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Scharfe Panzer und "leckere" Abfälle

Scharfe Panzer und "leckere" Abfälle

WITTLICH. 39 Staaten haben ihre Unterschrift unter das Regelwerk zu sicheren Gefahrguttransporten (ADR) gesetzt. Damit sich auch daran gehalten wird, gibt es Spezialisten im Polizeipräsidium Trier: den fünfköpfigen Gefahrgut-Kontrolltrupp.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Das gilt besonders für einen so sensiblen Bereich wie den Transport von Gefahrgütern. Ätzende, leicht entzündliche, giftige, radioaktive, explosive oder auch einfach mal besonders schwere Güter müssen auf besondere Weise gekennzeichnet - und vor allem: gesichert sein. Nachzulesen sind diese Auflagen im internationalen Regelwerk ADR, in dem die transportierten Waren in neun Gefahrgutklassen aufgeteilt werden. Damit die schwarzen Schafe der Branche aufgespürt und ausgeschaltet werden können, beschäftigt das Polizeipräsidium Trier fünf Spezialisten mit Standort Wengerohr: Der fünfköpfige Kontrolltrupp unter Polizeihauptkommissar Günter Scalla hat bei seinen Einsätzen schon so manchen Gesetzesbrecher erwischt. Das reicht vom Feuerwerker, der seine Utensilien für ein Riesenfeuerwerk völlig ungesichert im Auto transportiert über E 605 gleich neben Milchtüten für Schulkinder bis hin zum hemmungslos überladenen Anhänger: Unter der Plane stand ein bereits scharfer Panzer, den ein Privatunternehmen im Auftrag der Bundeswehr zum Manöverort bringen sollte. Scalla erinnert sich auch an einen anderen "leckeren" Einsatz: Krankenhausabfälle aus dem OP, Gefahrgutklasse 6.2, in einem fast kaputten Behälter. Das war im Sommer unmittelbar vor der Mittagspause. Fein säuberlich getrennt und gut festgezurrt

Und dann ist da der Müll, einer der interessantesten Bereiche. Eigentlich muss alles fein säuberlich getrennt auf dem LKW sein, festgezurrt, um auch im Falle eines Unfalls nicht zu verrutschen, gesichert in entsprechenden Behältnissen, damit nichts auslaufen kann, ordnungsgemäß deklariert und damit jederzeit überprüfbar für den Kontrolltrupp. Der arbeitet häufig Hand in Hand mit sachkundigen Kollegen aus anderen Behörden. Richtig zur Sache gehen sie bei der alljährlichen Großkontrolle: Grenzübergreifend wird die gesamte Region dicht gemacht. Hubschrauber spüren jene auf, die auf Nebenstrecken zu entkommen versuchen, und dann steigen sie auf die Lastwagen: Deutsche, Belgier, Luxemburger und Franzosen, Leute vom Zoll, vom LKA und vom Gesundheitsamt, Drogenfahnder, Veterinäre und die Gewerbeaufsicht, die Bundespolizei (ehemaliger Bundesgrenzschutz) und Mitarbeiter der Bußgeldbehörden. Was die Unternehmen dabei am meisten fürchten, sind jedoch nicht die Bußgelder. Zeit ist Geld. Darum sind Zwangspausen das schlimmste. Manchmal nimmt Scalla den Schlüssel weg und lässt den übernächtigten Fahrer ausschlafen - gleich auf dem Parkplatz, auf dem kontrolliert wird. Mal fährt ein Transport unter Begleitschutz zum nächsten TÜV, um technische Mängel dingfest machen zu können. Manchmal wird ein LKW sofort stillgelegt. Wenn Spezialunternehmen beim Umladen helfen müssen, wird das besonders teuer, ganz zu schweigen von den folgenden Prozessen. Richtige "Spürnasen" sind die beamten geworden im Lauf der Jahre. Die Erfolgsquote des Kontrolltrupps kann sich sehen lassen: Bei 70 Prozent der kontrollierten Fahrzeuge werden sie fündig, wenn es sich auch meist um Kleinigkeiten handelt. Als heftiger bezeichnet Scalla die Mängel bei 20 bis 25 Prozent, und bei fünf bis zehn Prozent gibt es richtig Ärger.Hohe Motivation ist Voraussetzung

Etwa ein Drittel ihrer 40-Stunden-Woche verbringen die Beamten mit der Fortbildung. Sie recherchieren selbstständig: Um in Sachen Gefahrgut auf dem Laufenden zu bleiben, braucht es eine hohe Motivation und Lust an der Sache. Beides bringen die Leute im Trupp mit, die sich alle freiwillig hierhin gemeldet haben. Ihr Fachwissen ist gefragt: Regelmäßig bilden sie junge Kollegen aus und werden als Kursleiter bis in die Nachbarländer angeheuert. Ein Tipp des Trupps an alle LKW-Fahrer über 50 Jahre: "Überprüfen Sie unbedingt, ob Ihr Führerschein der Klasse CE umgeschrieben ist." Dieses erst 1999 eingeführte Gesetz sei im vergangenen Jahr häufig vergessen worden, sagt Scalla - ein Straftatbestand, der vermieden werden kann.