1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Schauspielerin Barbara Philipp auf Heimatbesuch in Wittlich nach ihrem Auftritt in der 1001. Folge der Kultserie

Schauspielerin Barbara Philipp auf Heimatbesuch in Wittlich nach ihrem Auftritt in der 1001. Folge der Kultserie

Sie feierte bei der Gala zum 1000. Tatort. Gestern hat sie beim 1001. wieder mitgespielt. Das hat ihr gerade die Nominierung für den hessischen Filmpreis eingebracht. Nun ist Barbara Phillips auf dem Sprung zum großen Weintest bei Günther Jauch. In ihrer Heimat Wittlich hat sie einen Zwischenstopp gemacht, um für einen Auftritt in der Synagoge zu üben. Der TV hat sich mit ihr getroffen.

 Barbara Philipp mit Freund Rodrigo Monreal: Für das Paar war die Tatort-Gala in Hamburg, wo sich Kommissare trafen, ein großer Spaß. Foto: privat
Barbara Philipp mit Freund Rodrigo Monreal: Für das Paar war die Tatort-Gala in Hamburg, wo sich Kommissare trafen, ein großer Spaß. Foto: privat Foto: (m_wil )

"Also in Berlin war er richtig riesig!" Barbara Philipp hält nach dem Mond Ausschau. Doch im Himmel über Wittlich hat der Nebel den uralten Scheinwerfer verschluckt. Die Schauspielerin findet auch ohne ihn nach Hause, in der Säubrennerstadt, in die sie immer wieder heimkehrt.

Längst lebt sie in Berlin, aber wenn sie im Radius zwischen Frankfurt und Köln zu tun hat, besucht sie ihre Eltern und Freunde. Jetzt ist sie wieder auf dem Sprung. Doch sie hat ein bisschen Zeit für ein gleichsam lustig-lebendiges, menschenfreundliches, immer wieder tiefgründiges und stets auf ihre besondere Art kluges Gespräch über ihre Arbeit, ihre Extra-Aufträge und den 1001. Tatort, der am Sonntag lief. Da spielte sie wieder Magda Wächter an Murots Seite, den Ulrich Tukur verkörpert.

Ein Gesprächsprotokoll nach Themen:
1000. Tatort: Ich fand ihn schwierig und zu bemüht. Die Gala in Hamburg war ein großer Spaß, quasi ein Klassentreffen der Tatortkommissare, auch pensionierte wie Peter Sodann waren da. Über den habe ich mich sehr gefreut. Mit ihm habe ich ja vier Jahre den Kika Tatort gemacht.

1001. Tatort: Das ist jetzt der sechste mit Ulrich Tukur und mir. Er heißt ,Es lebe der Tod' und lief am Totensonntag. Das passte. Denn dieses Mal war er sehr düster und ernst, nachdem der letzte ja eher eine Abrechnung mit dem Tatort war und wir uns quasi selber gespielt haben. Wir waren wieder Murot und Wächter, als hätte es diese Auflösung unserer Figuren nie gegeben.
Aber ein klassischer ,Who-done-it'-Krimi interessiert uns weiter nicht, und ich kann verraten, man weiß gleich, wer der Mörder ist. Aber warum? Wie kommt man ihm bei? Im weitesten Sinne geht es darum, ob man das Recht hat, Leben zu beenden! Meine Magda Wächter kämpft diesmal still und verzweifelt mit dem inneren Konflikt, zu wem sie loyal sein soll: Mit dieser Rolle war ich jetzt für den hessischen Filmpreis nominiert. Was ich generell an den Tatorten schätze, mir für sie wünsche, ist, dass sie alle eine eigene Handschrift haben. Es werden tolle, mutige Filme in Deutschland gedreht, die leider meistens im Spätprogramm versendet werden. Toll, dass der Tatort am Sonntag um 20.15 Uhr Prime Time um diese Qualität bemüht ist!

