Schneeräumen ist in Elchweiler kein Thema

Schneeräumen ist in Elchweiler kein Thema

Einer für Alle: Das Schneeräumen für die 93 Einwohner im Dorf Elchweiler bei Birkenfeld übernimmtdas Pferd Michel. Der deutsch-rheinische Kaltblut-Mix von Jürgen Heinz hält die Bürgersteige im Ort frei.

Elchweiler. Von einem Nachbarn wie dem 44-jährigen Jürgen Heinz aus Elchweiler (Landkreis Birkenfeld) träumt in diesen Januartagen vermutlich die gesamte Republik. Denn Schneeräumen ist für die knapp 100 Einwohner im Dörfchen bei Birkenfeld kein Thema. Frei nach dem Motto "Einer für alle!" erledigen Jürgen Heinz und sein Wallach Michel den Winterdienst, halten auf den rund 500 Metern zwischen den beiden Ortsschildern die Bürgersteige links und rechts der einzig nennenswerten Straße durch den Ort frei.
Seine Mitbürger sind darüber voll des Lobs. Jürgen Heinz, der sich vor Jahren in der kleinen Gemeinde mit Blick auf die Bundesstraße mit seiner Zimmerei selbstständig gemacht hat, bleibt bescheiden. Er verweist auf die Vielzahl älterer und alleinstehender Frauen im Dorf und die vergleichsweise großen Anwesen, die so manche Witwe zu bewirtschaften hat. Da sind an die 80 laufende Meter Straßenfront wie bei ihm selbst keine Seltenheit. Und das brachte ihn zum Nachdenken. Wie vor zwei Jahren, als ein erster Prototyp des Heinz\'schen Schneepflugs entstand.
Mittlerweile hat Heinz das Gerät schon mehrmals umgebaut. Aber auch Version 2.0, im Winter 2012/13 erstmals im Praxistest, zeugt noch deutlich vom erlernten Handwerk seines Erbauers. Schlitten wie Schneeschieber sind aus Holzabfällen aus der Zimmerei. "Er ist komplett aus Restmaterial, aus allem Möglichen, das in der Werkstatt noch herumlag", sagte Heinz.
Anfangs lenkte er kniend das Gefährt, mittlerweile kann er es sich auf einem richtigen Sitz bequem machen. Den hat er aus einem alten Rasenmäher ausgebaut.
Wichtigster Teil des Schneepflugs ist jedoch sein Antrieb: Der heißt Michel, ist ein deutsch-rheinischer Kaltblut-Mix und mit seinen neun Jahren gerade im besten Pferdealter. Eigentlich hatte Jürgen Heinz den Wallach mit der blonden Mähne sowie eine Stute mit Blick auf sein sommerliches Steckenpferd angeschafft: Beim Holzrücken - meist im eigenen kleinen Privatwald - findet er Entspannung, verrät der 44-Jährige.
Im Winter ist nach nächtlichem Schneefall das Gespann nun schon in der Morgendämmerung unterwegs. Auf maximal zweieinhalb Meter Breite lässt sich dass Schild seines Pfluges ausfahren. Einmal, und zwar auf halber Strecke, muss umgebaut werden, sonst ist der Weg fast eben und führt geradeaus. Etwa 20 Minuten braucht Heinz für die 1000 Meter hin und zurück. In den kalten und schneereichen Tagen anno 2013 ist der Räumeinsatz für ihn und den Wallach fast schon Routine: "Wenn ich morgens mit dem Geschirr um die Ecke komme, weiß Michel schon Bescheid."
Für die 93 Elchweilerer ist der morgendliche Service gratis. "Ich freue mich sehr, dass wir Schnee haben und dass ich den Leuten die Arbeit wegnehmen kann", sagt Heinz schmunzelnd. Denn Schneeräumen mit Michel mache ihm einfach Spaß. Dass diese Woche das Fernsehen zu Besuch war, kam aber auch nicht ungelegen. Als Selbstständiger sei man immer froh, wenn der Name im Gespräch ist. Sonst blieb es bislang meist bei Worten. Die Futterspende, die der Ortsbürgermeister für den Winterdienst in Aussicht gestellt hat, werde aber gern angenommen.
Die Idee entstand vor zwei Jahren, als der Hunsrück ebenfalls tief verschneit war. Damals suchte Heinz vor allem nach einer Lösung, wie er den Weg zwischen seinem Mistanhänger und dem Stall von der weißen Pracht befreien könnte. "Die Idee kam mir, als ich mich an die Zeit meines Großvaters erinnerte", sagt er. Kurz darauf war der erste Holzschlitten mit Pflug entstanden. Weil es prächtig funktionierte, habe er irgendwann dann auch den Schnee für den Nachbarn weggeräumt. Kurz darauf begann er mit seinen Touren durch das Dorf. kpm

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