Schlechte Zeiten für Direktvermarktung

Schlechte Zeiten für Direktvermarktung

Seit der Piesporter Schäferhof zwischen Piesport und Dhron nicht mehr für seinen Hofladen werben darf, steht das Direktvermarkter-Angebot vor dem Aus. Der Betrieb verzeichnet einen starken Rückgang beim Hofverkauf.

Piesport. Die Würfel sind wohl gefallen. Doch verstehen kann Obstanbauer Alfred Hilmes die gerichtliche Entscheidung immer noch nicht. Fast 50 Jahre hat der Piesporter Schäferhof am gleichen Standort für seine Produkte werben können.

Seit September 2007 ist damit aber Schluss. Hilmes musste die großformatige Werbetafel an der zwischen Piesport und Dhron in den Hunsrück abzweigenden Landesstraße entfernen. Seither habe der Betrieb massive Umsatzeinbußen erlitten. Hilmes spricht von "mehr als 50 Prozent" Rückgang beim Hofverkauf. Eine Mitarbeiterin habe er bereits entlassen müssen. Als Begründung werde auf die außerhalb von Ortschaften erforderliche Baugenehmigung verwiesen, erläutert Hilmes. Ein entsprechender Antrag sei aber abgelehnt worden.

"Ich habe zwei Prozesse verloren", verweist Hilmes auf Entscheidungen des Kreisrechtsausschusses und des Verwaltungsgerichtes Trier. Begründung: Es handele sich um eine "nicht privilegierte Werbeanlage im Außenbereich". Außerdem wolle man Nachahmer und damit eine Landschaftsbeeinträchtigung verhindern. Die Reaktion von Alfred Hilmes: "Jetzt müssen wir den Hofladen komplett dichtmachen."

Laut Alt-Ortsbürgermeister Edgar Breit hat dort seit 1965 ein Schild auf den 1961 ausgesiedelten Betrieb aufmerksam gemacht. Mitte der 1980er Jahre hat Alfred Hilmes den Betrieb auf Obstanbau mit Selbstvermarktung umgestellt. Seither habe er auf dem von ihm gepachteten Grundstück auf den Hofverkauf hingewiesen: mit einem auf einem Anhänger montierten beweglichen Werbeschild.

Wegen der prekären Situation für den Direktvermarkter hat sich auch Christiane Horsch, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Neumagen-Dhron, eingeschaltet. In einem Schreiben an die Leiterin des Trierer Landesbetriebs Mobilität hat sie im Oktober 2008 um Prüfung gebeten, ob nicht in einer anderen Form auf den Hof hingewiesen werden könnte.

Das Ergebnis ist, dass der Hof nun auf zwei großformatigen gelben Vorwegweisern angezeigt wird. Allerdings sei das auch nur deshalb möglich, weil es sich um eine alte Hofbezeichnung handele, betont Horsch.

Für den Betrieb sei es dennoch "katastrophal", nicht mehr in der jahrzehntelang üblichen Form werben zu können, sagt Horsch. Knackpunkt sei offensichtlich die Entfernung von mehr als drei Kilometern vom Ort Piesport.

Laut Landesbauordnung dürfe nur "in unmittelbarer Nähe" von Ortschaften mit solchen "Werbeanlagen im Außenbereich" geworben werden. Gleichwohl findet es die Bürgermeisterin bedauerlich, "dass hier der Einzelfall nicht so gewürdigt wurde" und die Verwaltung nicht habe helfen können.

Meinung

Von Clemens Beckmann

Zu wenig Menschenverstand

Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass nicht jeder Gewerbetreibende einfach irgendwo ein Schild aufstellt, um auf seinen Betrieb hinzuweisen. Das Gleiche gilt für Festveranstalter. Gerade in diesem Bereich gibt es Negativbeispiele. Etwas anders sieht die Sache bei Obstanbauer Alfred Hilmes aus. Jahrzehntelang hat sich niemand an dem Schild gestört. Nun auf einmal ist das anders. Ohne Werbung machen zu wollen: Wir reden von regionalen Produkten, kurzen Wegen und Direktvermarktung, verweigern es aber einem weit abseits gelegenen Betrieb, auf sich aufmerksam zu machen. Statt froh zu sein, dass es solche Betriebe gibt, werden ihnen Hindernisse in den Weg gelegt. Mag sein, dass rechtlich an der Anordnung nichts auszusetzen ist. Doch warum muss der Menschenverstand immer hinter der Bürokratie zurückstehen? c.beckmann@volksfreund.de