Musik : Schlag auf Schlag

Die Schlagzeugerin Leonie Klein aus Salmtal hat gerade ihre erste CD veröffentlicht. Die ersten musikalischen Schritte hat sie mit fünf Jahren im Keller einer Wittlicher Schule gemacht.

Ungewohnt, fremd und sehr komplex. So beschreibt Leonie Klein ihre Musik. Es gibt viel zu tun für die Ohren: Klänge, Töne, Geräusche – das ist die Welt der 25-Jährigen.

Man muss sich auf ihre Musik einlassen, es gibt bei jedem neuen Hören etwas Neues zu entdecken – auch beim dritten oder vierten Mal. „Das ist nichts, um nebenbei zu hören. Darauf muss man sich konzentrieren,“ sagt die gebürtige Salmtalerin, die gerade ihre erste CD veröffentlicht hat. Auf „Gathering Thunders“ (zu Deutsch: Donner sammeln), so der Titel der CD, sind Werke sechs zeitgenössischer Komponisten, die sie interpretiert. Keine leichte Kost. Das ist ihr bewusst. Aber genau das macht auch den Reiz für die Studentin aus.

Noch besucht sie (in den letzten Zügen) die Hochschule in Karlsruhe, studiert Schlagzeug, parallel dazu Musik-Journalismus. Außerdem arbeitet sie an ihrer Promotion und gibt Konzerte. Der Terminkalender ist voll. Da bleibt oft nicht so viel Zeit fürs tägliche Üben wie sie gerne hätte. Mindestens drei Stunden sind es am Tag, wenn weniger los ist acht bis neun Stunden.

Und das hat es in sich. Vom Becken über Trommeln aller Art bis hin zur Kuhglocke, dem Schneebesen und allerlei anderen Schlaginstrumenten reicht das Instrumentarium. Und das füllt dann auch schon mal einen kompletten Sprinter, wenn es zu Konzerten geht - eine logistische Herausforderung. „Ich brauche immer jemanden, der mir schleppen hilft.“

Vor allem bei Solo-Konzerten, wenn sie ihr Riesen-Instrumentarium komplett zum Einsatz bringt.

Das sind ihr die liebsten Auftritte. „Ich liebe es, alleine auf der Bühne zu stehen. Dann bin ich frei, kann voll konzentriert arbeiten und so spielen, wie es mir mein eigenes Gefühl sagt.“ Und das durchaus mit Erfolg. Immer wieder wird sie zu Festivals (für neue oder zeitgenössische Musik) eingeladen oder spielt bei Veranstaltungen und Vernissagen. Sie hat sich bereits mit ihren jungen 25 Jahren einen Namen in der Szene gemacht.

Ihr ist bewusst, dass sie sich in einer Nische bewegt und ihre Musik keineswegs massentauglich ist. Umso mehr freut sie sich, dass es viele positive Rückmeldungen auf ihre Arbeit und ihre erste CD gibt. In mehreren Fernseh- und Rundfunkbeiträgen sowie in Fachzeitschriften wurde ihre Arbeit gewürdigt.

Mit der Karriere geht es im Moment Schlag auf Schlag. Was den konkreten beruflichen Werdegang angeht, ist sie aber noch nicht festgelegt: „Ich bin breit aufgestellt und kann mir genauso gut vorstellen, für den Rundfunk zu arbeiten wie eine Lehrtätigkeit an einer Hochschule anzunehmen.“ Aber eines ist klar: „Konzerte spielen. Ohne das geht es nicht!“ Und in Deutschland will sie auf jeden Fall bleiben.

Erholung vom stressigen Alltag findet Leonie Klein immer wieder in der Heimat. Ihre Eltern, ihr Zuhause sind ihr als Rückzugsort sehr wichtig. An Feiertagen wie Weihnachten und in den Ferien ist sie regelmäßig in Salmtal, wo sie unter anderem beim Spazierengehen – vor allem bei schlechtem Wetter – entspannen und durchatmen und Abstand gewinnen kann.

Zu jedem Heimatbesuch gehört zwingend ein Treffen mit Dietmar Heidweiler. Der Lehrer der Musikschule der Kreises Bernkastel-Wittlich war es, der vor 20 Jahren Leonies Talent entdeckte und sie bis zum Studium begleitet und förderte. Er erinnert sich: „Leonie Klein begann im Alter von sechs Jahren in meiner Klasse den Unterricht im Fach Schlagwerk. Schon von Kind an kam sie stets voller Freude (immer mit einem Lächeln!) und gut vorbereitet in den Unterricht.“

Nachdem ein Schnuppernachmittag im Ballett zum Desaster wurde, hatten ihre Eltern sie zu einem Kurs für Schlagzeug-Minis angemeldet. „Im Keller der Berufsbildenden Schule in Wittlich habe ich ein Jahr lang Gruppenunterricht gehabt. Danach begann der Einzelunterricht bei Dietmar Heidweiler.“

Jahre später folgten zahlreiche Teilnahmen an den Wettbewerben „Jugend musiziert“ ebenfalls als Solistin  sowie in Schlagzeugensembles  über den Regionalwettbewerb bis hin zu den Bundeswettbewerben. Heidweiler lobt vor allem Leonies Fleiß als vorbildlich und genial. Er sagt: „Es erfüllt mich mit großem Stolz den Grundstein für diese tolle Karriere von Leonie gelegt zu haben, und ich verfolge natürlich weiterhin mit sehr großer Freude jedes neue erreichte Ziel auf Ihrem Lebensweg.“

Und auch die ehemalige Schülerin spart nicht mit Lob für ihren Lehrer. Nach Vorbildern gefragt, antwortet sie: „Wenn man einen guten Lehrer hat, der motivieren kann, braucht man kein Idol.“

Mit der Motivation hat sie bis heute keine Probleme, auch wenn ihr sehr wenig Zeit für sich bleibt. Das Wort Freizeit kennt Leonie Klein kaum. Die knappe Antwort auf die Frage nach Hobbys: „Üben ist die Freizeit.“

Und wie lebt es sich als Musikerin, die auch die leisen Töne wahrnimmt in einer Welt, die voller Lärm, Getöse und Krach ist? „Zum Üben brauche ich absolute Ruhe.“ Deshalb macht sie das in der Hochschule. Und zu Hause in ihrer Fünfer-WG nerven sie schon manchmal Geräusche, die andere (noch) nicht wahrgenommen haben: „Ich bin übersensibilisiert!“ Aber auch das kann Inspiration sein für jemand wie Leonie Klein, die immer auf der Suche nach neuen Klängen, Tönen und Geräuschen ist.

Mehr von Volksfreund