Schimmelbefall im Hilfskrankenhaus

Schimmelbefall im Hilfskrankenhaus

Im Notfall sollte das Gebäude der Kurfürst-Balduin-Realschule Wittlich als Hilfskrankenhaus dienen. Die atombombensicheren Kellerräume müssen nun für 100 000 Euro saniert werden, da sich gefährlicher Schimmel ausbreitet.

Es ist ein kostspieliges Erbe, das dem Landkreis Bernkastel-Wittlich vor wenigen Monaten zugefallen ist. Der frühere medizinische Bereich des Hilfskrankenhauses (siehe Extra) unter der Kurfürst-Balduin-Realschule Wittlich muss saniert werden, weil sich in den Kellerräumen der Schimmel breitmacht. Rund 100 000 Euro wird es nach Auskunft von Manuel Follmann, Pressesprecher der Kreisverwaltung, kosten, ehe die Räume wieder ohne Schutzkleidung betreten werden dürfen.

400 Krankenbetten in Klassenräumen



Das 1963 beim Bau der Realschule ebenfalls errichtete Hilfskrankenhaus sollte im Katastrophen- oder Verteidigungsfall als Außenstelle des Wittlicher Krankenhauses bei der Versorgung der Bevölkerung helfen. Im Keller waren unter anderem Operationsräume sowie Röntgen-, Sterilisations- oder Gipszimmer untergebracht. Die 400 Krankenbetten wären in den Klassenräumen aufgestellt worden. Auf dem Dach der Schule sollten im Verteidigungsfall Planen mit großen roten Kreuzen gespannt werden. Das wäre ein Signal für Piloten gewesen, das Gebäude nicht zu bombardieren.

Die Planen wurden nie ausgerollt, und spätestens seit dem Zusammenbruch des Ostblocks gab keine Bedrohung mehr. Doch dauerte es noch bis Ende der 90er Jahre, ehe das Hilfskrankenhaus aufgegeben wurde. Anschließend diente der Keller als Schutzraum für die Zivilbevölkerung und als Lager für Material für einen Katastrophenfall. Der Kreis übernahm vom Bund die Räume.

Bereits seit 2009 ist nach Auskunft Follmanns bekannt, dass es im Keller der Realschule schimmelt. Die Pilzgeflechte machten sich auf den damals noch im Hilfskrankenhaus gelagerten Materialien wie Feldbetten, Matratzen oder Kartons breit. "Da der Bunker durch Stahltüren verschlossen war und eigene Lüftungssysteme hat, war eine Gefährdung der Schüler nicht gegeben", sagt der Pressesprecher.

Neue Nutzung als Archiv geplant



Seit Juli 2010 ist die sogenannte Zivilschutzbindung für das frühere Hilfskrankenhaus aufgehoben. Wenn der Kreisausschuss dem zustimmt, kann nun mit der Sanierung begonnen werden. Follmann rechnet damit, dass die im Frühjahr 2011 beginnende Sanierung den Kreis 100 000 Euro kosten wird. Rund 50 000 Euro sollen laut Kreisverwaltung anschließend investiert werden, um den Keller beispielsweise als Archiv nutzen zu können.

Um den Schimmel aus dem Schulkeller zu bekommen, werden alle Wände des Hilfskrankenhauses sandgestrahlt, hitze behandelt und chemisch desinfiziert. Damit der Schimmel nicht zurückkehrt, soll das ehemalige Hilfskrankenhaus an die neue Pellets-Heizung der Realschule angeschlossen und beheizt werden.

EXTRA

Hilfskrankenhaus: Seit Ende der 50er Jahre wurden in der Bundesrepublik Hilfskrankenhäuser eingerichtet. Meist entstanden sie unter den damals neu errichteten Schul- und Verwaltungsgebäuden. Wie in Wittlich waren auch die anderen Hilfskrankenhäuser so ausgerüstet, dass sie den Betrieb innerhalb kurzer Zeit hätten aufnehmen können. Nach Angaben der Bundesregierung gab es im Bundesgebiet insgesamt 160 Einrichtungen dieser Art mit rund 80 000 Betten. Seit 1990 werden die Hilfskrankenhäuser nach und nach stillgelegt. (har)

HintergrundSchimmel in Gebäuden entsteht meist durch Feuchtigkeit aufgrund defekter Dächer, oder unter anderem aufgrund von Rissen im Mauerwerk. Eine weitere Ursache ist das unsachgemäße Heizen und Lüften von Räumen. Von Schimmelpilzen kann eine Gesundheitsgefahr ausgehen, insbesondere, wenn die Sporen in großer Zahl eingeatmet werden. Grundsätzlich sind alle Schimmelpilze in der Lage, allergische Reaktionen wie Schleimhautreizungen, Husten, Kopfweh oder Müdigkeit auszulösen. Asthma-Anfälle sind bei vorgeschädigten oder besonders empfindlichen Personen ebenfalls möglich. (har)

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