Weinprobe: Ich bin im Finale des Focus-Weintests dabei, dazu fahre ich jetzt zum Weingut der Jauchs an die Saar. Als ,Tatort-Sternchen von der Mosel' ist das eine ganz schöne Herausforderung, denn außer mir sind da eigentlich fast nur hochkarätige Weinconnaissseure, Topwinzer, Sterneköche und Sommeliers. Letztes Jahr saß ich deren Weltmeister gegenüber, der erzählte mir, manchmal probiere er bis zu 300 Weine die Woche! Ich sagte: Interessant, und was machen Sie beruflich?

Riesling: Mit Riesling bin ich im wahrsten Sinne des Wortes groß geworden. Mein Großvater hat neben einem Bauunternehmen ,Bau Stein' ja auch noch Wein gemacht als ,Wein Stein' mit renommierten Lagen in Ürzig und Wittlich, also noch ,wat um de Essischkaul herum'. Kleiner Scherz, die Wittlicher Weine wurden früher von den Moselanern ,gedisst', zu Unrecht! Jedenfalls liebe ich Riesling, dieses Zusammenspiel von Süße und Säure und Restsüße! Herrlich! Und wie es mir auf die Nerven geht, wenn in Damenkränzchen ganz großstädtisch ,Bitte ein ganz trockener Wein, sonst krieg' ich Kopfschmerzen' bestellt wird. Dann nippen alle an ihren langweiligen ,Pinot Gritschos' rum. Aber zum Glück hat man jetzt auch in Berlin langsam kapiert, dass der Riesling eine Sonderklasse für sich ist. Und der Mosel ist Spitze!

Bekanntheit: Wenn die Leute mich mal erkennen, denken sie meistens, sie kennen mich von irgendwoher privat! Ein Mann hat mal steif und fest behauptet, er hätte mir einen Container verkauft, ich konnte ihm das nicht ausreden! Star wird man heute ja eher mit ner Reality Soap, als ,Wie zupf ich meine Nasenhaare-Blogger' oder bei Instagramm! Oder man muss mit dem richtigen Mann, wenn er Geld hat und alt genug ist, ... na, Sie wissen schon. Auch mit Tatort kann man heute nicht mehr beeindrucken. In Trier haben mich Studenten der Medienwissenschaften gefragt, ob ich auch in der Branche arbeite. Ich sagte: ,Ja, ich mach' Fernsehen. Tatort und so.' - ,Ach so! Nee, wir haben gar keine Glotze mehr!' war die Antwort.

Berlin: Berlin ist meine "base", ich bin schon 30 Jahre da und lieb es auch! Und für die Jobakquise ist das die Stadt, in der am meisten losgeht, weil man sich kennt in der Branche. Von Wittlich aus würde ich wahrscheinlich nur ein Zehntel der Jobs machen können. Aber eigentlich bin ich meistens unterwegs. Letzte Woche in Hamburg, Frankfurt, Köln da lässt sich ein Zwischenstopp in Wittlich gut einbauen.

Wittlich: Da geben wir am 15. Dezember für das Emil Frank Institut ein Charity Concert mit Theresia Zils, Jazzgesang, Didi Könen, Rock, Gerd Elsen, klassischer Bassgesang und ich, Sprechgesang, und als Band Klaus Behütuns-Steffens, Mark Schelzke und Klaus Wahl. Wir tragen Lieder deutsch-jüdischer Komponisten und Texter ab 1920 vor.Wir haben ein fettes vielseitiges Programm. Allein schon durch die unterschiedlichen Stimmen. Unser Probenplan ist kompliziert bis zum geht nicht mehr, da wir bis kurz vorher gar nicht alle zusammen proben können. Aber es wird spannend! Auch die Wahl der Lieder - besonders dank der musikalischen Leitung von Klaus Wahl. Ich singe ein Lied, wo es um einen schrecklich bekannten Emporkömmling geht! Da heißt es im Refrain ,...aber ausgerechnet DEN!' Wer hätte geahnt, dass wir leider so aktuell sind!

Wiedersehen mit Barbara Philipp:
In der ARD-Mediathek, Tatort: Es lebe der Tod .
Donnerstag, 15. Dezember, 19.30 Uhr, Synagoge Wittlich: Irgendwo auf der Welt...gibt's ein kleines bisschen Glück. Konzert mit Liedern jüdischer Komponisten und Texter.