Rollendes Koordinierungszentrum
Der neue Einsatzleitwagen der Feuerwehr wird bei Katastrophen und Unglücken zum Einsatz kommen, die nicht in kurzer Zeit unter Kontrolle zu bringen sind. Niemand hofft allerdings, dass es dazu einmal kommt.
Bernkastel-Kues. (cb) Landrätin Beate Läsch-Weber sprach von einem "Quantensprung in der Entwicklung des Katastrophenschutzes im Kreis Bernkastel-Wittlich". Der "Quantensprung" stand hinter ihr: 9,30 Meter lang und voll gepackt mit Technik. Der neue Einsatzleitwagen der Feuerwehr soll immer dann zum Einsatz kommen, wenn eine so genannte Großschadenslage eintritt: beispielsweise ein Großbrand in einem Industriegebiet, ein Bus- oder Zugunfall mit vielen Verletzten oder ein Katastrophen-Hochwasser wie im Dezember 1993. Der Kreis Bernkastel-Wittlich verfüge damit über ein "autarkes mobiles Koordinierungszentrum", sagte die Landrätin. "Wir müssen für mögliche Katastrophen gewappnet sein", sagte Kreisfeuerwehr-Inspekteur Willi Herres. Niemand könne zum Beispiel ausschließen, dass auch der Kreis einmal Ziel von Terroristen werde. Bei der Übergabe wurde mehrfach die Hoffnung geäußert, dass es nie zu einer solchen Katastrophe kommt, die den Einsatz erforderlich macht. Doch da die Kreise verpflichtet sind, solche rollenden Einsatzzentralen bereit zustellen, blieb sowieso keine Wahl. Bisher, so Willi Herres, herrschte in diesem Bereich auch gähnende Leere. "Es gab nichts", sagte er gegenüber dem TV. Die Führungskräfte mussten auf die sehr viel kleineren Einsatzleitwagen der Verbandsgemeinde zurückgreifen — so weit solche vorhanden waren. Das nun in Dienst gestellte Fahrzeug verfügt unter anderem über sechs feste und vier feste Funkanlagen, über zwei PC-Arbeitsplätze, eine Telefonanlage, ein Multifunktionsgerät (Fax, Drucker, Notebook, Beamer, Scanner) sowie einen Lage- und Besprechungsraum. Neun Leute finden in dem Gefährt gleichzeitig Platz. Das Fahrzeug kostet 257 000 Euro
Für den Betrieb ist ein Team zuständig. An der Spitze stehen Konrad Becker und seine Stellvertreter Michael Werner und Jörg Teusch (alle Feuerwehr Noviand). Das 257 000 Euro teure Fahrzeug (Landeszuschuss 82 000 Euro) wird bei der Freiwilligen Feuerwehr in Bernkastel stationiert. Diese Wehr stellt auch die Fahrer (insgesamt vier). Im Katastrophenfall werden dann noch Leute aus dem jeweiligen Einsatzort in dem Fahrzeug Dienst tun. Der Dienst in dem Fahrzeug ist für das Einsatzteam auch noch Neuland. Zehn Mal pro Jahr werde in und mit dem 180 PS starken Gefährt geübt, erläuterte Konrad Becker gegenüber dem TV. Auch Thomas Edringer, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, Ulf Hangert, Bürgermeister der VG Bernkastel-Kues, und Stadtbeigeordneter Wolfgang Pastor hoben die Bedeutung des Fahrzeuges und des Dienstes in der Feuerwehr hervor. Die kirchliche Segnung nahm Manfred Weber, Seelsorger der Pfarrgemeinde St. Michael, vor. Dabei bekamen auch die Wehrleute von dem Weihwasser ab. "Sie sind das Wasser gewohnt", sagte Weber.