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Schriftstellerin Ute Bales und die Künstlerin Jutta Schulte-Gräfen

Kunst : Was bleibt, wenn Berge verschwinden

Die Eifeler Schriftstellerin Ute Bales und die Künstlerin Jutta Schulte-Gräfen haben bei einem gemeinsamen Projekt in Manderscheid ihre Wertschätzung der Landschaft der Vulkaneifel in Wort und Bild thematisiert. Und ihre Sorge darum.

Die eine wollte endlich aus ihrem neuen Buch lesen: Ute Bales, aus der Eifel stammende, in Freiburg lebende Schriftstellerin, die sich in ihrem Roman „Vom letzten Tag ein Stück“ mit dem Abbau vulkanischer Berge der Eifel und der Vernichtung einer einzigartigen Landschaft beschäftigt. Die andere wollte endlich wieder ihre Bilder und Objekte öffentlich zeigen: Jutta Schulte-Gräfen, in Daun-Rengen freischaffend tätige Künstlerin, die für ihr „Lava-Projekt“ von der ursprünglichen und heutigen Landschaft der Vulkaneifel zu Kunstwerken aus Gestein und Farbe inspiriert wird.

 Da kam der Tipp einer Mitarbeiterin des Tourismus Netzwerks Gesundland Vulkaneifel gerade recht, und mit Herbert Boczians und Marianne Walheims Gästehaus Waldesruh in Manderscheid war der passende Veranstaltungsort und -rahmen gefunden. Bevor das Paar Boczian/Walheim vor vier Jahren das Gästehaus übernahm, war es beruflich in der halben Welt unterwegs gewesen und hatte Kunstausstellungen rund um den Globus besucht. So sollten sich bei ihnen in Manderscheid nun nicht nur Gäste entspannen. Auch Künstler, Musiker und Schriftsteller sollten hier eine (Kleinkunst-)Bühne haben – in der Diele, auf der geräumigen Terrasse, im privaten Wohnzimmer. So wie jetzt beim Projekt „Was bleibt“, an dem neben Ute Bales und Jutta Schulte-Gräfen die Musikerin Lisa Irle aus Manderscheid mitwirkt. „Das Raue ihrer Bratsche passt perfekt zu unserem Thema“, schwärmen Schriftstellerin, Künstlerin und Besucher.

 Experimentierfreudig ist Jutta Schulte-Gräfen, und das sieht man ihren Bildern und Objekten auch an. Ob bei den „kleinen Denkern“ aus Ton, die sie mit Lavamehl einreibt. „Dann oxidiert es“, beschreibt sie den Ablauf – „aber wie das geht, ist mein Geheimnis.“ Oder bei der künstlerischen Gestaltung eines Stücks 260 Jahre alter Buche mit Katzengold und Lava in verschiedenen Ausprägungen, vom Mehl bis zum kleinen Krotzen.

Auch bei den Triptychen mit Vulkanlandschaft und mit Maar im Sommer und im Winter. Oder den überlebensgroßen Bildern mit Mann und Frau, Mars und Venus, die ihre Planeten in der Hand halten und gleichermaßen die Entstehung aus Sternenstaub und Kohlenstoff wie die Wertschätzung von Landschaft und Gestein verdeutlichen. Und nicht zuletzt die Bilder, die der Metapher über die Maare als „Augen der Eifel“ besonderen Ausdruck verleihen.

 „Berge sind nicht nur Steine. Das sind wir“, sagt Ute Bales in Anspielung auf den Verlust von Identität, wenn eine Landschaft verloren geht. So wie beim Wöllersberg in ihrem Heimatdorf Lissingen.

Und wie beim Protagonisten des Romans, Bertram, der sich vergeblich gegen den Gesteinsabbau wehrt und selbst symbolisch verschwindet. Es habe coronabedingt erst eine Lesung seit dem Erscheinen des Romans im Frühjahr gegeben, bedauert Ute Bales – auf einem Rheinschiff in Köln.

Umso glücklicher sei sie, in dem Kultur-Gästehaus Waldesruh im Dialog mit Jutta Schulte-Gräfens Kunst und Lisa Irles Musik ihr Buch vorstellen, über ihre Motivation sprechen und Passagen daraus lesen zu können. Kein Wunder, dass dabei alle (möglichen) Besucher-Plätze besetzt sind. Der Erlös kommt von der Flutkatastrophe betroffenen Künstlern an der Ahr zugute. 

Die Bilder und Objekte von Jutta Schulte-Gräfens Lava-Projekt sind noch bis zum kommenden Sonntag, 4. September, im Gästehaus Waldesruh, Am Wald 8, Manderscheid, nach Absprache unter der Telefonnummer 06572/4187 oder der E-Mail-Adresse info@wilhelms­ruh.com zu sehen.