Schnäpse in der Reifeprüfung
Seit zehn Jahren prämiert die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz die besten Edelbrände im Land. Immer mehr Stoffbesitzer und Brenner beteiligen sich an diesem Qualitätswettbewerb. Wir haben den Prüfern im Weinbauamt Wittlich über die Schultern geschaut.
Wittlich. Wer dieser Tage das Weinbauamt in Wittlich betritt, könnte vermuten in eine Schnapsküche geraten zu sein. Die Luft ist erfüllt von mit Fruchtaromen durchsetzten Alkoholdämpfen. Wer etwas genauer schnuppert, erkennt Essenzen von Birnen und Äpfeln, von Kirschen und Mirabellen von Trester und Hefen und vielen anderen wohlriechenden Düften.Doch hinter verschlossenen Türen wird hart gearbeitet. In einem speziell eingerichteten Probierraum sitzen rund 20 Prüfer: Jeder hat eine Reihe von fünf Schnapsgläsern vor sich. Die Männer - auch eine Frau ist darunter - riechen, schmecken, spucken wieder aus und machen sich auf einem Blatt Papier Notizen. Ihre Aufgabe: Die Edelbrände, die die Schnapsbrenner zur Prämierung angestellt haben, sensorisch zu bewerten. Wie bei der Wein- und Sektprämierung gibt es auch bei der Edelbrandprämierung drei Kategorien: Gold, Silber und Bronze. Ein prämierter Schnaps muss perfekt sein: Farbe, Klarheit, Geruch, Geschmack und Harmonie müssen stimmen.Christa Lenhardt ist beim Weinbauamt Wittlich für die Organisation der Prämierung zuständig. Sie stellt die Proben zusammen, teilt die Prüfer ein und fasst die Ergebnisse zusammen. "Das sind alles Profis. Die meisten sind selbst Brenner und kennen sich mit der Materie bestens aus", sagt die Weinbau-Ingenieurin. Ob der ein oder andere nach getaner Arbeit - 50 Proben pro Tag sind die Regel - noch Auto fahren kann, wollen wir wissen. "Kein Problem", sagt Christa Lenhardt, "wir haben auch schon Alkoholtests gemacht, der höchste Wert lag bei 0,08 Promille." Die Edelbrände aus den Regionen Mosel, Eifel, Nahe, Mittelrhein und aus dem Westerwald, die in Wittlich verkostet werden, entstammen den unterschiedlichsten Früchten. Apfel, Birne, Quitte, Mirabelle und Zwetschge. Aber auch Früchten wie Schlehe, Holunder, Brombeere, Erdbeere, Johannisbeere, Vogelbeere, Eberesche oder Speierling kommen auf den Tisch der Prüfer. Und natürlich die Produkte aus Wein: Hefe und Trester.Christa Lenhardt hat festgestellt, dass immer mehr Brenner "sortenreine Schnäpse" herstellen. Also keinen gewöhnlichen Apfelbrand, sondern zum Beispiel Boskoop-Apfelbrand, Gravensteiner-Apfelbrand und viele andere mehr. Ebenso bei der Birne. Zwar dominiert immer noch klar der Williams Christ, aber auch Sorten wie Honigbirne, Nelches, Pleiner Birne oder Luxemburger Mostbirne werden destilliert. Prüfer Michael Hilgert, Schnapsbrenner aus Maring, ist überzeugt: "Was die Tresterbrände angeht, können wir locker mit den besten Grappas aus Italien mithalten. Harry Kacprowski aus Trier ergänzt: "Die Tresterbrände sind heute weicher. Das kommt auch daher, weil die Winzer die Trauben nicht mehr bis zum letzten Tropfen auspressen." Ein weiterer Trend: Die Brände haben heute etwas geringere Alkoholwerte. 40 bis 42 Volumen-Prozent (statt 44) sind die Regel.Karl-Heinz Vallendar aus Wincheringen hat festgestellt, dass sich seit Einführung der Edelbrandprämierung die Qualität der Erzeugnisse enorm verbessert hat. Vallendar: "Da hat sich in den vergangenen zehn Jahren viel getan."