Rund hundert Wagemutige nehmen am Bernkastel-Kueser Fackelschwimmen teil

Tradition : Moselschwimmer begleiten den Nikolaus

Rund hundert Wagemutige sind beim Bernkastel-Kueser Fackelschwimmen wieder durch die winterliche Mosel geschwommen, um den Nikolaus, der auf einem Ruderboot schipperte, zu begleiten.

Pechschwarz, eisig-kalt und irgendwie unheimlich fließt die Mosel entlang der weihnachtlich beleuchteten Ufer zwischen Bernkastel und Kues. Zum Baden lädt der Fluss im Dezember nicht ein. Und doch stürzen sich seit mehr als vier Jahrzehnten Wagemutige in die dunkel-kalten Fluten, um mit Fackeln in der einen und heißem Punsch oder Glühwein in der anderen Hand etwa eineinhalb Kilometer durch den Fluss zu schwimmen.

Das Bernkastel-Kueser Fackelschwimmen ist mittlerweile eine Kultveranstaltung für Taucher aus der gesamten Region – und mehrere Tausend Zuschauer. Selbst aus Belgien, Luxemburg und Großbritannien, Hessen und Baden-Württemberg kommen einige der diesmal gut 100 Teilnehmer.
„Es ist als Taucher die Lust, einfach mal wieder ins Wasser zu kommen. Die Stimmung ist super. Alle sind am grölen und am feiern“, erklärt Christian Benzmüller seine Motivation. Und mit entsprechendem Anzug ausgestattet, sei  es gar nicht kalt, beteuert der 46-Jährige aus Trier: „Bis auf die Finger ist alles gut.“ Schivi Mansfield kann sich noch gut erinnern, als sie vor 17 Jahren das erste Mal teilgenommen hat: „Als die Mosel hinten den Rücken runter lief, dachte ich, ich flipp‘ aus. Nach ein paar Minuten wird es dann warm, und dann ist alles gut. Aber im ersten Moment denkt man: Was mach‘ ich hier?“, erzählt die in Trassem bei Saarburg lebende Engländerin.

Kalt sei es eigentlich gar nicht, erzählt auch Nico Brösch aus Lieser, der das erste Mal dabei ist. „Wenn der Anzug erst einmal voll Wasser ist, merkt man von der Kälte gar nichts mehr“, sagt der 25-Jährige, der mit seiner vier Jahre älteren Schwester Anna dabei ist. Beide benutzen sogenannte Nassanzüge, in denen das einfließende Wasser eine isolierende Schicht zwischen Haut und Taucheranzug bildet.

Irgendwann lerne man die Vorzüge eines Trockenanzugs zu schätzen, meint Uwe Knop, der Vorsitzende der Sporttaucher Oktopus dazu. Der Luxus kann allerdings schon einen vierstelligen Eurobetrag verschlingen.
Ob Nass- oder Trockenanzug, der Regen, der beim 42. Fackelschwimmen zeitweise einsetzt, treibt nur die Schaulustigen unter die Bögen der Moselbrücke. „Tauchern macht es wenig, wenn es regnet“, sagte Knop grinsend. Und der Nikolaus, der im Boot des Bernkasteler Rudervereins zur Mündung des Kallenfelsbachs am Bernkasteler Gestade gebracht wird, um dort Hunderte Schokoladen-Nikoläuse an die wartenden Kinder zu verteilen, hat vorgesorgt: „Ich habe einen Regenmantel dabei“, erzählte der heilige Mann. Mit Wasser vollgesogen, würde sein Mantel zu schwer werden. Dicht an dicht, in mehreren Reihen hintereinander stehen die Zuschauer auf der Moselbrücke, um den laut grölenden Lindwurm von Fackeln und geschmückten Flößen, darunter ein Schlitten mit leuchtenden Geschenken, zu beobachten. Kein Vergleich zu den Anfängen Ende der 1970er Jahre. „Vor 42 Jahren sind vom Tauchclub die heutigen Senioren mit ein paar Leuten ins Wasser gegangen. Just for fun. Das war auch gar nicht bekannt“, erzählt Petra Keukert-Kraemer, die das Fackelschwimmen bei den Sporttaucher Oktopus federführend organisiert. Nur die Standbetreiber auf dem Bernkastel-Kueser Weihnachtsmarkt wunderten sich damals über die ungewöhnlichen Gestalten, die nass-triefend zwischen den Buden flanierten.