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Schläger auf dem Spielfeld? So nicht!

Wittlich. Fair play geht anders: Ein Junge ist verletzt, weil zwei andere handgreiflich werden, fast eskaliert die Situation. Ein Vorfall beim zweiten Wittlicher Jugendfußballturnier hat ein Nachspiel - nicht nur bei der Polizei. Sonja Sünnen

Wittlich. Großes Schweigen in der Öffentlichkeit nach dem zweiten Wittlicher Jugendfußballturnier.
So machen sich Gerüchte breit. Gab es wirklich eine Massenschlägerei? Was überhaupt ist da schief gelaufen, und was bedeutet das für die Freizeitsportveranstaltung, die extra für all die angeboten wird, die nicht im Verein organisiert sind und über den Sport erreicht werden sollen? Ein Blick zurück:
Freitag Nachmittag: Fußball! Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren sind zum zweiten Wittlicher Jugendfußballturnier ins Eventum geladen. "Integration durch Sport" steht auf dem Plakat nebst Logos von Sponsoren. Es soll einfach ein großer Spaß werden. Dann läuft etwas schief.
Das Gerücht. Schon am frühen Abend macht das Gerücht die Runde: Beim Turnier im Eventum habe es eine Massenschlägerei gegeben. Das Publikum habe das Spielfeld gestürmt. Die Polizei musste anrücken. Das Turnier ist abgebrochen. Ein Jugendlicher sagt, jemand sei gefoult worden, dann sei jemand aufs Feld gelaufen, habe einem Spieler ins Gesicht geschlagen: "Dann sind 20 Leute aufs Spielfeld gelaufen und haben sich wirr angegriffen." Was dramatisch klingt, wird nicht von allen bestätigt. Der TV hat sich umgehört.
Der Veranstalter: Jan Mußweiler, Pressesprecher der Stadtverwaltung, fasst zusammen: "Im letzten Gruppenspiel gab es auf dem Spielfeld zunächst eine kleine Auseinandersetzung zwischen zwei Spielern. Dann hat sich der Bruder eines Beteiligten eingemischt. Dieser ist aus dem Zuschauerbereich auf das Spielfeld gerannt und hat unvermittelt zugeschlagen. Ohne diesen Angriff wäre die Aktion wohl wie üblich durch den anwesenden Schiedsrichter geregelt worden. Nachdem der Jugendliche jedoch zugeschlagen hatte, rannten viele weitere Jugendliche auf das Spielfeld und es entstand ein großes Durcheinander und die Lage wurde sehr unübersichtlich." Auf die Frage nach der Reaktion sagt Mußweiler: "Zunächst wurde der Jugendliche, der geschlagen hat, von dem Jugendkoordinator der Stadt Wittlich aus der Halle begleitet. Die Lage war sehr angestachelt, weswegen vom Veranstalter auch die Polizei hinzugerufen wurde. Das Turnier wurde dann abgebrochen und nicht zu Ende gespielt."
Die Polizei: "Die Mitteilung ging um 20.01 Uhr ein. Es hieß, es solle zu einer Massenschlägerei gekommen sein. Zwei Minuten später waren die Kollegen da. Es gab einen größeren Auflauf von etwa 50 Personen vor dem Eventum, der sich am Zerstreuen war. Drinnen wurden noch mehr Jugendliche angetroffen", erklärt Georg Bührmann, Pressesprecher bei der Polizeiinspektion Wittlich auf TV-Nachfrage, da es keine offizielle Pressemitteilung zu den Vorfällen gegeben hat. Die Beamten hätten feststellen können, dass sich drei Jugendliche geschlagen hätten, wobei einer der Aggressoren nicht mehr da gewesen sei. Bührmann: "Nach einem mutmaßlichen Foulspiel fing der Gefoulte an, den Foulenden zu attackieren. Aus dem Publikum hat sich ein anderer, der Bruder, mit ihm solidarisiert, wobei es zur Körperverletzung kam." Das Opfer sei mit einer Prellung am linken Jochbein ins Krankenhaus gebracht worden. Da die Situation soweit befriedet gewesen sei, habe es keinen Grund gegeben "jemanden mitzunehmen, wofür man eine rechtliche Handhabe braucht". Die Personalien seien bekannt. Das Sachgebiet Jugend bei der Polizei ermittle nun weiter, alle würden auf der Polizei noch Gehör bekommen.
Die Schule: Die Clara-Viebig-Realschule plus in Wittlich hat auf ihrer Homepage ein Plakat, auf der auch das Schullogo gedruckt ist, ins Internet gestellt. Einer ihrer Schüler soll an der Schlägerei beteiligt gewesen sein. Schulleiterin Rosemarie Bölinger, die von den Vorfällen gehört hat, sagt: "Unser Schulsozialarbeiter arbeitet zwar bei Jugendveranstaltungen mit dem städtischen Jugendkoordinator Schmidt zusammen, aber es war keine Veranstaltung der Clara-Viebig-Realschule plus und somit waren auch keine Lehrerinnen und Lehrer der Schule anwesend. Aber als Konsequenz wird der Schüler an unseren hausinternen Turnieren nicht mehr teilnehmen dürfen. Dass die Polizei gerufen wurde, hält sie für eine richtige Entscheidung. So etwas könnte entgleiten.
Der zuständige Schulsozialarbeiter wollte auf die TV-Fragen nicht antworten.
Die Folgen: "Als Veranstalter sind wir bitter enttäuscht, und für das Jugendfußballturnier ist das natürlich sehr bitter und schade. Der Schläger muss natürlich mit einer Strafe rechnen", sagt der Pressesprecher der Stadtverwaltung und auf die Frage, ob es ein drittes Turnier geben wird: "Zunächst ist dieser Vorfall genau zu reflektieren. Als Veranstalter werden wir gründlich überlegen, ob und wenn überhaupt, in welcher Form ein solches Turnier noch einmal stattfinden kann. Aktuell können wir aber nicht bestätigen, dass es ein drittes Wittlicher Jugendfußballturnier geben wird." Laut Mußweiler warem 14 Mannschaften á 6 bis 8 Spieler und insgesamt rund 120 Menschen beim Turnier.
JUGENDFUßBALL ALS ZUSATZANGEBOT


