Sauberes Wasser für Mali

MORBACH. Im Laufe des Jahres erwirbt eine Gemeinde viele Dinge: vom Rasenmäher für den Bauhof über neue Möbel für die Schule bis zum Kopierer für das Rathaus. In diesen Tagen geht es um eine ungewöhnliche Anschaffung: eine solare Trinkwasseraufbereitungs-Anlage.

Eine Wasseraufbereitungsanlage gehört nicht zum Standard-Eigentum einer Kommune. Dennoch schafft die Einheitsgemeinde Morbach in diesen Tagen ein solches Gerät an. Nicht etwa, weil die eigene Trinkwasser-Versorgung zu wünschen übrig lässt. Die Anlage ist vielmehr für das Dorf Gagny im Nordwesten von Mali gedacht. Schon im vergangenen Jahr kaufte die Mali-Hilfe in Morbach zwei kleine Modell-Anlagen, mit denen in Afrika etwa zwei bis drei Familien versorgt werden können. Die Betreibergesellschaft des Flughafens Frankfurt-Hahn hatte damals den kostenlosen Transport der Anlage ermöglicht. Angestoßen wurde das Projekt durch die Installation einer Demonstrationsanlage der Firma RSD Solar aus Hannover in der Morbacher Energielandschaft und einer Vorführung dieses Geräts bei einem Wohltätigkeitskonzert vor rund einem Jahr. Das Besondere an diesem Anlagen-Typ: Er wird mit Solarenergie betrieben, die in dem afrikanischen Land in großer Menge vorhanden ist. Und das Gerät ist nach Angaben des Herstellers wartungsarm. Bürgermeister Gregor Eibes war bereits damals klar, dass diese Spende "nur ein Tropfen auf einem heißen Stein" sein kann. Nach einem Briefwechsel von Peter Brucker, dem Vorsitzenden der Mali-Hilfe, mit dem Bürgermeister von Gagny, das im vergangenen Jahr vier Tote wegen verunreinigten Trinkwassers zu beklagen hatten (siehe auch Extra auf dieser Seite), stand fest: Bei der einmaligen Unterstützung sollte es nicht bleiben. Zunächst überzeugte sich das Gesundheitsministerium in Mali nach Angaben von Bürgermeister Gregor Eibes von der einwandfreien Wasserqualität. Die Firma RSD Solar bot in der Zwischenzeit ein so genanntes Kleinstwasserwerk an, dass nach Angaben Bruckers täglich etwa 500 Liter filtern kann. Das entspreche dem Tagesbedarf eines kleinen Dorfes. Der Haupt- und Finanzausschuss stimmte in der Zwischenzeit der Anschaffung zu. Kostenpunkt: knapp 4000 Euro. In den nächsten Tagen kommt ein Kontaktmann der Mali-Hilfe nach Morbach. Der Elektrotechniker absolvierte in Hannover bereits eine praktische Ausbildung, um eine Wasseraufbereitungsanlage zusammenbauen zu können. Der Herstellung von sauberem Trinkwasser in Gagny dürfte dann nichts mehr im Wege stehen. In Mali denkt man allerdings bereits weiter: Dort soll eine Lehrlingswerkstatt aufgebaut werden, in der benachteiligte Jugendliche angelernt werden sollen, diese Geräte zu installieren und zu betreuen. In dem Zusammenhang hofft man auf weitere Unterstützung aus Deutschland. "Aber wir liegen gerade mit dem Entwicklungshilfe-Ministerium im Clinch", schildert Brucker. Denn für das Gesamtprojekt, das schätzungsweise 100 000 Euro kosten wird, werden Fördermittel aus Berlin benötigt. Grundsätzlich steht man im Ministerium derartigen Projekten positiv gegenüber. Aber die Behörde müsse noch überzeugt werden, dass erneuerbare Energien auch in Afrika eine Zukunft haben. Von den Problemen lässt sich Brucker jedenfalls nicht abschrecken: "Wir bleiben dran." Wer sein Scherflein zu dem Projekt beitragen möchte, kann spenden an die Mali-Hilfe e.V. unter der Kontonummer 151239, Bankleitzahl 57069806 bei der VR-Bank Morbach oder unter 10030740, Bankleitzahl 5871230 bei der Sparkasse Mittelmosel Eifel Mosel Hunsrück.

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