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Schreiben verbindet Mutter und Tochter

Schreiben verbindet Mutter und Tochter

Maria Hademer ist erst 19 Jahre alt. Trotzdem hat die Abiturientin mit ihrer Mutter (54) bereits einen Jugendroman geschrieben, in dem die beiden von Vertrauen, Freundschaft und dem Leben im Web 2.0 erzählen.

Hontheim. Es war der Regen, der Alice Lenz-Hademer und Tochter Maria dazu brachte, ihr erstes Buch zu schreiben. Nach einigen Tagen verregnetem Strandurlaub in Holland waren alle mitgebrachten Bücher ausgelesen und untereinander getauscht. Langeweile begann sich breit zu machen. "Dann schreibt doch selbst ein Buch", schlug daraufhin Vater Erhard vor. Das ließen sich die beiden literatur- und sprachbegeisterten Frauen nicht zwei Mal sagen. Noch im Urlaub entwarfen sie die Hauptfiguren, besprachen Charakterzüge und Schwächen. Neun Monate später war ihr Erstlingswerk "Escape oder schreib um dein Leben" fertig. Darin geht es um die 17-jährige Sophia, die in einem kleinen Eifel-Dorf lebt. Ihre Wünsche und Sorgen vertraut sie ihrem Online-Tagebuch an. Doch plötzlich wird alles, was sie dort niederschreibt, Realität. Auch Sophias Feundin veschwindet infolge eines Blogeintrags. Wem soll sich das Mächen nun anvertrauen?
Handlung frei erfunden


Wenn die Handlung auch frei erfunden ist, so haben die beiden Frauen doch schon ihre Erfahrungen mit dem gefährlichen Reiz des Internets gemacht. Maria verbrachte ein halbes Jahr an einer High School in Kanada. Doch nach der Rückkehr hatte sie Schwierigkeiten, sich wieder an das Leben in Deutschland zu gewöhnen. Nachts blieb sie lange auf, um mit den Freunden aus Kanada über das Internetprogramm Skype zu telefonieren. "Sie war nicht mehr in Kanada, aber bei uns war sie auch nicht angekommen", erinnert sich Alice Lenz-Hademer. Maria beschreibt es als "Zwischenwelt", in der sie zeitweise lebte.
Die Personen hingegen seien frei erfunden. Die äußeren Umstände der Heldin seien zwar ähnlich, gibt Maria zu, "aber vom Charakter her sind wir ganz verschieden." Nur den Maler, der im Buch auftaucht, den gibt es wirklich. Ein solches Unikat kann man sich nicht ausdenken.
Mutter und Tochter war es wichtig, ihren Figuren Ecken und Kanten zu geben. Sie sollen nervig sein dürfen, pingelig und oberflächlich. "Im Internet gibt es so eine Illusion von Perfektion", findet Lenz-Hademer. Dabei verliere man oft die Fähigkeit, reale Personen mit ihren Schwächen aushalten zu können.
Maria, die gerade Abitur gemacht hat, wirkt sehr reif und reflektiert. Im Gespräch merkt man, dass sie und ihre Mutter schon oft über Literatur und das eigene Buch gesprochen haben. Auch das Gespräch mit Lesern ihres Buches schätzen sie. Mehrere Klassen des Peter-Wust-Gymnasiums in Wittlich, an dem Alice Lenz-Hademer unterrichtet, haben das Buch bereits gelesen. Durch fremde Augen erhalte man immer neue Einblicke, auch in die eigenen Figuren, da sind sich Mutter und Tochter einig.
Ob sie sich vorstellen können, ein weiteres Buch zu schreiben? "Das Team stimmt für eine Fortsetzung", lacht Alice Lenz-Hademer. Und offene Enden gebe es ja auch genug. cli