Saatgut mit geballter Kraft

Menge und Qualität der Eichenbestände im Stadtwald Wittlich führen in diesem Jahr zu einer Eichensammelaktion. Stadtförster Mario Sprünker und 15 Erntehelfer sammeln 4000 Kilogramm Eicheln im Mundwald.

Förster Mario Sprünker, Forstwirt Rolf Weber, Elife Demirel, Nebahat Cihan und Ismail Cihan (von links) freuen sich über den schönen Ernteertrag am ersten Tag der Eichensammelaktion im Mundwald. TV-Foto: Werner Klein

Wittlich. Dass die Wittlicher in ihrem Stadtwald edelste und sehr begehrte Eichenbestände haben, ist wohl den meisten Bürgern nicht bewusst. Herbstzeit ist Erntezeit, auch für das Forstrevier Wittlich, mit Stadtförster Mario Sprünker. Fünfzehn fleißige Sammler haben es auf die am Boden liegenden Eicheln aus den kleinen Fruchtbechern abgesehen. Die Sammler sind erfahren und haben das richtige Händchen. Auge und Gefühl sind gefragt. Ist die Eichel gesund, ist sie von Käfern oder Pilzen befallen? Wichtig ist, dass sie keimfähig ist.

Diese Exklusivitäten werden nur in festgelegten Beständen gesammelt. Die Trauben-Eichen im Mundwald beschreibt der Stadtförster so: "Sie sind etwa 165 Jahre alt, gerade gewachsen wie Schiffsmasten, haben eine glatte ,ehrliche' Rinde wie der Förster sagt. Der Baum steht frei, treibt keine Wassertriebe ist nicht gegabelt. Seine Dimension ist sauber, genetisch rein. Gesammelt wird in so genannten Samen- oder Mastjahren in denen starker Behang an den Bäumen zu sehen ist." Reinheit und Genetik der Bestände werden immer wieder überprüft und in ein Erntezulassungsregister eingetragen. Hier stehen alle Bestände die zur Vermehrung als Saatgut geeignet sind, so auch die Bestände aus dem Mundwald. Dies führt zu einer optimalen Holzwirtschaft im Rahmen der Nachhaltigkeit.

Verkauf nur innerhalb Deutschlands



Harald Grönefeld ist Saatgutbeauftragter der unteren Forstbehörde im Forstamt Wittlich. Er stellt dem Saatgut, bevor es an die Saatbaumschulen geliefert wird, ein Stammzertifikat, einen Pass, aus. So lässt sich bei späterer Anpflanzung feststellen, dass genau dieses Eichenpflänzchen aus dem Mundwald stammt. Verkauft wird nur innerhalb Deutschlands. Hierbei muss auf passende Herkunft und klimatische Bedingung geachtet werden. Stadtförster Mario Sprünker ist von den Mundwald-Eichen fasziniert. Diese Faszination möchte er an die Wittlicher weiter geben. "Wir stehen hier unter einer waldbaulichen Bestleistung von Förstern vergangener Generationen und können über 165 Jahre das Ergebnis ihrer Arbeit verfolgen und bewundern", sagt Sprünker "seine" Trauben-Eichen betrachtend. EXTRA Trauben-Eichen können ein Alter von 500-800 Jahre erreichen und bis zu 40 Meter hoch werden. Im Sommer mäßig trockene und im Winter milde Klimalagen liebt sie. Die jetzt am Boden liegenden Eicheln zeigen schon einen kleinen, hellgrünen Austrieb der sich zu einem Wurzelsystem entwickelt. Die Trauben-Eiche stellt einen hohen Anspruch an waldbauliches Können, bietet im Gegenzug ein sehr hohes Spektrum an Verwendungsmöglichkeit. So zum Beispiel als Parkbaum, zur Furnierherstellung, Fass- und Barriquebau, für Möbel, Treppen, Fußböden und früher auch zur Schweinemast unter dem Motto: Auf der Eiche wächst der beste Schinken! (wek)