Rote Karte für Trainer: Sportler kontra Stadt

Rote Karte für Trainer: Sportler kontra Stadt

WITTLICH. Er spielte 16 Jahre beim SV Wittlich, trainiert jetzt Rot-Weiß Türkgücü. Andy Altmeyer hält die Verwaltung auf Trab. Zuletzt erhielt der Fußball-Trainer Post: Zwei Wochen bekam er Hausverbot im Sportzentrum. Es endet heute.

Andy Altmeyer trainiert 22 Spieler im Alter von 16 bis 36 Jahren. Wegen des Hausverbots hat er zwei Wochen Pause und ist verärgert. Er sagt: "Ich weiß, der Ruf war früher nicht astrein. Gerade deshalb greift der rein fußballerische Aspekt zu kurz. Das hat auch soziale Seiten." Der Grund für seinen "Clinch" mit der Stadt: Beim Sport sieht er sich und sein Team "reiner Willkür" ausgesetzt: "Der Rasenplatz ist oft aus Sicht des Platzwartes unbespielbar und gesperrt." Aus seiner Sicht sei es "eine absolute Sinnlosigkeit, die Jugend oder Kinder im Sommer auf einem knüppelharten Hartplatz spielen zu lassen, obwohl er bewässert werden könnte, und im Winter Trainings- und Spielverbot erteilen zu lassen". Unter dem früheren Platzwart habe man das nicht erlebt. Die Kritik kennt die Verwaltung, die auf die 14 Jahre alte Benutzungsordnung verweist, wonach den Anweisungen des Platzwartes Folge zu leisten sei. Doch dessen Kompetenz oder auch Kooperationsbereitschaft stellt Andy Altmeyer in Frage. So sei auch eine Rüge wegen nicht ordnungsgemäßen Abschließens haltlos: "Ich habe abgeschlossen, doch das Schloss war kaputt. Das hat mir der Platzwart selbst gezeigt." Weiter ärgert den Trainer, dass er für den Zustand der gesamten Anlage nach dem Training zuständig sei. Wegen der Schichtarbeiter im Team, trainiert Türkgücü von 20 bis gegen 22 Uhr. "Es ist klar, dass man die Anlage verlässt, wie man sie betritt, aber wir können nicht alles kontrollieren." Die Bitte, das Flutlicht eine viertel Stunde länger an zu lassen, sei einfach abgelehnt worden. Dazu sagt Ulrich Jacoby, Pressesprecher der Stadt: "Es gibt feste Zeiten für die Benutzung des Sportzentrums. Danach richtet sich auch die Dauer der Einschaltung des Flutlichtes. Die Brenndauer muss aus Kostengründen möglichst kurz sein, deckt aber in jedem Falle die festgelegten Trainingszeiten ab."Eine Art "Kämpfer gegen Paragraphenreiterei"

Außerdem wundert sich Altmeyer, dass er nach einem Gespräch im Ordnungsamt, das mitgeschrieben wurde, keine Kopie bekommen konnte. Ulrich Jacoby: "Interne Gesprächsvermerke sind für die Verwaltung, nicht aber für Außenstehende bestimmt. Sie enthalten oft neben dem reinen Gesprächsverlauf auch Wertungen, die nur für die Verwaltung Bedeutung haben. Wenn in Gesprächen Absprachen oder Vereinbarungen mit Außenwirkung festgelegt werden, werden diese in einem Schreiben den Teilnehmern verbindlich mitgeteilt." Eskaliert ist der Konflikt, als Andy Altmeyer, der sich als eine Art Kämpfer gegen "Paragraphenreiter" versteht, "in Turnschuhen und vier, fünf Leuten nach einem Leistungstest auf der Laufbahn anschließend im äußeren Bereich des Rasenplatzes gekickt" habe - trotz Platzsperrung. Daraufhin kam das Hausverbot. Im Schreiben dazu heißt es, er habe "bereits zum wiederholten Mal gegen die Benutzungsordnung sowie den bestehenden Benutzungsvertrag verstoßen". Ulrich Jacoby informiert: "Das zunächst bis zum 2. August befristete Benutzungsverbot wurde ausgesprochen, weil Herr Altmeyer am 15. Juli den Rasenplatz benutzt hat, obwohl dieser wegen eines Gewitterregens gesperrt war. Er kam der mehrmaligen Aufforderung von Platzwart Arno Denkert, den Platz zu verlassen nicht nach. Arno Denkert übt im Sportzentrum das Hausrecht aus, seinen Anweisungen, die sich auf die Einhaltung der Benutzungsordnung beziehen, ist nachzukommen." Als der Trainer vor einer Woche der Mannschaft die Anlage aufschloss, kam wegen des Hausverbots die Polizei. Andy Altmeyer: "Ich wäre der erste unlizensierte Trainer, der für sein sportliches und soziales Engagement eine Strafanzeige erhält. Die will ich haben." Bürgermeister Ralf Bußmer habe angekündigt, nach seinem Urlaub ein klärendes Gespräch zu führen, sagt Altmeyer und: "Wir wollen doch nur Fußball spielen und die Stadt Wittlich hat ebenfalls die soziale Verantwortung der Vereine zu unterstützen."

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