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Sanierung der Villa Böcking in Traben-Trarbach kostet 3,3 Millionen Euro

Denkmal : Ein Bürgermeister auf der Suche nach Spenden – Mittelmoselmuseum muss saniert werden

Um mit der 3,3 Millionen Euro teuren Sanierung der Villa Böcking beginnen zu können, fehlt der Stadt Traben-Trarbach noch ein dicker Betrag. Und es ist gar nicht so leicht, den zusammen zu bekommen

Durch eine Summe aus einer Erbschaft ist die Stadt Traben-Trarbach der Renovierung des Mittelmoselmuseums einen Schritt näher gekommen. Auf 3,3 Millionen Euro ist die Aufarbeitung der Villa Böcking taxiert, die 1755 gebaut wurde und beim Stadtbrand von 1857 vom Feuer verschont geblieben war.

„Wir dürfen erst mit der Sanierung beginnen, wenn 60 Prozent finanziert sind“, sagt Bürgermeister Patrice Langer. Das sind knapp zwei Millionen Euro. 1,1617 Millionen Euro kommen bisher aus Bundesmitteln, sagt er. Weitere 250 000 Euro kommen aus dem Erbe Rämsch. Dann fehlen zum Start der Renovierungsarbeiten noch rund 600 000 Euro.

„Ich bin derzeit am Klinkenputzen“, sagt Langer, der bereits infrage kommende Sponsoren wie die Deutsche Lotto-Gesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Denkmalschutz angeschrieben und Verbindung zur Europaabgeordneten Katharina Barley gesucht hat, um auszuloten, ob er von EU-Programmen profitieren kann. „Ich freue mich über jede Spende“, sagt er auch in Richtung der Traben-­Trarbacher Bevölkerung.

Auch, wenn der Stadtbürgermeister die notwendigen 60 Prozent zusammengekratzt hat, bleibt es für die verschuldete Stadt ein ambitioniertes Projekt. „Die Finanzierung der restlichen 40 Prozent ist hammerhart“, sagt Langer. Dass eine Sanierung notwendig ist, daran lässt Langer keine Zweifel: „Seit 50 Jahren ist nichts gemacht worden.“ Heizung, Flucht- und Rettungswege, ein behindertengerechter Zugang zu den Ausstellungsräumen, die Strominstallation, alles ist erneuerungsbedürftig. Besonders zu schaffen macht ihm das Dach. Langer freut sich über jeden Sturm, der ihm Dachziegel von der Eindeckung des Gebäudes weht. Denn dann kann er auf Kosten der Versicherung ein Stück vom Dach neu eindecken lassen. „Traurig, so etwas“, beschreibt er diese Zwänge selbst.

In der Villa der Kaufmannsfamilie Böcking, gebaut im Stil des Trierer Barock, erleben Besucher in 20 Ausstellungsräumen den Wohnstil einer Patrizierfamilie im 18. und 19. Jahrhundert. Doch ist die Villa Böcking nicht nur von dieser Seite her kulturell bedeutend. Ohne die Villa Böcking hätte so mancher Deutscher am Frühstückstisch ein Problem, sagt Langer. Denn einst hatte eine Tochter aus dem Hause Böcking einen Villeroy geheiratet. Die Mitgift bildete das Grundkapital für die heutige Porzellanfirma Villeroy und Boch. Zudem gibt es Verbindungen zur Industriellenfamilie Krupp. Und berühmte Gäste gab es auch: Johann Wolfgang von Goethe, der preußische König Friedrich-Wilhelm IV. und der französische Dichter Apollinaire.

Wiebke Pfitzmann vom Tourismus Zweckverband Moselregion in Traben-Trarbach sagte im Dezember 2020, dass es sich bei der Villa Böcking mit dem Mittelmoselmuseum um einen touristischen Rohdiamanten handelt, den man gerne intensiver in die Vermarktung einbinden würde. „Durch die reale Gestaltung der Wohnräume bietet die Ausstellung schon jetzt ein interaktives Erlebnis. Ich sehe da viele Anknüpfpunkte zu wichtigen touristischen Themen.“ Das Museum habe Potenzial eine eigene touristische Attraktion in der Region zu werden, gerade als Schlechtwetteroption.