Bildung: Schrillbunte Plakate und 400 Sitzkissen

Bildung : Schrillbunte Plakate und 400 Sitzkissen

Ein Konzert zu veranstalten, ist viel Arbeit. Wenn am Freitagabend das Vision String Quartet  auftritt, haben Wittlicher Schüler einiges geleistet.

Das Konzert des Vision String Quartet im Peter-Wust-Gymnasium kann über die Bühne gehen. In den Gruppen des Projektes „festival@school“, das die Schule gemeinsam mit dem Mosel Musik Festival erarbeitet, hat die Spannung in den vergangenen Tagen spürbar zugenommen. Seit April stecken sie in den Vorbereitungen für diesen Abend. An ihrer Seite haben sie zwar die Profi-Planer des Mosel Musikfestivals, doch wie sie den Auftritt konkret gestalten wollen und woran dabei alles zu denken ist – das ist im Detail ihr Ding.

Ein Rückblick: Immer wieder blickt das Team der Technik AG auf die 3D-Planung für die Bühne und das Gestaltungskonzept der Turnhalle. Von den Mitschülern, die sich um die Deko kümmern, haben sie Idee und Auftrag bekommen, die gesamte Halle schwarz auszukleiden. „Damit wollen wir ein Ambiente schaffen, das auch die gewünschte Lounge-Atmosphäre aufgreift“, sagt Celine, die sich im Team Deko Gedanken gemacht hat.

 „Die Augen und Ohren der Gäste sollen sich ganz auf das Wesentliche, das Geschehen auf der Bühne, konzentrieren können“, führt sie weiter aus. Aber zu trist soll es in der Halle auch nicht werden, deshalb sind neon-farbene Akzente geplant – das wird schon sichtbar durch die Plakate, die ebenfalls grell und bunt in den Schulfluren hängen. Grün, pink und orange blitzen die kleinen Kunstwerke, die Jenny Schweisthal ursprünglich gezeichnet hat und die dann im Marketing-Team weiter entwickelt wurden. In enger Abstimmung mit den Schülern, die das Ticketing, also den Kartenverkauf verantworten, haben sie sich dort um die bestmögliche Werbung für ihr Konzert gekümmert. Auch den Text für den Volksfreund haben die Schüler erstellt.

„Wir müssen schon früh klarmachen, dass unsere Gäste kein klassisches Konzert erwartet, sondern hier alt auf neu trifft“, so Robert aus dem Organisationsteam. Dass also keine Hip-Hop-Truppe durch den Saal fegt, was die älteren Besucher verschreckt, aber auch keine Frackträger auf der Bühne stehen – das finden Schüler naturgemäß weniger cool.

Mit dem Vision String Quartet haben sich deshalb Künstler angesagt, die zwischen dem klassischen Repertoire, Eigenkompositionen und Arrangements aus den Bereichen Jazz, Pop und Rock wandeln, und damit die klassische Konzertwelt auf den Kopf stellen. Jakob Encke (Violine), Daniel Stoll (Violine), Leonard Disselhorst (Cello) und Sander Stuart (Viola) vereinen Handwerk und Hingabe miteinander – so etablierten sich die vier Jungs innerhalb kürzester Zeit in der internationalen Szene.

Was das Konzert des Berliner Quartetts besonders macht, ist, dass Schüler aus den Klassen 5 bis 13 an zahlreichen Nachmittagen und im Rahmen ihrer Arbeitsgemeinschaften die gesamte Konzeption und Planung selbst in die Hand genommen haben. Im Organisationsteam kümmert man sich um den gesamten Ablauf: von der Ankunft der Gäste auf dem Parkplatz („Wir dürfen die VIP-Plätze nicht vergessen!“), über Garderobe, behindertengerechte Toilettenzugänge und das Catering – auch hier hat die „Fair Trade“-AG ein eigenes Konzept für Säfte und die weiteren Getränke, die sie anbieten wollen, erdacht. Das alles hat natürlich seinen Preis – und wenn es ums Geld geht, sind die Mitschüler, die das Budget überwachen, gefragt. Schnell haben sie festgestellt, dass mit den Eintrittsgeldern der maximal 300 Besucher der gesamte Abend nicht finanziert werden kann. Also wurde rasch eine weitere Truppe gegründet, die sich gemeinsam mit dem Mosel Musikfestival um Sponsoren bemüht.

Und auch im Programmheft: Festival-Logo und Musiker-Porträts liegen bereit, aber was soll inhaltlich ins Heft? Grußworte! Schuldirektorin Monika Metzen-Mirz hat schon per Mail nachgefragt, wie viel Text sie liefern soll. Der Blick auf die Checkliste für die Zeitplanung und das Marketing-Budget macht deutlich: Das wird alles sehr eng. In der Zwischenzeit ist der Kartenverkauf schon gestartet; die Elternabende nach den Sommerferien waren eine gute Gelegenheit, die ersten Tickets Müttern und Vätern zu verkaufen. Damit haben die Schüler schon einen ziemlich guten Einblick in das bekommen, was eine Veranstaltungsplanung so mit sich bringt – ein Ziel, das auch das Mosel Musikfestival als Initiator des Projektes vor Augen hatte, als dort die Idee des „festival@school“ entwickelt wurde. Intendant Tobias Scharfenberger: „Wir wollen mit diesem fächerübergreifenden Ansatz zeigen, dass es hinter den Kulissen eines Konzerts nicht nur um Musik, sondern auch um Mathe, Sprache, Kunst und Technik geht.“

Und so blieb bis zu diesem Freitag nur noch wenig Zeit, bis die großen LKW-Trailer mit dem Technik-Equipment auf dem Schulhof anrücken. Lautsprecher müssen aufgehängt und Scheinwerfer ausgerichtet werden. „Das wird eine richtig große Nummer“, ahnt Paul aus der Technik-Truppe. Die Deko-Gruppe kümmert sich in der Zwischenzeit ums Mobiliar, und das Festivalteam stiftet für den Abend 400 Sitzkissen.

Damit um 20 Uhr alles pünktlich und gut vorbereitet starten kann, werden das Vision String Quartet und die Techniker nachmittags mit dem Soundcheck beginnen. Den Ablauf des Konzertes hat die Technik-AG im Vorfeld vor Ort ausführlich geprobt.

Foto: ? Foto: Schüleraktion

Karten für das „festival@school“ mit dem Vision String Quartet am Freitag, 20. September, um 20 Uhr gibt es noch an der Abendkasse. Ort. Sporthalle des Peter-Wust-Gymnasiums, Koblenzer Straße 56 in Wittlich.

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