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Russisches Korn für die Moselaner

Russisches Korn für die Moselaner

Jahrzehntelang, von 1833 bis 1876, führte der im Trabener Ortsteil Litzig lebende Maurermeister und Winzer Heinrich-Peter Knod ein Tagebuch, das sich hauptsächlich dem Witterungsverlauf widmete. Der Traben-Trarbacher Heimatkundler Richard Ochs hat jetzt im Mittelmosel-Museum aus dem Buch viele interessante Passagen vorgestellt.

Traben-Trarbach. Knods Urenkelin Edith Schwenzel hatte Ochs das Tagebuch zur Verfügung gestellt und ihm damit eine monatelange Arbeit beschert. Mit feinen Federstrichen in kleiner Kurrentschrift hatte der Maurer seine Aufzeichnungen niedergeschrieben, und die sind für Zeitgenossen kaum noch zu entschlüsseln. Richard Ochs gelang es, die von 1833 bis 1876 geführten Notizen zu übertragen. Er durfte sich daher freuen, dass mehr als 30 Gäste seine Lesung im Salon des Hauses Böcking begeistert verfolgten."Ein Dokument von außerordentlicher Bedeutung"

Akribisch hat Knod über vier Jahrzehnte die Natur-Ereignisse in seiner Heimat mit genauen Datumsangaben aufgeschrieben: Die früheste und die allgemeine Baumblüte, Hochwasser, Eisgang, später Frost, Beginn und Ende der Rebblüte, Anfang und Ende der Weinlese, erster Schnee, Most- und Weinpreise pro Ohm (155 Liter) in Talern und vieles mehr. "Es ist bewundernswert, dass jemand über 40 Jahre die Wetterbeobachtungen festgehalten hat", sagte Richard Ochs. Es gebe nur kleine Lücken in dem "Dokument, das für unsere Heimat von außerordentlicher Bedeutung ist".Knod schrieb seinerzeit, wie ihm der Schnabel gewachsen war; ohne Punkt und Komma füllte er die Seiten des einfachen Schreibheftes Jahr um Jahr. Sachlich schildert er, wie Gemüse und Kartoffeln geraten waren und er 1834, seinem ersten Jahr als Winzer, 188 Taler für das Fuder Wein bekam. In Zeltingen gab es nur 140 dafür. Doch nicht immer war die Witterung "gelinde", Pfingsten 1837 war "ganztägig noch zu heizen", 1838 erfroren die Kartoffeln in den Kellern, Eisschollen lagen in den Gärten und drohten die Häuser am Ufer zu beschädigen. Es gab Trockenperioden und ausdauernde Regenfälle, von 1833 bis 1876 führte der Fluss zwölfmal Hochwasser. 1846 musste Korn aus Amerika und Russland herbeigeschafft werden, "sonst wäre Hungersnot entstanden". 1855 beschreibt Knod als "kärgerliches Jahr". Es gab wenig Obst, das Gemüse war schlecht geraten. Die Sorge um die Erträge und die Ernährung ist immer wieder ersichtlich. 1870 hatte das Vieh wegen der Trockenheit kein Futter, die besten Tiere mussten geschlachtet werden.Weltgeschehen wird kaum berücksichtigt

Das allgemeine Weltgeschehen fand indes kaum Eingang in Knods Tagebuch. Eher beiläufig erwähnt er die französische Revolution, die Wahl des Königs von Preußen zum deutschen Kaiser und selbst der verheerende Stadtbrand in Trarbach vom Juli 1857 ist ihm nur wenige Zeilen wert: "Die Flammen wüteten so fürchterlich, dass ich es nicht beschreiben kann". Zu groß war offensichtlich das Bangen ums Überleben, das von den Launen der Natur abhängig war.Als 46-Jähriger erlebte er ein Schicksalsjahr, das er kurz schildert. Im März starb ihm die Mutter, im Mai der Schwiegervater und die geliebte Ehefrau, ein Sohn der Frau zog in die Fremde, wurde dort des Diebstahls bezichtigt und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, "und dann ist mir noch ein Schwein krepiert, das zehn Thaler an Wert hatte". Verleumdungen durch Geschwister, Kummer und Sorgen prägten das Jahr, das für ihn dann doch ein gutes Ende fand, denn er verlobte sich. Das Publikum dankte Richard Ochs mit viel Beifall für seine mühevolle Arbeit und den kurzweiligen Vortrag.