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Schmutz im Bach: Wer trägt die Verantwortung?

Schmutz im Bach: Wer trägt die Verantwortung?

ENKIRCH. Der Verbandsgemeinderat geht in die Offensive. Einstimmig beschloss der Rat am Mittwochabend in Enkirch, die "strafrechtliche Verantwortung" für die Verschmutzung des Waschbaches und der damit verbundenen Gefährdung der Trinkwasserversorgung in Enkirch juristisch klären zu lassen. Ein Anwaltsbüro wird dazu beauftragt.

"Wir können auf keinen Fall warten, bis es zu Krankheiten oder gar Todesfällen kommt. Unsere Geduld ist zu Ende. Wir müssen handeln, bevor wir uns von der Bevölkerung fragen lassen müssen, warum wir hier sitzen." Gerald Caspari, Sprecher der CDU-Fraktion im VG-Rat Traben-Trarbach, sprach deutliche Worte. Wegen des erneuten Störfalls auf dem Flughafen Hahn - verschmutztes Oberflächenwasser der Start- und Landebahn war mit Genehmigung der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in den Waschbach geleitet worden - hatte die CDU den Antrag eingebracht, die strafrechtliche Verantwortlichkeit klären zu lassen. Einstimmig beschloss der Rat dieses Vorgehen. Nach Klärung der Verantwortlichkeit soll dann geprüft werden, ob die VG Schadenersatz fordert. Auf Vorschlag der SPD-Fraktion wird es ferner einen "Runden Tisch" geben unter Beteiligung der Verbandsgemeinde, des Mainzer Umweltministeriums, der SGD Nord, der VG Kirchberg und des Wasser-Zweckverbandes Eifel/Mosel. Karl-Heinz Weisgerber, Ortsbürgermeister von Enkirch und SPD-Fraktionsmitglied im VG-Rat, berichtete, dass er in der Angelegenheit einen Brief an Ministerpräsident Kurt Beck geschrieben habe. Darin bitte er Beck um Unterstützung, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Zur Erinnerung: Der Flughafen hatte zugesagt, dass das in den Waschbach eingeleitete Wasser einen CSB-Wert (= chemischer Sauerstoffbedarf als Parameter für den Verschmutzungsgrad) von 50 mg/Liter nicht übersteigen werde. Gemessen wurden aber am 9. März dieses Jahres 132 mg/Liter. Auf der Sitzung am Mittwochabend nannte Jens Burch, Leiter der VG-Werke Traben-Trarbach, weitere von der SGD Nord gemessene CSB-Werte. So entwässert der Flughafen einen Teil des mit Enteisungsmitteln kontaminierten Oberflächenwassers auch in den Wackenbach, der in den Großbach mündet. Der Großbach fließt durch Enkirch. In dessen Einzugsbereich befindet sich im Gegensatz zum Ahringsbachtal kein Trinkwasserbrunnen. Der zugelassene CSB-Höchstwert für Abwasser vom Flughafen beträgt hier 150 mg/Liter. Gemessen wurden am 6. Dezember 2005 aber 3780 mg/Liter. Vor dem Beschluss, die strafrechtliche Verantwortung klären zu lassen, befasste sich der Rat mit einem weiteren, delikaten Thema, ebenfalls die Entwässerungsprobleme des Flughafens betreffend.Flughafen entsorgt in mehrere Kläranlagen

Der Flughafen fährt derzeit täglich rund eine Million Liter belastetes Oberflächenwasser zu verschiedenen Kläranlagen in der Region. Jetzt hat der Flughafen auch bei der VG Traben-Trarbach angefragt, deren Kläranlage in Traben nutzen zu können. Große Tanklastzüge sollen in den kommenden sechs Monaten Abwasser dorthin fahren. Die CSB-Belastung liegt zwischen 1000 und 4000 mg/Liter. Weisgerber betonte: "Das ist für mich auch eine politische Entscheidung. Wir wollen unsere Kapazitäten dem Flughafen Hahn zur Verfügung stellen." Welche Mengen die Trabener Kläranlage letztlich verkraftet, ist noch ungewiss. Dies ist unter anderem von der Temperatur und dem Verschmutzungsgrad abhängig. Die VG-Werke kassieren pro Kubikmeter zu klärendes Abwasser vier Euro vom Flughafen. Alle Ratsmiglieder mit Ausnahme von Stefan Becker (CDU) waren dafür, dass die VG-Werke Abwässer des Flughafens aufnehmen. Becker meinte: "Ich kann dem nicht zustimmen. Die versauen unser Wasser, und jetzt sollen wir ihnen noch helfen." j