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Ruheforst in Lieser ist öffiziell eröffnet

Bestattung : Unter alten Wipfeln ist Ruh’

Der von der Gemeinde Lieser eingerichtete Ruheforst ist offiziell eröffnet worden. Mehr als 60 Verstorbene haben dort schon ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Der letzte Weg eines Menschen führt immer öfter nicht mehr auf einen herkömmlichen Friedhof mitten in einem Ort, sondern in den Wald. Seit Mai bietet die Ortsgemeinde Lieser einen Ruheforst unter 150 Jahre alten mächtigen Eichen und Buchen an. In den folgenden Monaten haben im Wald oberhalb des Ortes bereits mehr als 60 Verstorbene ihre letzte Ruhestätte gefunden, berichtet Ortsbürgermeister Jochen Kiesgen. „Das sind mehr als erwartet“, sagt er bei der offiziellen Eröffnung am Freitag.

Für das erste Jahr sei mit 70 bis 80 Bestattungen gerechnet worden, erläutert er. Diese Zahl ist schon nach der Hälfte der Zeit fast erreicht. „Allerdings war der Nachholbedarf auch groß“, klärt Kiesgen auf. Zu Erinnerung: Die Planungen für einen Ruheforst waren schon vor zwei Jahren sehr konkret (der TV berichtete). Der Wunsch nach Bestattungen unter Bäumen wuchs schnell. Weil sich das Genehmigungsverfahren aber hinzog, blieben viele Urnen erst einmal bei den Bestattern.

Auch die Zukunft scheint gesichert. „Der Bedarf ist da. Die Nachfrage ist sehr, sehr groß“, führt Kiesgen aus. Bei der Gemeinde melden sich viele Menschen, die bereits zu Lebzeiten für sich und oft auch weitere Angehörige auf Baumsuche sind. Nach Angaben des Ortsbürgermeisters kommen die Interessenten bisher aus der gesamten Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues und der angrenzenden VG Wittlich-Land.

595 Euro kostet die billigste Grabstelle für 99 Jahre. Dazu kommt ein Bestattungsgeld von 300 Euro. Damit deckt die Gemeinde unter anderem die Kosten für die Herstellung des Urnengrabes. Sie bezahlt davon auch drei Personen, die auf 450-Euro-Basis Angehörige oder andere Interessenten beraten und auf  Wunsch auch über das Gelände führen.

Immer mehr Menschen können sich vorstellen in einem Ruheforst oder Bestattungswald bestattet zu werden. Der örtliche Revierförster Martin Herrmanns gehört dazu. Er wird auch einmal im Wald über Lieser seine letzte Ruhe finden. „Ich habe mir schon einen Baum ausgeguckt“, sagt er.

16 Hektar groß ist das Waldstück, das ans Kueser Plateau grenzt. Vorerst stehen in einem drei Hektar großen Areal 220 Bäume zur Verfügung. Um sie herum finden bis zu zwölf Urnengräber Platz.

Herrmanns hatte schon vor 20 Jahren die Idee für einen Ruheforst. Vor einigen Jahren ging er sie mit dem damaligen Ortsbürgermeister Reinhard Barthen an. Mit dessen Nachfolger Jochen Kiesgen vollendete er sie. Die Gemeinde hat dafür einen mittleren fünfstelligen Betrag investiert. „Wir können den Wald jetzt anders in Wert setzen“, sagt Herrmanns. „Ich freue mich außerordentlich“, lässt er seinen Gefühlen freien Lauf.

„Die Bestattungsformen wandeln sich“, sagt Leo Wächter, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues. Vor Ort übernehme die Natur die Grabpflege. Wächter wirbt aber auch für Verständnis gegenüber denjenigen, die eine solche Bestattungsform ablehnen.

Jost Arnold, Geschäftsführer der bundesweit engagierten Ruheforst GmbH, überreichte dem Ortsbürgermeister ein Holzschild mit der Aufschrift „Ruheforst“. Die Gesellschaft hat die Gemeinde beraten und wird das auch weiterhin tun. „Man sollte den Tod nicht aus dem Leben verbannen, sondern ihn zum Gesprächsthema machen“, sagt Arnold.

Pastor Bruno Comes segnete das Gelände im strömenden Regen mit Weihwasser. „Das Grab ist die vorletzte Station eines Menschen, nicht die letzte“, sagt sein evangelischer Kollege Klaus Milde. Danach warte der Himmel. Milde: „Dort verlieren die Bäume nie ihre Blätter.“