"Salvete" auf der Via Vinorum

PIESPORT. Ungezählte Zaungäste haben am Wochenende die Straßen von Piesport gesäumt, um mit römischen Edlen und tretfreudigen "Sklaven" das 15. Kelterfest zu feiern.

Erst sind es nur rhythmische Trommelschläge, die von weither zu vernehmen sind. Doch schon wenig später erfüllt fröhliche Musik und festliches Gepränge die Straßen von Piesport. Immer wieder erschallt in der "Via Vinorum", der am Bürgerhaus vorbeiführenden Straße des Weins, der Ruf "salvete" - seid gegrüßt. In edlen Gewändern eilen vornehme Römerinnen gen Kelteranlage. Begleitet werden sie von einfach gekleideten "Sklaven", die sichtlich Mühe haben, das schwere Weinfass durch die jubelnde Menge zu manövrieren. Statt Standarte eine Flasche Wein

Für ihren Schutz sorgt eine Gruppe Soldaten, die an der Seite ihres Imperators durch die Massen marschiert. Doch allzu Respekt einflößend wirken sie an diesem Festtag nicht, die kriegerischen Herren. Tragen sie doch statt ihrer Standarte eine Flasche Piesporter Wein voran, und sie "drohen" auch nicht mit ihren Waffen, sondern mit riesigen Trinkbechern. Der Riesenandrang beweist, dass das römische Kelterfest auch bei der inzwischen 15. Auflage nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat. Wozu nicht zuletzt das Angebot beiträgt, für nur einen Euro ein Gläschen zu erwerben, das dann ständig mit Wein nachgefüllt wird. Andrea und Hubert Irka, Kurzurlauber aus dem Frankfurter Raum, wollen es daher nicht beim Samstagsumzug belassen und auch bei dem am Sonntag dabei sein. "Der Zug ist sehr schön - aber nur zu kurz", kommentieren sieben Damen aus Köln gut gelaunt. Vom dortigen Karneval seien sie eben längere Umzüge gewohnt, was sie aber keinesfalls als Kritik verstanden haben wollen. Denn ihren Spaß haben sie an der Mosel nicht weniger als am Rhein. Ebenso wie Valentino Cipolla, der seit acht Monaten nicht nur Wahl-Piesporter ist, sondern auch aktiver Feuerwehrmann. Piesport sei einfach großartig. Er liebe diesen Ort sehr - und das schon seit frühester Kindheit, erzählt der aus Amerika stammende junge Mann. Während die Gäste dem Zug gen Kelteranlage folgen, macht sich mancher Einheimische schon wieder auf den Heimweg. Denn der Dienst an der Kasse oder am Stand ist das Eine. Die "echte" Lese darf darüber jedoch nicht ins Hintertreffen geraten. Daher wird an diesem Wochenende vor allem den Piesporter Senioren doppelter Einsatz abverlangt. Während die Urlauber das Schauspiel des Fußbetrieb-Kelterns bestaunen, das ihnen Karl-Josef Gilles vom Rheinischen Landesmuseum Trier erläutert, geht's in den Weingütern ans "moderne" Keltern. Doch zu kurz kommt selbst der Tüchtigste an diesen Tagen nicht. Was sich bei der Weinprobe am Freitag gezeigt hat. Die Stimmung im "Klausenkeller", unmittelbar hinter dem Bürgerhaus, war laut Besuchern einfach einmalig.