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Saunaclub in Platten soll verhindert werden

Infrastruktur : Plattener wollen keinen FKK-Saunaklub

Der Ortsgemeinderat hat eine Bauvoranfrage für ein Etablissement abgelehnt. Doch das letzte Wort hat die Kreisverwaltung.

Ein idyllischer Weinort zwischen Mosel und Eifel: Die 900-Einwohner-Gemeinde Platten in der Verbandsgemeinde Wittlich-Land mit Winzerhöfen und Gästezimmern sieht sich insbesondere als Urlaubsort für Familien. Daher kommt dem Ortsgemeinderat eine Bauvoranfrage für einen FKK-Saunaklub mit Spielhalle im Plattener Gewerbegebiet an der B50 eher ungelegen.

„Wollen wir das?“, fragt Ortsbürgermeisterin Dorothea Kuhnen auf der jüngsten Ortsgemeinderatssitzung. „Das passt nicht zu uns. Wir sind ein Wein- und Ferienort mit Prädikat.“ Es sei zu befürchten, sagt Kuhnen, dass dann weniger Familien mit Kindern und Jugendlichen in Platten Urlaub machen würden. Zudem entspreche solch ein Etablissement nicht den städtebaulichen Plänen, welche die Ortsgemeinde mit dem kleinen Gewerbegebiet am Ortsrand verfolge. „Es ist für Handwerksbetriebe gedacht und soll Arbeitsplätze schaffen.“

Einige der zwölf Ortsgemeinderatsmitglieder nicken zustimmend, während die Ortsbürgermeisterin ihre Bedenken äußert. Niemand im Rat argumentiert oder stimmt für die Ansiedlung eines FKK-Saunaklubs.

Doch mit diesem einstimmigen Votum des Ortsgemeinderates ist der FKK-Saunaklub mit Spielhalle noch lange nicht vom Tisch. „Der Investor könnte sich möglicherweise über unseren Beschluss hinwegsetzen“, erklärt Kuhnen, denn in einem Gewerbegebiet sei grundsätzlich jegliche Art von Gewerbe erlaubt, sofern von ihm keine schädlichen Emissionen in Richtung der Wohngebiete ausgingen. Darüber hinaus befürchtet die Ortsbürgermeisterin Interessenskonflikte im Gewerbegebiet selbst wie beispielsweise mit den ansässigen KFZ-Betrieben.

Die Entscheidung darüber, ob ein solcher Betrieb in Platten eröffnen darf, obliegt als Genehmigungsbehörde letztlich allein der unteren Bauaufsicht der Kreisverwaltung. Dort  kann man sich jedoch noch nicht zu dem schwebenden Verfahren äußern. Auch konkrete Angaben zum Investor und seinen Plänen will die Verwaltung noch nicht machen. „Sollte die Genehmigungsbehörde nach erfolgter Einzelfallprüfung jedoch zu dem Schluss kommen, dass die Zulässigkeit gegeben und somit das Einvernehmen der Ortsgemeinde rechtswidrig versagt worden ist“, erklärt der Pressesprecher der Kreisverwaltung Manuel Follmannn, „so  könnte das fehlende Einvernehmen der Gemeinde nach vorheriger Anhörung ersetzt werden.“ Damit wäre im Endeffekt eine positive Bescheidung der Bauvoranfrage möglich, ohne dass die Ortsgemeinde ihr Einvernehmen erteilt.

Aber selbst wenn eine solche Vergnügungsstätte als Gewerbebetrieb eingeordnet werde, erklärt Follmann, könne es im Einzelfall unzulässig sein: „Wenn es nach Anzahl, Lage, Umfang oder Zweckbestimmung der Eigenart des Baugebietes widerspricht oder von ihm Belästigungen oder Störungen ausgehen könnten, die nach der Eigenart des Baugebiets selbst oder in dessen Umgebung unzumutbar sind.“ So viel verrät die Kreisverwaltung zur Bauvoranfrage und dem Projekt, das ein unbekannter Investor in der 900-Einwohner-Gemeinde umsetzen will.

Doch wer hat die Bauvoranfrage bei der Kreisverwaltung gestellt und will in dem Weinort mehrere Millionen Euro in ein Etablissement investieren, das bei den Einwohnern keinen großen Zuspruch findet? Der Trierische Volksfreund hat den Grundstückeigentümer aus Altrich, Karl-Heinz Frankiewitsch, auf den der Investor zugekommen sein soll, um Auskunft gebeten. Doch selbst Frankiewitsch, der angibt, wiederholt mit dem Investor telefoniert zu haben, kann oder will sich nicht zu dessen Identität äußern. Frankiewitsch: „Ich habe den Mann noch nie gesehen.“

Von den Plänen des Unbekannten ist der Grundstückseigentümer allerdings begeistert. „So ein FKK-Saunaklub fehlt doch hier und ist auch notwendig, um die Vergewaltigungszahlen niedrig zu halten“, sagt Frankiewitsch. „Ich weiß von vielen Männern aus der Region, dass sie solche Etablissements in Frankfurt oder Düsseldorf besuchen, um sich mal einen schönen Tag zu machen.“ So etwas gebe es doch im Umfeld aller Städte, sagt Frankiewitsch, „nur in Wittlich noch nicht.“ Der Altricher würde sein 6300 Quadratmeter großes Grundstück in Platten also für diese Zwecke veräußern. Frankiewitsch: „Wenn er das dort umsetzen will, müsste er etwa drei Millionen Euro investieren.“ Die Ortsbürgermeisterin erwartet den Entscheid der Kreisverwaltung bis zur Jahresmitte.