Rot bringt Glück, Schweinchen nicht

Rot bringt Glück, Schweinchen nicht

TRIER. Der Sekt steht kalt, Wunderkerzen liegen bereit, der gute Vorsatz ist gefasst: Silvester wird zwar unterschiedlich gefeiert, aber dass "unser" Jahreswechsel in anderen Kulturen keine Rolle spielt, daran denkt man kaum. Der TV hat ausländische Studierende befragt.

"Silvester ist in meiner Heimat nichts Besonderes. Die Christen tragen dann Kerzen. Warum, das weiß ich nicht. Und das größte Feuerwerk ist sowieso am Geburtstag unseres Königs am 15. Juli", sagt Haji Rosli. Die 20-jährige Studentin kommt aus Brunei und ist eine von 18 jungen Menschen aus aller Welt, die seit Weihnachten auf Vermittlung des Vereins Experiment in der Region deutsche Kultur erleben und den Gastfamilien ihre Kultur ins Haus bringen. Alle trafen sich "zwischen den Jahren" in Wittlich. Viele haben gerade ihr erstes Weihnachtsfest erlebt. Ein deutscher Jahreswechsel ist für sie ebenfalls eine Premiere. So kennen auch die Chinesinnen Xiaowen Hong und Luyi Liu andere Traditionen als ihre Gastfamilien. "Wir haben den Mondkalender und feiern das Frühlingsfest am 29. Januar mit einem Feuerwerk wie die Menschen hier Silvester. Aber weil der 1. Januar ein freier Tag ist, gehen junge Chinesen auch auf Parties", sagt Xiaowen Hong. Luyi Liu erklärt: "Wenn überhaupt, wird Silvester nur in Städten gefeiert. Da gibt es in großen Shopping-Centers dann Leinwände, auf denen der Jahrescountdown läuft." Auch die Glückssymbole sind in ihrer Heimat anders: Ein spezieller roter China-Knoten oder aus rotem Papier nach komplizierten Traditionen ausgeschnittene Symbole schmücken die Häuser - keine Hufeisen oder vierblättrige Kleeblätter. Und weil zu guten Wünschen in China neben Gesundheit der Aufstieg im Beruf oder Reichtum zählt, lege man schon einmal eine Münze in eine rote Box, um Glückwünsche mit einer Geste zu begleiten. Mit dem symbolischen Glücksschweinchen können weder die Chinesinnen noch vier junge Tunesier etwas anfangen. Sie sind Moslems und kennen ebenfalls kein Silvester. Islem Koobar sagt: "Wir sind an diesem Tag bei der Familie und schauen fern, denn wir haben einen anderen Jahrestag wegen unseres Kalenders, und es ist ein religiöses Fest." An Glücksbringer glaube man nicht, denn die hätten nichts mit Religion zu tun. "Aber das mit der schwarzen Katze, die nicht von links kommen darf, das kennen wir auch", meint Wassim Jaaouane. "Nur wenn wir heiraten, dann tragen wir ein weißes Kleid, weil das Glück bringt - aber nur zur Hochzeit", fälIt Islem Koobar ein. Und wie ist es mit guten Vorsätzen? "Nicht mehr rauchen, so etwas wünscht man sich doch das ganze Jahr", meint die 19-Jährige. Wenn sie im Februar "ihr" Silvester feiern, werde meist Cous-Cous gegessen, sagt Mohamed Amine Khaled zum Thema Festessen. An "unserem" Jahreswechsel gingen junge Leute höchstens aus, um einen Kaffee mit Freunden zu trinken. Nicht 2005 sondern das Jahr 94 schreibt man gerade in Taiwan. Ling-Ying Chou wird daher Neujahr erst am 29. Januar feiern. Die 19-Jährige sagt: "Dann gibt es Fisch, Schwein, Gemüse. Ansonsten ist vieles ähnlich wie in China. Die Farbe rot steht auch bei uns für Glück." Sie studiert an der Uni Münster und kommt erst im April wieder in ihre Heimat. Was macht sie an "ihrem" Silvester?: "Wir sind 20 Studenten aus Taiwan. Vielleicht können wir zusammen essen und feiern." Für das europäische Silvester hat sie allerdings auch einen Wunsch zum neuen Jahr: "Deutsch lernen." Viel Glück! Ansprechpartner : Anneliese und Johannes Münninghoff, Wittlich, 06571/3367 oder 0171/7068615, und Hildegard von Rechenberg, Trier 0651/9930355.