Schönes Ambiente und schwacher Markt

Schönes Ambiente und schwacher Markt

MORBACH. Gute Noten erhält der Einzelhandelsstandort Morbach in einer am Montagabend vorgestellten Studie von Studenten der Technischen Universität Kaiserslautern. Pluspunkte gibt es darin für die gute Erreichbarkeit, die Parkplatzsituation und das Ambiente. Kritisch bewertet werden ein fehlendes Lebensmittelgeschäft und der wenig frequentierte Wochenmarkt.

"Morbach kann sich sehen lassen." Das Fazit der Dozenten Hans-Jörg Domhardt und Swantje Grotheer aus Kaiserslautern im Gemeinderat fiel positiv aus. Allerdings könne Morbach an seinen Stärken weiterarbeiten und auch manche Dinge verbessern. Fünf Studentinnen der Technischen Universität hatten im Winter die Situation des Einzelhandels unter die Lupe genommen und Stärken sowie Schwächen analysiert. Dazu wurden Geschäftsleute und Passanten befragt. Fangen wir mit den Stärken an: Die angehenden Regionalentwickler bescheinigten dem Standort eine gute Erreichbarkeit, ein breites Angebot von Serviceleistungen der Betriebe, zahlreiche und kostenlose Parkplätze, ein ansprechendes Ambiente sowie einen hohen Anteil an Familienbetrieben. Defizite sehen die Studenten im Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), in der relativ kurzen Verweildauer der Kunden und im wenig frequentierten Wochenmarkt. "Er hat offenbar keinerlei Bedeutung für Morbach", sprach Grotheer Klartext. Der Hintergrund: Nach Einschätzung der Einzelhändler sei der Mittwoch, an dem der Markt stattfinde, einer der schwächsten Wochentage. Daran festzuhalten, sei eine "ungenutzte Chance für Morbach". Die befragten Passanten bemängelten das eingeschränkte Produktangebot im Ortskern. Vermisst wird ein Lebensmittelgeschäft und eine Postannahmestelle. Zur Deckung des täglichen Bedarfs seien die vorhandenen Betriebe wie Bäckerei und Metzgerei nicht ausreichend. Zwei Zentren, ein Problem?

Allerdings haben die Kunden die Möglichkeit, ihren gesamten kurz- und mittelfristigen Bedarf bei den Supermärkten am Kreisel zu decken, heißt es in der Studie. Die Konsequenz: Die Kunden müssen zum Einkaufen nicht in den Ortskern fahren. Dieser "negativen Entwicklung" gilt es nach Auffassung der Fachleute entgegenzuwirken, um Morbach zukunftsfähig zu gestalten. Als Problem könnten sich auf die Dauer auch die zwei Zentren in Morbach erweisen, eines im Ortskern und eines am Morbacher Dreieck, sagte Grotheer weiter. Ihr Kollege Domhardt riet der Gemeinde, gemeinsam mit dem Gewerbe- und Verkehrsverein Strategien zu entwickeln und umzusetzen. Den Ball nahm Bürgermeister Gregor Eibes auf. Er geht davon aus, dass Gemeinde und Verein "die Dinge angehen werden". Zum Beispiel das Thema Markt. Der Bürgermeister erinnerte daran, dass man schon in der Vergangenheit Handlungsbedarf gesehen habe und deshalb seit diesem Jahr den Wochenmarkt in Eigenregie mache. Ein Fragezeichen machte Jürgen Jakobs (CDU) hinter die empfohlene Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Er als Kreistagsmitglied wisse, dass Busse über den Schülerverkehr hinaus häufig nur mit zwei oder drei Passagieren neben dem Busfahrer selbst unterwegs seien. Wenig Chancen sieht Frank Klein (FDP) für eine Neuansiedlung eines Lebensmittelgeschäfts im Ortskern. Der Trend gehe zu Objekten in einer Größenordnung von 1500 bis 2000 Quadratmetern. Der erhoffte Frequenzzuwachs durch die Ansiedlungen am Morbacher Dreieck sei ausgeblieben, sprach Uwe Andretta von der Fraktionsgemeinschaft Grüne Liste die Lidl-Ansiedlung vor gut einem Jahr an. Er bemerke zudem die Tendenz, dass Dienstleister teilweise den klassischen Einzelhandel verdrängen. Das wiederum konnte Bürgermeister Eibes nicht bestätigen. Die fehlende Belebung im Ort könne nicht zwingend auf den zusätzlichen Discounter zurückgeführt werden: "Nach wie vor lahmt die Konjunktur." Die Ansiedlung von zusätzlichen Dienstleitern wollte Achim Zender von den Freien Wählern nicht negativ bewertet wissen.

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