sie. Sie genießt die Nachmittage und Abende im Pitcher. "Hier spielen öfter Alleinunterhalter, das ist immer toll", ergänzt sie. Margareta Blasius, 80 Jahre, stimmt Stürmer zu. "Doch tanzen geht bei mir nicht mehr", sagt sie. Schon von Anfang an hat Wirtin Annette Prinz einen Platz für Gäste jeglichen Alters anbieten wollen. Und das hat geklappt, genauso wie das Miteinander zwischen den Generationen. Die jungen Leute seien sehr hilfsbereit, stehen auf und öffnen den beeinträchtigten Personen die Tür, berichtet Prinz.
Gäste, die seit der Eröffnung vor zehn Jahren gekommen sind und inzwischen nicht mehr so fit sind, kommen mit Gehhilfe. Besucher aus umliegenden Behindertenwohnheimen besuchen das Pitcher zum Essen, Rollstuhlfahrer werfen Pfeile auf die Dartscheiben im Lokal.
Zwei Jahre lang hat Prinz sogar Tanztee mit Livemusik angeboten. Aus dem Morbacher Altenheim seien die Bewohner mit dem Bus angefahren worden, erzählt Prinz. Doch dann musste die Wirtin das Angebot aufgeben. "Es haben alle davon geschwärmt, aber es hat sich nicht gerechnet", sagt sie.
Trotzdem bleibt das Pitcher als Kneipe im Western-Style Treffpunkt für Gäste aller Generationen. Seit wenigen Wochen ist das Pitcher vom Deutschen Seminar für Tourismus und dem Verein Tourismus für Alle Deutschland neben weiteren Morbacher Gaststätten als barrierefrei zertifiziert worden. Dafür ist das Lokal unter die Lupe genommen worden. Ist für die Rollifahrer genug Platz, passen die Rollstühle unter die Tische? Was macht Prinz, wenn die Anzahl der Rollatornutzer weiter ansteigt und die drei Abstellplätze nicht mehr reichen? Prinz: "Kein Problem, dann richten wir noch mehr Parkplätze ein."