Schlichte Requisiten und starke Wirkung

Schlichte Requisiten und starke Wirkung

Multimedia-Performance über Widerstandskämpferin Sophie Scholl beeindruckt junge Besucher.

Wittlich/Trier (red) Das Kulturlabor Trier hat in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Wittlich in der Kultur- und Tagungsstätte Synagoge in Wittlich im Rahmen des "SommerHeckMeck 2017 - Junge Helden" die Multimedia-Performance "Sophie Scholl" aufgeführt. Und 75 junge Menschen schauten gebannt zu.
Die beiden Schauspieler Judith Kriebel und Alexander Orth spielten die Stationen des Lebens der Sophie Scholl mit Unterstützung von Bildern, Filmen und Tonaufzeichnungen vor einer sehr großen und bespielt beeindruckenden Leinwand mit schlichten Requisiten, heißt es in einer Pressemitteilung des Wittlicher Kulturamtes. Nur ein winziges Oberlippenbärtchen verwandelte die Schauspielerin in den Diktator Hitler, dessen Stimme sie genial und erschreckend zu imitieren wusste.
Gezeigt wurde die Familie Scholl Anfang der 1930er Jahre, das Entsetzen des Vaters über die Wahlen 1933, die aufkommende Begeisterung der Kinder für die Hitler-Jugend und den Bund deutscher Mädel. In der Rolle der Sophie lief Judith Kriebel durch das Publikum und versuchte, die Schülerinnen für den BDM (Bund deutscher Mädel, ein weiblicher Zweig der damaligen Hitlerjugend) zu begeistern. Die Selbstverständlichkeit dieser Aktion erschreckte zutiefst. Jeder konnte nachvollziehen, wie der Nationalsozialismus die Kinder und Jugendlichen verführte. Es folgten Szenen der ersten Verliebtheit und schließlich das Erkennen des Verbrechens, der Gewalt, der menschenverachtenden Diktatur der Nationalsozialisten. Als Studenten in München agieren Hans und Sophie Scholl schließlich in der Widerstandsgruppe "Weiße Rose", werden entdeckt und hingerichtet.
Hakenkreuzfahnen und Nazilieder sind in der Synagoge in Wittlich schwer zu ertragen. Die Szene, die die Reichspogromnacht vom November 1938 darstellte, war an diesem Ort schmerzhaft. Ob Sophie Scholl eine Heldin war, wollten die Darsteller nach Ende der 90 minütigen Aufführung von den Schülern wissen. Eine Frage, die differenziert von einem eigentlich sprachlosen Publikum beantwortet wurde.

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