Romane statt Rechnungen

NEUNKIRCHEN. (urs) Seit die Wahl-Neunkirchenerin Maria Kohlschmidt die Kindheitserinnerungen ihres Mannes niedergeschrieben hat, lässt sie das Schreiben nicht mehr los.

Vor wenigen Jahren hätte Maria Kohlschmidt selbst nicht gedacht, dass sie sich einmal ans Bücherschreiben wagen würde. Als Mutter von vier Kindern und Frau eines selbstständigen Sanitär- und Heizungsbauers hatte sie Anderes zu tun. "Ich musste Angebote schreiben und Rechnungen - da blieb mir für so was gar keine Zeit", erzählt die gelernte Blumenbinderin. Einige Kunden hatten die Begabung aber wohl erahnt, wie Ehemann Klaus schmunzelnd erwähnt. Das ausführliche Auflisten der ausgeführten Arbeiten habe mancher mit den Worten kommentiert: "Ihre Frau würde besser Romane schreiben statt Rechnungen." Dass sie nun innerhalb von zwei Jahren mehrere Bücher und Kurzgeschichten geschrieben hat, wundert die 60-Jährige selbst ein wenig: "Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich das kann." Zwar hatte schon ihre Mutter Kurzgeschichten geschrieben, die sie teils im Radio vorlas. Doch allein deshalb eine schriftstellerische Ader bei sich zu vermuten, lag der Wahl-Hunsrückerin fern. Auch das Talent der Enkelin - "die hat auch diese Ambitionen" - brachte sie nie mit sich in Verbindung. Doch mittlerweile hat die Autorin, die auch ihre Umschläge selbst gestaltet, erkannt: "Irgendwie liegt das Künstlerische in der Familie." Ein klein wenig Anteil an ihrer Kreativität dürfte aber auch der heutige Wohnort haben. Vor etwa zehn Jahren zogen Kohlschmidts von Köln nach Neunkirchen, wo sie 1990 ein altes Haus gekauft hatten. Seit sie dieses liebevoll umgebaut haben, hat die 60-Jährige einfach viel Zeit zum Schreiben. Abgesehen vom Erstlingswerk, in dem sie Kindheitserlebnisse ihres Mannes aufarbeitet, hat sie drei weitere Bücher geschrieben. Der Heimatroman "Dunkle Schatten über dem Tal" liegt bereits dem Verleger vor, zwei weitere Romane sind so gut wie druckfertig. Parallel dazu wurden im gleichen Verlag, den sie mit etwas Mühe fand, Kurzgeschichten von ihr veröffentlicht. "Tja und den nächsten Roman, den hab ich auch schon wieder im Kopf", verrät Kohlschmidt. Ihr erstes Buch, "Das Kind ohne Namen", beruht dagegen auf wahren Begebenheiten. Indirekt angespornt, diese festzuhalten, hatte sie ihr Mann. Wenn die Rede auf seine Kindheit kam, habe er oft gesagt, "man müsste das doch mal aufschreiben". Denn die Geschichte von Klaus Kohlschmidt, 1941 im Osten der Republik geboren, ist keine alltägliche. Als Vierjähriger hatte er in Stettin nicht nur mit ansehen müssen, wie seine Mutter im Bombenhagel umkam. Er verlor an diesem Tag auch seine vielköpfige Familie aus den Augen. Die Behörden reichten ihn daraufhin immer wieder zu anderen Pflegefamilien - und stets mit dem Hinweis "das sind deine Eltern". Erst viele Jahre später sollte es ihm gelingen, seine wirkliche Familie wiederzufinden. "Das Kind ohne Namen", im September im Richmond-Verlag erschienen, ISBN 3-9807109-6-3, ist über den Buchhandel oder im Internet zu beziehen.