Schaukelpferd, Dreirädchen, Klickerbahn und Flitzebogen

Schaukelpferd, Dreirädchen, Klickerbahn und Flitzebogen

WEIPERATH. (HB) Unter der Mundartbezeichnung "Wej Kunna freja spille kunnte" präsentiert das Hunsrücker Holzmuseum in einer Sonderausstellung Kinderspiele aus alter Zeit.

Damit wendet sich das Regionalmuseum dem Spielen im ländlichen Raum zu. Zudem werden Workshops zur Herstellung von Spielzeug aus Naturmaterialien angeboten. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie sich altes Spielzeug erhalten hat, mit dem man früher selbst einmal gespielt hat. Eine gute Gelegenheit dazu bietet bis zum 31. März 2005 das Hunsrücker Holzmuseum. Zu den Exponaten in den Ausstellungsräumen und zwei Dioramen (plastisch wirkenden Schaubildern), die den Spielen drinnen und draußen gewidmet sind, zählen: Schaukel- und Steckenpferd, Kaufladen, Puppenküche, Puppen, Bären, Kasperle-Theater, Klickerbahn, Dreirädchen, Roller, Schlitten und Flitzebogen. Die Eröffnung der Ausstellung umrahmten Heidrun und Axel Leischner mit Kinderliedern. Museumsleiter Michael Pinter wies darauf hin, "dass es beim Spielen im ländlichen Raum trotz der vielfältigen Möglichkeiten auch Beschränkungen gab: einmal die wirtschaftlichen Verhältnisse, die geprägt waren von einer kargen Landwirtschaft, zum anderen die begrenzte Spielzeit der Kinder und Jugendlichen, die schön früh in den bäuerlichen Betrieben mitarbeiten mussten". Fritz Langensiepen, Leiter des Amtes für rheinische Landeskunde in Bonn, ein exzellenter Kenner der ländlichen Spielwelten, nannte in seinem Grußwort drei wichtige Gründe, warum sich die Museumsleitung mit Recht für dieses Thema entschieden hat. Erstens: Im Spiel der Kinder spiegelt sich unser Alltag. Kinder entdecken und erproben im Spiel den Alltag ihrer Umgebung. Kinderspiel ist Spiegel der Realität, des Umfeldes und der Erwachsenenwelt - aber doch auch wunderbare Magie und Fantasie. Zweitens: Alltagskultur ist so unglaublich wichtig, weil sie die Basis unserer Identität ist. Kindliches Spielen hat sehr viel mit der Herausbildung und Verstärkung von Identität zu tun. Im Spiel entstehen Bindungen, die für ein ganzes Leben wichtig sind. Und drittens: Kindheit ist der Weg in die Zukunft, und die Kinder sind deren Garanten. Wem die Zukunft und die Sicherung der Zukunft am Herzen liegt, der muss den Kindern und der Kultur der Kinder viel Aufmerksamkeit widmen. Zur Kinderkultur gehört das Kinderspiel. Dessen Analyse und Dokumentation können vieles über künftige Entwicklungen sagen. Viel Applaus erhielt der 84-jährige Heimatforscher Alois Schommer für seine in unnachahmlicher Weise in Mundart vorgetragene Geschichte über den Spaß, den Kinder früher auf einer Schaukel in einer Scheune hatten. Titel: "Plesea offem Schajadenn fia siwezisch Joa". Dieser Artikel ist auch in Heft 2 der Schriftenreihe des Holzmuseums nachzulesen, das sich mit Kinderspielen aus alter Zeit befasst und für 2,50 Euro an der Museumskasse erhältlich ist. Während der Ausstellungszeit können im "Atelier" in Workshops Spielgeräte aus Naturmaterialien wie Stöcke, Pfeifen, Hupen, Pfeil und Bogen hergestellt werden. Info: Telefon 06533/959750 Fax: 959751; Öffnungszeiten: dienstags bis samstags von 14 bis 17, an Sonn- und Feiertagen von 10.30 bis 17 Uhr.

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