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Schattenwurf, Disko-Effekt und andere Kritikpunkte

Schattenwurf, Disko-Effekt und andere Kritikpunkte

Aus 14 mach sieben: In der Energielandschaft sollen die vorhandenen Windräder durch weniger, aber leistungsstärkere Anlagen ersetzt werden. Bürger tragen ihre Einwände vor, Behördenvertreter und Experten halten dagegen.

Morbach Das geplante Repowering der Morbacher Energielandschaft ist in die nächste Runde gegangen. Das Unternehmen Wiwi Consult aus Mainz will die 14 Windräder mit jeweils 149 Metern Höhe aus dem Jahr 2002/2003 durch sieben neue, leistungsfähigere Anlagen ersetzen, die 229 Meter hoch sind.
Im Laufe des immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens hatten Bürger während der Offenlage Gelegenheit, Einwände und Bedenken vorzubringen. Diese sind jetzt im Morbacher Rathaus behandelt worden.
16 Privatpersonen und eine Bürgerinitiative hätten sich geäußert, sagt Yvonne Scheibe von der Unteren Naturschutzbehörde, die die Sitzung geleitet hat. 14 Personen, vom Projektplaner über Gutachter bis hin zu Vertretern von Behörden, haben sich den Fragen der ebenfalls 14 anwesenden Bürger gestellt. Nahezu alle Personen, die sich auf Seiten der Einspruchsführer zu Wort gemeldet haben, stammen aus Heinzerath und Elzerath und befürchten persönliche Auswirkungen, wenn Wiwi Consult seine Pläne umsetzt.
Besonders die Bürger Heinzeraths fühlen sich von den Auswirkungen der bestehenden Anlagen wie Schattenwurf besonders betroffen und begründen beim Erörterungstermin ihre Einwände emotional. Da hat ein Anwohner sein Schlafzimmer bereits in den Keller verlegt, weil er in seinem angestammten Schlafzimmer trotz Doppelverglasung von den Geräuschen der bestehenden Windräder gestört wird. Da ist ein anderer Anwohner auf die Einnahmen aus seinen Ferienwohnungen angewiesen, um seine Rente auskömmlich aufzustocken und leidet darunter, dass seine Gäste sagen, dass sie wegen der Anlagen nicht wiederkommen wollen. Argumente, die Behördenvertreter und Experten zur Kenntnis nehmen, allerdings nicht gelten lassen wollen.
"Es gibt gesetzliche Richtlinien. Die sind nicht so, dass man Ruhe hat", sagt Dr. Ingo Ewald vom Ingenieurbüro für erneuerbare Energien, der Wiwi Consult bei den Planungen beraten hat. Die Grenzwerte für Lärm würden eingehalten. Und auch der Schattenwurf sei auf maximal 30 Minuten pro Tag und 30 Stunden pro Jahr begrenzt.
Die Palette der eingebrachten Einwendungen ist umfassend. Sie reichen vom Naturschutz bei Zugvögeln - bei starken Kranichzug sollen die Anlagen abgeschaltet werden - über Auswirkungen bei Eiswurf und Disko-Effekt bis hin zur Frage, was passiert, wenn eine Anlage brennt oder umkippt.
Mehrere Fragen weist Scheibe zurück, weil die Sachverhalte nicht Gegenstand des Genehmigungsverfahrens seien, wie die Wirtschaftlichkeit der Windräder, die mehrere Personen in Zweifel ziehen: Dies sei Sache der Investoren, sagt sie.
Ein Punkt sind auch die Leistungssteigerungen, die der Landesentwicklungsplan (LEP 4) vorsieht. Demnach müssen bei einem Repowering die neuen Windräder die Leistung des Windparks verdoppeln. Zwar haben die sieben neuen Anlagen mit insgesamt 29,4 MW nur geringfügig mehr Leistung als die bisherigen 14 mit 28 MW. Jedoch gehe man davon aus, dass sich der Stromertrag verdopple, sagt Ewald. Diese Zahlen werden bei der Erörterung allerdings nicht genannt. Mehrfach kritisiert wurde die Informationspolitik der Gemeinde, die die Ortsbeiräte in Rapperath und Wenigerath informiert habe, aber nicht das Heinzerather Gremium.
Diese Vorwürfe weist der Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal zurück. Mehrfach sei das Thema erörtert, Termine seien im Amtsblatt veröffentlicht worden. Eine Entscheidung fiel am Mittwoch nicht.