Rufbus rollt zögerlich an - Nahverkehr-Experiment soll in Wittlich zwei Jahre getestet werden

Rufbus rollt zögerlich an - Nahverkehr-Experiment soll in Wittlich zwei Jahre getestet werden

Noch wird der Rufbus in Wittlich nicht besonders stark genutzt. Seit gestern fährt er 70 Haltestellen im Stadtgebiet an. Bürgermeister Joachim Rodenkirch ist zuversichtlich, dass das Angebot nach einer Gewöhnungsphase angenommen wird.

Wittlich. Katja Andries bezeichnet Busfahren als ihre Berufung: "So wie Mütter gerne ihre Kinder um sich haben, so fahre ich gerne Bus!"
Doch der erste Fahrgast des Wittlicher Rufbusses lässt auf sich warten. "9.07 Uhr: Peter-Wust-Gymnasium", zeigt Andries' Smartphone an. Die Fahrerin wartet fünf Minuten - kein Passagier zu sehen. "Ich kann mir gut vorstellen, dass am ersten Tag einige Leute nur aus Neugier anrufen", sagt sie, "um auszuprobieren, ob das System funktioniert."

Das System ist folgendes: Wer in Wittlich von A nach B will, ohne Auto fahren oder sich an die Busfahrpläne halten zu müssen, der ruft in der Fahrtwunschzentrale an (siehe Extra). Den Mitarbeitern der Rhein-Mosel-Verkehrsgesellschaft (RMV) teilt man dann mit, zwischen welchen der 70 Haltestellen in Wittlich man wann verkehren will. Die Fahrer bekommen die Daten in einer speziellen App auf dem Smartphone angezeigt und machen sich auf den Weg.

Intensiv genutzt wird der Rufbus an seinem ersten Tag im Dienst noch nicht: Nur acht Fahrgäste melden sich an; davon tauchen drei nicht auf.
Trotzdem ist Andries zuversichtlich: "Das Projekt muss nur ins Rollen kommen." Sie vermutet, dass viele Menschen den unscheinbaren, weißen Kleinbus einfach übersehen. Darum soll der "Rufbus"-Schriftzug in Zukunft größer und auffälliger sein.

"Man darf in den ersten Tagen nicht zu viel erwarten", erklärt Andreas Mischok von der RMV. "Viele Leute wissen noch nicht, was der Rufbus überhaupt ist. Aber bei einem Preis von maximal einer Tasse Cappuccino wird das Angebot bestimmt Abnehmer finden."
Bürgermeister Joachim Rodenkirch ist der Passagier auf der Jungfernfahrt. "Das Angebot muss im Bewusstsein der Bürger ankommen", sagt er. "Erst dann können wir beurteilen, ob die Idee angenommen wird oder nicht." Darum wird der Rufbus zunächst zwei Jahre lang in Wittlich getestet.

Mit dem Wittlicher Stadtbus sei zwar ein Nahverkehr-Experiment gescheitert, aber Rodenkirch vertraut darauf, dass die größere Individualität und die günstigen Preise des neuen Angebots Passagiere locken. "Es gibt das Bestreben, im Straßenverkehr umzudenken. Und dieses Projekt ist ein Schritt in die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs."Extra

Der Wittlicher Rufbus fährt montags bis freitags zwischen 8 und 12 Uhr sowie zwischen 14 und 18 Uhr 70 Haltestellen in Wittlich an. Fahrtwünsche können zwischen 7 und 18 Uhr bei der Fahrtwunschzentrale unter Telefon 0261/29670388 oder online unter www.fahrtwunschzentrale-rlp.de angemeldet werden. Falls zur gewünschten Zeit auf der gewünschten Strecke ein regulärer Linienbus fährt, teilt die Zentrale das dem Fahrgast mit. Eine Einzelfahrt kostet 3 Euro. Zeitkarten und Rabatte gelten im Rufbus genauso wie im regulären Busverkehr. ian

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