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Schonfrist für Nilgänse in Bernkastel-Kues: Missverständnis verhindert schnelle Umsetzung des Fütterungsverbots

Schonfrist für Nilgänse in Bernkastel-Kues: Missverständnis verhindert schnelle Umsetzung des Fütterungsverbots

Kaum jemand will die Nilgänse, doch der Problematik Herr zu werden, ist bisher weder in Bernkastel-Kues noch in Traben-Trarbach gelungen. In beiden Kommunen sind nun die Ordnungsämter am Zug.

Es ist zweieinhalb Monate her. Da hat sich der Stadtrat Bernkastel-Kues gegen eine Fütterung der Nilgänse ausgesprochen, die vor allem am Kueser Moselufer zuhause und längst dominant sind. Der Wunsch damals verband sich mit der Hoffnung auf eine schnelle Umsetzung - quasi als erste Hilfe. Mit Schildern sollten Bürger und Urlauber davon abgehalten werden die Wildvögel, speziell die Nilgänse, zu füttern.

Der Stadtrat glaubte offenbar, dass das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde aktiv werde. Dessen Leiter Josef Schmitz ging davon aus, dass die Stadt in Eigenregie Schilder anfertigen lässt. "Da ist was schief gelaufen. Da haben wir offenbar aneinander vorbei geredet", sagt er. Stadtbürgermeister Wolfgang Port wirkt dagegen leicht angefressen: "Wir haben kein eigenes Ordnungsamt und somit keine Handhabe."

Die Frage nach den Zuständigkeiten ist eine Sache. Fakt ist: Es hat sich zweieinhalb Monate nichts getan. Offenbar hat sich auch nichts an der Fütterungspraxis geändert. Besonders ein Bürger fahre weiter regelmäßig nachts vor, um die Nilgänse zu füttern, berichtet eine Anwohnerin.

Der Stadtrat hatte sich Mitte September für ein Fütterungsverbot starkgemacht (der TV berichtete). Dafür reichen aber Schilder mit dem Hinweis "Bitte nicht füttern" nicht aus. Um eine rechtliche Handhabe zu haben, und saftige Geldstrafen aussprechen zu können, müsse wahrscheinlich die Gefahrenabwehrverordnung der Verbandsgemeinde geändert werden.
Genau das recherchiere er gerade, berichtet Josef Schmitz. Wenn das notwendig sei und die Stadt das wolle, werde er Bürgermeister Ulf Hangert darüber informieren. "Eine Änderung der Gefahrenabwehrverordnung muss der Verbandsgemeinderat beschließen", erläutert er. Wenn das der einzige Weg sei, um der Plage Herr zu werden, werde der Stadtrat diesen Antrag sicher stellen, sagt der Stadtbürgermeister.

In Traben-Trarbach sind die Nilgänse auch ein Thema. Stadtbürgermeister Patrice Langer hat mittlerweile auch beim Ordnungsamt der VG Traben-Trarbach angefragt, ob ein Fütterungsverbot erlassen werden kann.
Er habe aber noch keine Antwort vorliegen, sagt er. Genau wie in Bernkastel-Kues wird zudem über entsprechende Schilder nachgedacht.

EXTRA
Endlich Einhalt gebieten
Die Nilgansplage ist nun wirklich nichts Neues. Die Wildvögel sind vor Jahrzehnten nach Europa eingeschleppt worden und haben kaum natürliche Feinde, weshalb sie andere heimische Vogelarten vertreiben. Deshalb ist es erlaubt, sie zu bejagen. Aber das ist nur auf Feld und Flur möglich. In den Städten jedoch ist es der Mensch, der durch Anfütterung ihre ungehemmte Vermehrung begünstigt. Wenn gute Worte nicht fruchten, dann müssen Geldstrafen verhängt werden. Nur so kann der Plage Einhalt geboten werden, die viele Anwohner und Touristen nervt. Die Verbandsgemeinde hätte früher reagieren müssen, zumal das Problem nach ihrer Rückkehr ins renovierte Gebäude in der Stadt ihr gewissermaßen vor die Füße fällt.