Schöner Ausgleich zur Wingertsarbeit
NEUMAGEN-DHRON/PIESPORT. Das Profil des Wein & Gourmet Festival soll geschärft, der besondere Charakter herausgestellt werden. Dafür sorgen soll Oliver Koch, der auch das Zusammengehörigkeitsgefühl der Region stärken will.
Es ist noch Zeit bis zur nächsten Auflage des Wein & Gourmet Festivals (21. April bis 21. Mai 2006), doch bekanntlich "will gut Ding Weile haben". Und so haben die Vorbereitungen längst begonnen. Als das Festival 1999 begann, war eine externe Projektleitung mit der Organisation beauftragt. Im Laufe der Zeit nahm die Mosel-Saar-Ruwer e.V (Weinwerbung) die Fäden in die Hand. Weil dies, so Geschäftsführer Ansgar Schmitz, mittlerweile auch den personellen Rahmen sprengt, wurde ein neuer Projektleiter gesucht und mit Oliver Koch schnell gefunden. Der Diplom-Ingenieur für Weinbau, der gemeinsam mit seinen Eltern in Neumagen-Dhron ein Weingut betreibt, hatte sich durch ein Praktikum bei der Weinwerbung und Mitarbeit beim Festival für die Arbeit geradezu angeboten. Schmitz: "Für uns ist es eine gute Lösung, jemanden aus dem Weinbau für diese Arbeit zu haben." Zeitlich kann Oliver Koch die zusätzliche Aufgabe meistern, weil seine Eltern und in Zukunft wahrscheinlich der Freund seiner Schwester im Betrieb sind. "Zwei Tage in der Woche werde ich in Trier sein", sagt Koch. Die Weinwerbung, die ihn mit einen Werkvertrag ausgestattet hat, stellt ihm ein Büro zur Verfügung. "Die Arbeit macht Spaß. Es ist ein Ausgleich zur Weinbergsarbeit", erläutert der 31-Jährige seine Beweggründe. Kochs Aufgabe wird es nach Auskunft von Ansgar Schmitz sein, das Profil des Wein & Gourmet Festivals (2005 gab es fast 100 Einzelveranstaltungen) weiter zu schärfen. An Angeboten von Gastronomen und Winzern, die sich beteiligen wollen, hat es in der Vergangenheit nicht gemangelt. Vielleicht war es sogar ab und an des Guten zu viel. Ein normales Menü mit dazu passenden Weinen soll nicht mehr Maßstab sein. Kultur in ihrer ganzen Vielfalt ist gefragt, auch regionale Identität. "Jede Veranstaltung soll einen besonderen Charakter haben", wünscht sich Ansgar Schmitz. "Was haben wir zu bieten? Wie können wird das in Szene setzen?" Darauf soll der Qualitätsmaßstab angelegt angelegt werden. Oliver Koch will das Gespräch mit Fischern, Landwirten und Jägern aus der Region suchen. "Ich will ihnen, den Winzern und den Gastronomen verstärkt den Kooperationsgedanken nahe bringen. Zusammen sind sie stärker als jeder für sich allein", sagt er. Koch ist bereits fündig geworden: Sandy und Lutz Leyendecker betreiben seit März in Piesport das Restaurant "Kabinett", zu dem noch einige urige Scheune mit eher rustikaler Küche gehört. Lutz Leyendecker, ein gebürtiger Piesporter, will ein Wildmenü mit Weinen aus den letzten 20 Jahren kombinieren. Er bekennt sich zu seiner Heimat: "Die Mosel ist das Schönste, was es gibt." In der Nähe des Lokals stehen Mandelbäume. Leyendecker hat die Früchte geerntet und daraus ein Eis gemacht. Auch ansonsten versucht er, mit Produkten zu arbeiten, die aus der Region kommen. Ansgar Schmitz wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass die regionale Identität noch zu wenig ausgeprägt ist. Zumindest Koch und die Leyendeckers beweisen das Gegenteil.