"Schäbig und anmaßend"
In die Diskussion um den "Ausstellungsantrag" der CDU, in dessen Folge die Frage nach der Haltung des verstorbenen Bildhauers Hanns Scherl zum Nationalsozialismus thematisiert wurde, schaltet sich nun Jürgen Jüttermann, 25 Jahre für die CDU im Stadtrat und ebenso lang Kulturausschussmitglied, ein.
Wittlich. (red) Der Wittlicher begrüßt, dass "das bisher hinter verschlossenen Türen verhandelte Theater" öffentlich gemacht wurde. Zuvor hatte auch die Grünen-Fraktion in Folge der Reaktionen auf den CDU-Antrag gefordert, im Rat öffentlich über Inhalte und Aufgaben des Meistermann Museums zu debattieren (der TV berichtete). Während seiner früheren Stadtratsarbeit hatte sich Jürgen Jüttermann für eine "qualitätsorientierte Kulturpolitik" und den Kulturamtsleiter eingesetzt. Jetzt schreibt er: "Dem selbst ernannten Herrscher über das Meistermann-Museum im alten Rathaus haben die Anträge der CDU-Fraktion, Wittlicher Künstler als kleine Leuchttürme auszustellen, missfallen. Vor allem, dass Hanns Scherl dazu gehört." Er sei der Meinung: "Die von Dr. Calleen mit fadenscheinigen Argumenten versuchte Verhinderung einer Ausstellung Scherls im Meistermann-Museum ist schäbig und anmaßend. Sie zeigt eine ungerechtfertigte Arroganz. Der Brief seines Onkels, den dieser nach seinem jetzigen Kenntnisstand sicherlich nicht mehr unterschreiben würde, und der Antrag der Grünen tragen die gleiche Handschrift." Jüttermann empfindet es als "dreist", dass man sich zudem auf das Leben und Handeln von Meistermann berufe, zumal der Künstler nichts mehr dazu sagen könne. Scherl habe Meistermanns Werk hoch geachtet, sich mit M. J. Mehs für den Auftrag in der St. Markuskirche und im Rathaus verwandt. Er schreibt weiter: "Hanns Scherl hat sich und auch die Fehler, die man im Leben machen kann, nie versteckt. Nicht vor dem Krieg, nicht als Soldat in Russland und nicht in seinem Leben danach." Er sei ein untadeliger Mann gewesen, der sich nun nicht mehr wehren könne. "Und das ist das Schlimmste daran", fährt Jüttermann fort. Er kritisiert: "Derjenige, der dies alles angestoßen hat, wird von der Stadt Wittlich bezahlt. Er hat Beschlüsse des Kulturausschusses und des Stadtrates auszuführen; er ist an Weisungen des Bürgermeisters und seines Abteilungsleiters gebunden. Über die Motive des Kulturamtsleiters kann man nur rätseln. Ich selbst habe als langjähriges Mitglied des Kulturausschusses und des Stadtrates mit dazu beigetragen, dass Dr. Calleen in Wittlich wirken kann. Heute bedauere ich dies zutiefst."