Schön abseits und zentral

ETGERT. Die kleine, idyllisch gelegene Gemeinde Etgert hat jahrelang kräftig investiert. Dass die Bürger dennoch Sorgen drücken, hängt mit der Entwicklung der Bevölkerungszahlen zusammen.

Für Adolf Pfeiffer, den ältesten männlichen Etgerter, ist das, was er am Dorfleben schätzt, schnell umrissen. "Wenn die Leute zufrieden sind und miteinander reden", fühlt sich der 97-Jährige wohl. In seinem Heimatdorf, dessen Bürgermeister er in den 60er Jahren war, kann er da nicht klagen. Doch verglichen mit früher werden es immer weniger, mit denen er plaudern kann.Die jungen Menschen sind fast alle weg

Allein durch den Krieg hatte sich die Zahl der Etgerter um ein Fünftel reduziert. Heute macht sich stattdessen die allgemeine Entwicklung der Bevölkerungszahlen bemerkbar. "Die jungen Leute sind doch fast alle weg", spricht Ingeburg Weirich ein Problem an, das auch andere Orte kennen. Nach Schule und Ausbildung kehren die Wenigsten in ihre Dörfer zurück, in denen mobile Läden die Grundversorgung sichern und ohne Auto nichts geht. Der jüngste Neubau im Ort ist daher schon ein paar Jahre alt - und dennoch stehen Altbauten leer, beklagt Margit Schmidt. Um die Dorfgemeinschaft zu stärken, hat sie den Frauentreff "Die Lustige Runde" mit ins Leben gerufen, der unabhängig von Gertruden- und Seniorentag Grillfeste oder Wandertage organisiert. Trotz der nur rund 70-Einwohner des Orts mit zwei Vollerwerbslandwirten sowie dem Campingplatz Massingsmühle hat Etgert seine Vorteile. Einer davon ist, dass die Kinder unbeschwert spielen können. Auch der mehr als 30 Jahre alte Spielplatz wird sich nach sanierungsbedingten Abbau der Geräte bald wieder von seiner besten Seite zeigen - samt neuer Rutsche. Erik Simon, Vater des jüngsten Etgerters, des dreijährigen Jan, schätzt das harmonische Miteinander: "Man kann vor die Tür gehen und sich mit den Leuten unterhalten", erzählt der 27-Jährige, einer der wenigen Vertreter der jüngeren Generation. Das jüngere Mittelfeld fehle ein bisschen, bedauert Ortsbürgermeister Herbert Weirich den Wegzug der Jugend. Dabei sei die Lage des noch landwirtschaftlich strukturierten Orts unweit der Hunsrückhöhenstraße "sehr schön, zentral und ein bisschen abseits". Er persönlich lebe dort sehr gern. Abgesehen von der Aussicht, die wie das Wandergebiet in Richtung Hunolstein hervorragend sei, stimme auch die Dorfgemeinschaft. An günstigen, voll erschlossenen Bauplätzen zu Quadratmeterpreisen von etwa 20 Euro mangelt es der Gemeinde nicht. Ebenso wenig an einem Gemeindehaus samt Dorfstube, die zwei Mal die Woche öffnet. In den vergangenen Jahren investierte der Ort zudem kräftig in Kanal und Straßenausbau. Um all diese Vorzüge publik zu machen, strebt die Gemeinde ein eigenes Internet-Portal an.