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Schmutziges Erbe für Osann-Monzel: Illegale Müllkippe wird zum Problem für Gemeinde

Schmutziges Erbe für Osann-Monzel: Illegale Müllkippe wird zum Problem für Gemeinde

Gerade einmal vier Tage war der neue Gemeinderat im Amt, da gab es schon ein anonymes Schreiben an den Ortsbürgermeister mit brisantem Inhalt. Im Wald soll es eine illegale Müllkippe geben, und dort seien 20 Schrottautos vergraben. Das sei ein Umweltskandal.

Osann-Monzel. Das war kein ruhiger Start ins Amt für den neuen Ortsbürgermeister Armin Kohnz und seinen Gemeinderat. Am 23. Juli, kurz nach seiner Vereidigung, erreichte die Gemeinde Osann-Monzel ein anonymes Schreiben. Darin stand, es gebe in Osann-Monzel einen Umweltskandal. 20 Autos seien im Wald inklusive der Batterien der Fahrzeuge vergraben. Das Schreiben ging zudem an den Landrat, die Verbandsgemeinde und Claudia Laux, Schriftführerin der Wählergemeinschaft "Gemeinsam für Osann-Monzel".

Inzwischen gab es einen Ortstermin mit Vertretern der Verbandsgemeinde, der Kreisverwaltung, der Kriminalpolizei und dem Gemeindevorstand. Autoteile, Hausmüll und Elektroschrott wurden gefunden. Jetzt ist der Müll entsorgt worden. Der TV hat Behörden, die Wählergemeinschaft Gemeinsam für Osann-Monzel und den Ortsbürgermeister um Stellungsnahme gebeten.

Der Ortsbürgermeister Armin Kohnz hat am 4. Oktober in einer Ratssitzung den Sachverhalt dargestellt. Inzwischen hat die Gemeinde in Abstimmung mit der Kreisverwaltung alle an der Oberfläche liegenden Teile eingesammelt und fachgerecht entsorgen lassen.

Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier hat Bodenproben genommen. Kopfzerbrechen bereiten dem Ortschef die finanziellen Folgen der Müllentsorgung: "Bisher sind Kosten von rund 1500 Euro entstanden. Falls noch Bodenuntersuchungen erforderlich sind und hiernach das Verfahren abgeschlossen ist, werden wir bei 5000 bis 6000 Euro sein. Was im schlimmsten Fall auf uns zukommt, wenn Umweltprobleme im Boden festgestellt werden, weiß bisher niemand." In der Sitzung hat er hinzugefügt: "Die Gemeinde muss bezahlen, wenn sich herausstellt, dass im Boden Verunreinigungen sind. Ob sich der anonyme Briefeschreiber über die finanziellen Folgen für die Gemeinde Gedanken gemacht hat, ist mir nicht klar." Bertram Bollig von der Wählergemeinschaft Gemeinsam für Osann-Monzel vertritt die Meinung: "Ich weiß nicht, wer solche Briefe schreibt. Viele der Älteren hier im Dorf wissen noch von der Müllkippe, das ist der Zeit geschuldet. Das war damals so. Wenn es Umweltbelastungen gibt, muss selbstverständlich gehandelt werden, es ist ein Wassereinzugsgebiet. Finanziell wäre das natürlich ein Dilemma für die Gemeinde."

Für die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich erklärt Pressesprecher Manuel Follmann: "Beim Ortstermin vorgefunden haben wir augenscheinlich eine ehemalige ,Dorfkippe', auf der vor ihrer Schließung wohl auch mehrere Altfahrzeuge entsorgt wurden, die aufgrund von Setzungen oder ähnlichem zum Vorschein gekommen sind. Nach Einführung der geordneten Abfallwirtschaft zu Beginn der 1970er Jahre wurden diese Dorfkippen geschlossen, die Abfälle mit Boden abgedeckt und in Teilen Anpflanzungen vorgenommen. Die SDG Nord wurde informiert, um die nachträgliche Aufnahme dieser Dorfkippe in das Altlastenkataster zu prüfen.

Aufgrund einer anonymen Anzeige ist bei der Staatsanwaltschaft Trier ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen umweltgefährdender Abfallbeseitigung in der Gemarkung Osann-Monzel eingeleitet worden. Dort seien im Wesentlichen Autoteile, aber auch sonstige Abfälle wie Öfen, Kühlschränke und Plastikteile gefunden worden. Sowohl nach Angaben des anonymen Anzeigeerstatters wie auch nach dem Zustand der Abfälle dürfte die Ablagerung vor 40 oder 50 Jahren erfolgt sein, ist die Auffassung bei der Staatsanwaltschaft. Damit sei strafrechtlich eine Verjährung eingetreten, denn die Verjährungsfrist beträgt fünf Jahre. Für weitere Ermittlungen bestehe damit keine Handhabe mehr.

Für die Verbandsgemeinde sagt Herbert Billen: "Herr Metzen war bei einem Termin dabei. Die zuständige Behörde ist aber die Kreisverwaltung, deshalb unternimmt die Verbandsgemeinde nichts."

Die Kriminalpolizei wurde von der Kreisverwaltung informiert, war beim Ortstermin dabei und hat den Vorgang an die Staatsanwaltschaft weiter gegeben.Meinung


Lieber Schwamm drüber?

Von Sonja Sünnen

Dass die Altlast jetzt für die Ortsgemeinde teuer wird, ist die eine Seite. Sich deshalb über den Briefeschreiber aufzuregen, ob er die finanziellen Folgen auch im Blick gehabt habe, ist allerdings eine merkwürdige Einstellung. Man könnte den Eindruck haben, nach der Devise ,Schwamm drüber' habe man die Müllkippe lieber unter den Teppich gekehrt. Nicht in Ordnung ist ausschließlich, dass der Brief anonym abgeschickt wurde. Es sollte ansonsten aber selbstverständlich sein, dass man sich endlich um die ,Dorfkippe' kümmert, indem man sie aufräumt und Bodenproben nimmt. Was hat denn wohl schlimmere Folgen für eine Gemeinde: Geld auszugeben, damit eine Umweltsünde beseitigt werden kann oder vor dem Risiko belasteter Flächen einfach die Augen zu verschließen?
s.suennen@volksfreund.deExtra: Entsorgung von Autos

Ob auf dem eigenen Grundstück oder auf dem eines Dritten darf man laut Kreisverwaltung keine Abfälle ablagern. Das gilt auch für alte Autobatterien oder Schrottfahrzeuge. Das Abstellen von Schrottautos stellt genauso eine illegale Abfallentsorgung dar. Die konkrete Entsorgung regelt die Altautoverordnung. Danach muss ein Altauto einer anerkannten Rücknahmestelle oder einem anerkannten Demontagebetrieb überlassen werden. Es stellt zumindest eine Ordnungswidrigkeit dar, es kann sich auch um einen Straftatbestand handeln, wenn gefährliche Abfälle mit im Spiel sind (Autobatterien oder Betriebsmittel). chb