Saatgut der besten Bäume gefragt
Piesport · Im Piesporter Gemeindewald erntet eine Baumschule derzeit Bucheckern. Ihr Saatgut wird benötigt, um junge Buchen aufzuziehen, die ansonsten nur im direkten Umfeld heranwachsen würden.
Albert Weis (Zweiter von links) von einer Baumschule in Bad Ems ist zufrieden mit der bisherigen Bucheckern-Ernte im Piesporter Gemeindewald, links Revierförster Oliver Maximini. Für das Forstamt Traben-Trarbach ist sie laut Leiter Franz-Josef Sprute (rechts) eine Premiere. Neben ihm steht Referendar Martin Gräf. TV-Foto: Ursula Schmieder
Piesport. Nur alle fünf bis zehn Jahre versprechen Buchen eine derart reiche Ernte wie in diesem Herbst. Ihre Frucht, die Bucheckern (siehe Extra), gedeiht oft nach heißen trockenen Sommern sehr gut. Fachleute sprechen von Mastjahren, die für Baumschulen, die Jungpflanzen aufziehen, wichtig sind.
Sie brauchen das Saatgut, das sie an wechselnden Standorten ernten - so wie aktuell im Piesporter Gemeindewald. Mitarbeiter der Lürssen Baumschulen Bad Ems haben dort auf einer Fläche von sieben Hektar, vergleichbar neun Fußballfeldern, Vliesstoff ausgelegt. Die über mehrere Wochen herabfallenden Früchte lassen sich so bequem auflesen.
Möglich ist das nur, solange Jungbäume noch klein sind. Außerdem darf nur an ausgewählten Standorten geerntet werden. Revierförster Oliver Maximini erklärt die Voraussetzungen: Die Flächen sollten eine gewisse Größe haben. Vor allem aber müssten Samenbäume bestimmte Qualitäts- und Vitalitätseigenschaften aufweisen. Und das ist laut Referendar Martin Gräf nach Bundesrecht geregelt und wird auch geprüft. Franz-Josef Sprute, Forstamtsleiter Traben-Trarbach, weiß in seinem Zuständigkeitsbereich nur von zwei Buchenstandorten. Häufiger seien gute Eichen- oder Kastanienbestände, Die Ernte in Piesport ist auch für ihn eine Premiere.
Festgelegt ist sogar, wie mit dem Saatgut zu verfahren ist - und das nicht nur in erntetechnischer Sicht. Es muss auch zurückzuverfolgen sein, wo das Saatgut gewonnen wurde. Albert Weiß von der Baumschule schätzt, aus den geernteten Bucheckern etwa 800 Kilogramm Saatgut gewinnen und 1500 bis 2000 Pflanzen aufziehen zu können. Die Samen werden bis Weihnachten, beständig gewendet, an der Luft trocknen. So wird ihr Feuchtigkeitsgehalt von 35 auf 25 Prozent reduziert. Danach werden sie kühl gelagert, im Frühjahr in Baumschulbeeten ausgesät und bis zu ihrer Freilandtauglichkeit dort zwei bis drei Jahre lang gehegt und gepflegt. urs
Extra
Die dreikantige Frucht enthält Samenkörner, mit denen sich der Baum vermehrt. Das Saatgut ist schwer, sodass es der Wind nur wenige Meter weit trägt. Über den begrenzten Raum hinaus vermehren sich Buchen dank Waldbewohnern. Wildschweine und Eichhörnchen schätzen die nahrhaften Bucheckern und verscharren sie als Vorrat für die Wintermonate. Später wachsen dort oft Jungpflanzen empor. urs