Schneller wird es nur in der Stadt

Schnelle Internetverbindungen fehlen zum Teil in Wittlichs Stadtteilen. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Außerdem müsste die Stadt draufzahlen. Denn den Anbietern wie der Telekom sind die Investitionskosten zu hoch.

Wittlich. Nicht nur für ein engagiertes Schülertrio aus Wengerohr steht fest: Das Internet in Wengerohr muss schneller werden! Die drei Jungs sammelten dafür sogar Unterschriften. 374 Haushalte unterschrieben ihre Forderung Mitte 2009. Die Liste ging an die Stadtverwaltung, die sie an die Telekom weiterleiten sollte. Eine Reaktion haben die drei bisher nicht erhalten.

"Die Kinder haben überhaupt keine Antwort bekommen. Das ist schade", sagt Mutter Susanne Schimper. Thomas Linden, Johannes und Markus Schimper haben damals die Unterschriften gesammelt und ausgerechnet: Bis zu 83 Mal langsamer ist das Internet in Wengerohr als anderswo. Das kann man ändern, aber das kostet Geld. Die Stadtverwaltung hat unter anderem die Deutsche Telekom und Kabel Deutschland aufgefordert, ein Angebot zu machen, wie das Manko behoben werden kann. Und zwar nicht nur in Wengerohr nebst den dortigen Industriegebieten sondern auch in Dorf, Neuerburg und Bombogen.

Eine konkrete Rechnung hat bislang allein die Telekom vorgelegt: 454 000 Euro "Kostendeckungslücke" macht sie geltend. Das heißt, 454 000 Euro müsste die Stadt zahlen. Davon wären 172 000 Euro für Dorf, Neuerburg, Bombogen fällig und 282 000 Euro für Wengerohr und die Industriegebiete Wengerohr und Wengerohr-Süd.

Für den Großbereich Wengerohr bemüht man sich laut Ulrich Jacoby, Pressesprecher der Stadtverwaltung, seit 2003 um eine Breitbandversorgung. Das Problem sind die Kosten für die Erdarbeiten. Die rechnen sich für die Anbieter nicht. Die Unternehmen wie auch die Bürger haben daher das Nachsehen. "DSL ist in der heutigen Zeit so wichtig wie eine vernünftige Straßenanbindung oder die Stromversorgung", sagt Ulrich Jacoby. So überlege die Stadt für die Versorgung der Industriegebiete die Kosten auf den Quadratmeterpreis der Grundstücke umzulegen. "Eine aktuelle Berechnung ergab, dass der Quadratmeterpreis für Gewerbeflächen in Wengerohr-Süd von 19 Euro auf etwas über 20 Euro steigen würde", sagt der Pressesprecher der Stadtverwaltung. 30 Hektar Land plant die Stadt in Wengerohr-Süd zu vermarkten. Jacoby sagt auch: "Eine Umlegung auf die Grundstückseigentümer wird aber in den Stadtteilen nicht möglich sein."

Und wann wird denn ein schnellerer Internetzugang in den Wittlicher Stadtteilen kein Thema mehr sein? Dazu kann die Stadtverwaltung noch "keine konkrete Antwort" geben.

Der Grund: So schnell geht's nicht mit der schnelleren Datenautobahn: Es fehlt noch das "Interessenbekundungsverfahren". "Die Stadt müsste also zunächst einmal feststellen, ob und in welchem Umfang ein Bedarf an einer Breitbandversorgung in einem definierten Gebiet besteht", erklärt Ulrich Jacoby. Und dann muss der Auftrag öffentlich ausgeschrieben werden. Über all das hätte aber auch noch der Stadtrat zu entscheiden.

Meinung

Gute Idee, schlechte Reaktion

Von Sonja Sünnen

Hut ab vor den drei Jungs, die sich für genau das eingesetzt haben, was heutzutage wichtig ist: Ein schneller Zugang ins Internet. Am Engagement der jungen Wengerohrer könnte sich manch ein Erwachsener "eine Scheibe abschneiden". Gut gemacht! Ob die Jungs sich nocheinmal persönlich für etwas einsetzen, das ihnen wichtig ist? Angesichts dessen, dass die offizielle Reaktion auf die Unterschriftenliste gleich Null ist, bleibt das fraglich. Schlecht gemacht! Interessant ist andererseits das Verhalten der Telekom, der Stadt schon mal auszurechnen, was sie zahlen müsste, wenn sich das Unternehmen dazu hergäbe, für ein schnelles Internet zu sorgen. Um wessen Kunden geht es eigentlich? Und was soll das "Interessenbekundungsverfahren"? Der Stadt ist doch längst bekannt, wo's hakt, oder etwa nicht? s.suennen@volksfreund.de