Rüstige "Intima" noch nicht verkalkt

Rüstige "Intima" noch nicht verkalkt

TRABEN-TRARBACH. Sie wäscht und wäscht, und das seit nun fast 50 Jahren: In der gemütlichen Küche von Hildegard Sonntag hat die "Intima" ihren festen Platz am Fenster und ist in liebevollen Händen, die seit Jahrzehnten pfleglich mit ihr umgehen.

Die halbautomatische Waschmaschine der Firma Zanker ist noch gut beisammen, zeigt weder Zeichen von Verkalkung noch "Inkontinenz" und rumpelt vergnüglich vor sich hin. Blitzblank sind die Emailledeckel, die Waschtrommel und Schleuder des Modells "Intima" schließen, und Hildegard Sonntag dienen sie allmorgendlich als Ablage für den Trierischen Volksfreund. Dort sitzt sie dann und liest genüsslich ihre Zeitung. Viel Geld hatte das junge Ehepaar Albert und Hildegard Sonntag seinerzeit für das "Waschbüffett Intima" hingeblättert - weit über 1000 Mark, "das war unsere teuerste Anschaffung, und wir mussten lange dafür sparen". Seit 1951 gab es Waschvollautomaten, und die waren etwas preiswerter. "Aber eine solche Maschine hätte im Boden festgeschraubt werden müssen", berichtet Albert Sonntag, "weil sie sonst abgehauen wäre." Durch die schnellen Drehbewegungen der Trommel gingen die Vollautomaten auf Wanderschaft. Ein Balken an der Zimmerdecke der darunterliegenden Wohnung wäre zur Verankerung notwendig gewesen. Das kam nicht in Frage, und so fiel die Wahl auf halbautomatisch mit einer Extratrommel fürs Schleudern. "Das ist mein gutes Stück", schwärmt Hildegard Sonntag von ihrer treuen Gefährtin in der Küche, die vier Kilo Wäsche fasst. "Mein erster Waschtag mit der Maschine im Jahr 1957 war ein Ereignis", erinnert sie sich. Wie mühselig war es zuvor, die Wäsche sauber zu kriegen. "Am Abend vorher wurde sie in Wannen eingeweicht, kam dann in den Kessel, wurde gekocht und anschließend zur Bleichwiese gebracht." Es kostete zehn Pfennige, die Wäsche dort auszubreiten. Mit der Gießkanne wurde sie immer wieder besprengt, "denn sonst wäre sie gelb geworden". Es folgte eine weitere Wäsche, bis endlich die Leine lockte. Hildegard Sonntag, damals Mutter einer sechsjährigen Tochter, konnte nun ihr Glück kaum fassen. "Ich kochte mir eine Tasse Kaffee, setzte mich vor die Maschine und dachte, das darf nicht wahr sein, dass die Wäsche gleich fertig ist." Die gelbe Garantiekarte besitzen die Sonntags noch, ebenfalls die 27-seitige ausführliche Gebrauchsanleitung. Mit Schreibmaschine wurde einst die Abnahme-Prüfung verfasst, die ebenso mitgeliefert wurde wie ein blauer Umschlag mit dem Vermerk "Wichtig". Darin enthalten war "ein Gutschein für ein Paket Spezialwaschmittel toki". Nicht jedes Pulver war damals für die Maschine geeignet, sie konnte leicht zur "Schaumschlägerin" werden. Zehn Esslöffel "rei" für die Vorwäsche und 20 Esslöffel fürs Klarwaschen lautete die Empfehlung in der Gebrauchsanleitung. Hildegard Sonntag weicht ihrer Maschine bei der Arbeit auch heute nicht von der Seite, und Ehemann Albert durfte lediglich zwei kleine Reparaturen in den vergangenen Jahren vornehmen, muss ansonsten seine Finger von "Intima" lassen. "Ich habe Angst, er macht mir was kaputt", lacht die Ehefrau, die mit der vertrackten Technik und dem defekten Temperaturanzeiger ("das habe ich im Gefühl") bestens klarkommt. Sieben bis zehn Jahre halte nach Angaben der Industrie heute eine Waschmaschine, sagt Elektromeister Horst Molz aus Traben-Trarbach. Die Elektronik sei empfindlich, aber es komme immer auf die Pflege an. Letztlich sei es bei der Waschmaschine wie bei einer Frau: "Die eine ist mit 30 schon alt, die andere mit 50 noch jung." Hildegard Sonntag indes hofft, dass ihre "Intima" ihr noch viele Jahre treue Dienste leisten wird.

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