Schlafen wie Dornröschen und der Froschkönig

Schlafen wie Dornröschen und der Froschkönig

Verwinkelt, ursprünglich und doch zeitgerecht: Das Märchenhotel, Anno 1640, in Bernkastel-Kues ist seit zehn Generationen in Familienbesitz. Besitzer Stefan Krebs geht trotz langer Historie des Gasthauses mit der Zeit, wenn auch auf besonderen Wegen.

Bernkastel-Kues. Ein Märchen ist eine sehr alte Geschichte - wie die 375-jährige, die das Märchenhotel in Bernkastel-Kues vorweisen kann. Die Historie des Familienbetriebs reicht zehn Generationen zurück. Es ist das älteste Hotel in Bernkastel-Kues und wahrscheinlich auch über die Grenzen hinaus. "Doch um den Titel ältestes Hotel streiten sich auf Landes- und Bundesebene einige Häuser", sagt Stefan Krebs, der das Märchenhotel 2001 von seinen Eltern übernommen hat.
Anno 1640 - während des Dreißigjährigen Krieges - wurde das Haus gebaut und eine Weinstube eröffnet. "Das Gebäude lag damals vor den Stadtmauern von Bernkastel. Hier wurde der eigene Wein ausgeschenkt", erzählt Krebs, der seine Familiengeschichte in den kirchlichen Archiven des Bistums erforscht hat.
Das spätere Hotel-Restaurant trug lange Zeit den Namen "älteste Weinstube". Doch Stefan Krebs und seine Frau Katja sehen sich der langen Ahnenreihe gegenüber nicht verpflichtet. "Die lange Historie des Hauses sehe ich zwiespältig. Einen Betrieb führt man tagtäglich. Man muss das Beste draus machen. Nur wenn es Probleme gibt, denkt man an die 375 Jahre, die der Betrieb bereits besteht. "
Nach der Ära des Kegeltourismus der 1970er und 1980er Jahre habe das Haus wegen finanzieller Probleme kurz vor dem Aus gestanden, erzählt Krebs. "Das habe ich als Kind mitbekommen."
Die 1990er liefen besser. 2010 taufte Krebs das Hotel in "Märchenhotel" um. "Wir wollten uns von der Konkurrenz abheben und haben eine Nische gesucht. Wir hatten damals schon das Dornröschenzimmer märchenhaft eingerichtet und es lief gut." Mittlerweile sind alle Gemächer des Hotels nach einem Märchenthema umgestaltet. Am Rande des Whirlpools im Froschkönig-Zimmer sitzt zum Beispiel das namensgebende Märchenwesen in Metall gegossen und speit den Gästen das Wasser in die in Brunnenoptik verzierte Wanne.
"Seit 2001 haben wir hier zwei Millionen Euro investiert", so Krebs. Im alten Trakt wurden aus vielen kleinen Zimmern mehrere große. An das Fachwerkgebäude, das unter Denkmalschutz steht, wurde angebaut, das Hotel vergrößert.
"Kulinarische Erzählungen"

Die historische Aufnahme zeigt das Restaurant des Hotels im Jahr 1940. Foto: Märchenhotel Bernkastel-Kues.


Auch in der Hotelküche hat das Märchen Einzug gehalten und den Hotelier und Küchenchef Krebs zu einer Speisekarte mit dem Titel "kulinarische Erzählungen" inspiriert. Als vegetarische Vorspeise serviert Krebs zum Beispiel "Das Märchen vom guten Kartoffelkönig", Spinat, Kartoffelklößchen und geriebenem Parmigiano Reggiano. Trotz der weit zurückreichenden Historie des Gasthauses drückt Krebs den Restaurantgästen statt einer gedruckten Weinkarte einen Tablet-Computer in die Hand. "Im Tablet können die Gäste Querverweise öffnen, sich so über das Weingut informieren, oder im Weinlexikon stöbern", sagt Krebs. Trotzdem gebe es auch eine persönliche Weinempfehlung. Moderne Technik steckt auch in den altertümlich eingerichteten Gemächern. "Blue-Ray Player oder Whirlpool muss man anbieten , um auf dem Markt bestehen zu bleiben ."
Die Hotelgäste des 375 Jahre alten Hauses seien zwischen 25 und 50 Jahre alt. "Im Vergleich ist das für Bernkastel ein sehr junges Publikum.", weiß Krebs. Er gehört auch zu den Vorreitern in der Stadt, die nicht nur in der Saison (Ostern bis Anfang November) geöffnet haben sondern einen Ganzjahresbetrieb anstreben.
Der Hotelier schaut auch über den Tellerrand und erwartet mit Spannung die Eröffnung des Luxushotels Schloss Lieser, das im Spätsommer diesen Jahres seine Pforten öffnen soll. "Das ist gut für uns und für die Stadt, weil es einen höherwertigen Tourismus bringt", sagt er.

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