Sägen und Feilen im Gefängnis

Gegen den Fachkräftemangel und für die Resozialisierung: In der Justizvollzugsanstalt (JVA) haben Häftlinge seit diesem Monat die Möglichkeit, in einer halbjährigen Ausbildung die Grundlagen für industrielle Metallberufe zu lernen. Den neuen Weg beschreitet die JVA gemeinsam mit der Agentur für Arbeit. Kooperationspartner ist das Überbetriebliche Ausbildungszentrum Wittlich.

Wittlich. Durch die Werkhalle auf dem Gelände der JVA dringt das Geräusch von Sägen, die Metall bearbeiten. Ein Dutzend Männer in Häftlingskleidung hat den Auftrag, Blechscheren herzustellen. Hintergrund ist eine neue berufliche Qualifizierungsmaßnahme im Bereich Metall, die die JVA, die Agentur für Arbeit und das Überbetriebliche Ausbildungszentrum Wittlich seit März gemeinsam anbieten.
13 der rund 500 Gefangenen erhalten die Chance, in der Haft ein Zertifikat zu erwerben, das Grundlage für jeden industriellen Metallberuf ist. Sie lernen Schweißen, Sägen und Bohren. Die Arbeitsagentur investiert pro Person 8000 Euro in die Qualifizierungsmaßnahme der Männer zwischen
21 und 39 Jahren, die alle ohne Berufsausbildung sind und zum größten Teil nicht mal einen Schulabschluss besitzen. Vier Dozenten des überbetrieblichen Ausbildungszentrums Wittlich (ÜAZ) leiten sie an.
Strafvollzug und Arbeitsagentur ziehen mit dem neuen Angebot an einem Strang. Beide sehen die Vorteile durch die Eingliederung in den Arbeitsmarkt nach der Haftentlassung. Die Arbeitsagentur hat dabei vornehmlich den Fachkräftemangel im Blick: "Hier haben wir noch eine ungenutzte Ressource", so Ferdinand Zingen, Geschäftsstellenleiter der Agentur für Arbeit Bernkastel/Wittlich.
Die JVA Wittlich betritt mit dem Angebot zweifach Neuland: Erstmalig kooperiert sie mit Dritten in der Ausbildung. Und zum andern war bislang für erwachsene Strafgefangene nur eine Berufsqualifikation in der JVA Zweibrücken möglich und diese dauert gleich mehrere Jahre. Der Vorteil des neuen Angebots in Wittlich ist im Vergleich die kürzere Laufzeit durch weniger anspruchsvolle Qualifikation. Erst dadurch spricht die Ausbildung auch Gefangene an, die keine langjährigen Haftstrafen absitzen müssen. Die angebotenen Teilqualifikationen münden nach einem halben Jahr in eine anerkannte Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer. Ausgewählt wurden Teilnehmer, deren Haftzeit kurz nach dem Abschluss zu Ende geht, damit bis zum Eintritt ins Berufsleben möglichst wenig Zeit verstreicht.
Einer von ihnen ist 25 Jahre alt und hat Erfahrung im Gleisbau. "Wenn ich entlassen werde, will ich gerne Industriemechaniker werden", stellt er sich vor. Ein Arbeitskollege verfolgt das gleiche Ziel. "Diesmal will ich die Zeit nutzen", sagt er und bedauert, dass es das Angebot bei seiner letzten Haft noch nicht gegeben habe. Da zur Ausbildung auch ein Praktikum gehört, appellieren JVA und Arbeitsagentur an Betriebe, freie Stellen an sie weiterzugeben.
Betriebe, die Praktika im Bereich Metallverarbeitung anbieten möchten, wenden sich an:
Dorothea Valerius, Bildungsberatung der JVA Wittlich, Trierer Landstraße 64, 54516 Wittlich, Telefon 06571/996-1237, Telefax 06571/996-1311, E-Mail: dorothea.valerius@vollzug.mjv.rlp.de