Stadtentwicklung : Ruinen in Wittlichs Top-Lage

Während sich das Umfeld im Wittlicher Stadtzentrum prächtig entwickelt, sind vier Immobilien dem Verfall preisgegeben.

Bröckelndes Mauerwerk mit Holzverschlägen statt Fensterscheiben: Wer durch die Wittlicher Schloßstraße spaziert, der stößt mitten im Stadtzentrum nahe des ZOB und des Stadthauses auf eine Ruine. Die Gebäudezeile aus vier Häusern rund um das ehemalige Kino verfällt  seit Jahrzehnten. 2003 wurde die Disco „Chic“ dichtgemacht. Das Filmspielhaus schloss 2010. Nur im Erdgeschoss von zwei der vier Gebäuden brennt heute noch Licht. In der Kneipe „Bierbrunnen“ bekommt man noch ein frischgezapftes Bier serviert, und in der „Spielstube“ kann man sein Geld in Automaten werfen. „Die Obergeschosse der Gebäude, die alle unterschiedliche Eigentümer haben, sind unbewohnt“, erklärt der Eigentümer einer Immobilie aus dem Verbund, der seinen Namen jedoch für sich behalten möchte.

„Ich weiß selber, dass dieser Gebäudekomplex ein Schandfleck ist. Aber man kann die ganze Zeile nur im Verbund entwickeln. Einer alleine kann ja nichts machen, ohne dass die anderen zustimmen. Wir bekommen allerdings nicht alle Eigentümer unter einen Hut“, sagt er weiter. Er habe den anderen Eigentümern schon mehrere Vorschläge unterbreitet, „doch es gibt immer Leute, die denken, dass sie das versilbert bekommen. Es ist ja aber alles nur Schrott. Wie kann man da meinen, man könnte einen großen Reibach damit machen?“ So habe er der Eigentümergemeinschaft den Vorschlag unterbreitet, dass alle ihre Immobilie in eine Gesellschaft einbringen sollten.

Ideen dazu, was man im Verbund aus den vier Gebäuden machen könne, habe er schon so einige vorgeschlagen, sagt der Eigentümer. „Wir hatten damals Pläne geschmiedet, dort ein neues Kino zu bauen. Auch eine Veranstaltungshalle hatten wir vor, ebenso wie ein Hotel. Aber das gibt es ja mittlerweile in Wittlich alles schon oder ist zumindest an anderer Stelle bereits in der Planung.“ Was ließe sich dort also aktuell verwirklichen?

„Es ist eine klasse Lage. Man muss etwas Vernünftiges daraus machen. Büros gibt es in der Stadt genug.“ Man könne in den Gebäuden oben Penthouse-Wohnungen bauen, meint er. „Ich habe mir jetzt keine Gedanken mehr gemacht, dafür bin ich auch mittlerweile zu alt, aber ich würde mitmachen und meine Immobilie in eine Gesellschaft einlegen“, sagt der Eigentümer.

Ein anderer Gebäudeeigentümer, dem ebenfalls eine der vier Immobilien gehört, erklärt: Aktuell sei nichts am laufen. das könne sich jedoch relativ zügig ändern. „Es könnte dieses Jahr anlaufen aber auch noch zwei Jahre dauern.“

Wohnbebauung sei dort auf jeden Fall jederzeit möglich, meint der Eigentümer. „Mehr kann ich dazu jetzt nicht sagen.“

Wer allerdings noch etwas dazu sagen könnte, sind Projektentwickler aus der Region, die nach TV-Informationen ebenfalls Interesse an der Ruine in bester Lage haben. Doch auch diese beiden Architekten, die in der Region schon so einige Großprojekte umgesetzt haben, hüllen sich noch in Schweigen: „Wir befinden uns derzeit in einem frühen Verhandlungsstadium. Es ist allerdings noch zu früh, um öffentlich konkrete Überlegungen zu äußern. Sollten die Verhandlungen von Erfolg gekrönt sein, so werden wir uns gerne nochmal bei Ihnen melden“, antworten die Projektentwickler auf eine TV-Anfrage.

„Die Stadtverwaltung“, erklärt Pressesprecher Rainer Stöckicht, „versucht seit Jahren, bei der Entwicklung dieses Bereichs zu unterstützen und zu vermitteln. Unterschiedliche Interessenlagen bei unterschiedlichen Eigentumsverhältnissen machen dieses Unterfangen allerdings nicht einfach.“ Die Stadt helfe gerne dabei, potenzielle Investoren mit den Eigentümern zusammen zu bringen, um eine attraktive Entwicklung dieses Gebietes voranzutreiben.