Schöner Eingang gewünscht
Die Mitglieder des Fördervereins Wittlicher Kulturgüter wettern sachlich und zeigen Emotionen besonnen und zielorientiert. Bei der Jahreshauptversammlung hat sich der Verein für den Erhalt der letzten Turmreste der Burg Ottenstein stark gemacht und gegen "verkehrstechnischen Unsinn" ausgesprochen.
In Braun sind auf der Karte die Umrisse der ehemaligen Burg Ottenstein eingezeichnet, rechts am Eingang zum Busbahnhof liegt der einzig noch erhaltene Turmrest im Erdboden. Für dessen Erhalt und die ansprechende Gestaltung des Geländes setzt sich der Förderverein Wittlicher Kulturgüter ein, TV-Foto: Erich Gerten
Wittlich. Seit vier Jahren besteht der Förderverein Wittlicher Kulturgüter. Seine Mitgliederzahl hat sich von 26 auf 83 mehr als verdreifacht. Das sachorientierte Vorgehen hat den Verein seither bei der Umsetzung seiner Ziele insbesondere zum Erhalt der Überreste der römischen Villa vorangebracht. Derzeit geht es vorrangig um die Reste der Burg Ottenstein.
Die Mitglieder des Fördervereins wollen die Zerstörungen von Resten der Burg Ottenstein nicht weiter hinnehmen. Die Burg stand von 1424 bis etwa 1647 im Bereich der unteren Schloßstraße/Schloßplatz/Schloss-Galerie. Der Verein spricht von Versäumnissen der Denkmalschutzbehörden und dort im Besonderen des Trierer Landesmuseums, als durch Planänderungen bei den Arbeiten zum Bau der Schlossgalerie tiefer ausgeschachtet wurde als genehmigt. Dadurch wurden wesentliche Kellerteile der Burg und auch Teile der im Erdreich entdeckten Außenmauern zerstört (der TV berichtete). Vorsitzender Ortwin Eich spricht vom "Gefühl des gelebten Desinteresses beim Landesmuseum". Auch das Wort vom Trauerspiel fällt bei der Versammlung öfter. Zumal der Stadtrat mit knapper Mehrheit beschlossen hat, die letzten verbliebenen Turmreste zwischen der neuen Schloss-Galerie und dem ehemaligen Bahnhof, etwa am Standort der Scherl-Schweine, im wahrsten Sinne des Wortes zuzuteeren. Denn genau dort soll die sogenannte Ringlösung um den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) hindurchgeführt werden.
"Wir wollen erreichen, das zwischen ZOB und Schloss-Galerie ein schöner Eingangsbereich für die Innenstadt entsteht, mit Sitzmöglichkeiten und einem entsprechenden Ambiente, und der Turm, der sich im Erdreich noch etwa fünf Meter tief hinein erstreckt, aufgemauert wird." Diese Worte der zweiten Vorsitzenden Elisabeth von den Hoff rufen Applaus hervor. Noch mehr Applaus gibt es, als sie ergänzt " ... damit unsere Stadt mal ein Gesicht kriegt. Das ist auch ein Wirtschaftsfaktor." Auch bezeichnet sie die Ringlösung als "verkehrstechnischen Unsinn" wegen der ohnehin beengten Platzverhältnisse. Ortwin Eich stellt den Mitgliedern die Frage nach einer Unterschriftenaktion als letzte denkbare Möglichkeit zur Umsetzung dieser Idee. "Ja", ertönt es aus den Reihen der Mitglieder und gleichzeitig der Hinweis: Zunächst einmal sollten wir den politischem Einfluss über die Stadträte suchen, um diese zu bewegen, den Beschluss zum Bau der Ringlösung zu verändern.
Damit ist klar. Nahziel des Vereins, ist es, "den Turm der Burg wieder herauszuholen, ihn darzustellen und einen echten Eingangsbereich für die Stadt zu schaffen."
Die Forderung nach Strafanzeige wegen der Zerstörungen der Kellerräume der Burg Ottenstein werde vom Verein nicht nachgegangen. Dies sei Sache der Behörden. Im zweiten Teil der Versammlung stellte Ortwin Eich die geplanten Aktivitäten zur Römervilla vor (Bericht folgt).