Extra

Das aktuelle Turnier war das zweite dieser Art. Die erste Auflage war laut Jan Mußweiler, Pressesprecher der Stadtverwaltung "eine sehr gelungene Veranstaltung, die einen großen Zulauf von unterschiedlichen Jugendmannschaften zu verzeichnen hatte." Die Veranstaltung richte sich an junge Fußballspieler, die nicht in Vereinen organisiert sind. "Die Jugendlichen hatten hierbei großen Spaß. Als Veranstalter haben uns viele positive Resonanzen erreicht." Bei der Premiere hätten sich Ausgaben (1110 Euro) mit den Einnahmen (Zuschüsse, Spenden, Einnahmen wie Teilnahmebeiträge) gedeckt. Da von Kritikern zu hören ist, es handle sich bei solchen Turnieren um "Alibiveranstaltungen", in denen Gruppen unter sich blieben und teils auffällige Jugendliche teilnähmen, weshalb andere erst gar nicht mitmachen wollten, sagt der Jugendkoordinator der Stadt Wittlich, Johannes Schmidt: "Diese Aussage kann ich absolut nicht teilen. Bei dem Tri-Ball-Contest im November lief alles sehr gut und friedlich ab. Auch das erste Jugendfußballturnier war ein voller Erfolg. Bei jedem dieser Turniere haben ganz unterschiedliche Mannschaften mitgespielt. Ich kann daher beim besten Willen nicht erkennen, dass Jugendliche keine Lust hatten dort mitzuspielen." Ein befragter erwachsener Besucher, Ex-Fußballer, sagt: "Vom äußeren Eindruck ist die Stimmung absolut gut. Aber es ist eine Riesenkluft zwischen den Milieus da. Wo sonst soll man an Manche rankommen als über den Sport? Ich denke, man sollte dabei bleiben. Vielleicht kann man die Mannschaften unter sich mehr mischen."