Schroeder-Doppelsieg

TRIER/BERNKASTEL-KUES. (red) Spannung pur im gut besuchten Finalkonzert des "4. Internationalen Orgelwettbewerbs um den Hermann-Schroeder-Preis": Junge Organisten aus fünf Ländern hatten ihr Können in der Vorrunde mit Werken von Bach, Buxtehude, Reger und Schroeder in St. Antonius unter Beweis gestellt. Die drei Besten schafften den Einzug ins Finale und boten im Trierer Dom Orgelkunst auf hohem Niveau.

Adam Lenart (Polen) eröffnete das Konzert mit Schroeders Erster Orgelsonate und bestach mit einer brillanten Interpretation von Sigfrid Karg-Elerts Sinfonischer Kanzone op. 85/1. Technische Perfektion, fulminante Akkordtechnik und sinfonische Klangfülle verbanden sich mit ausdrucksintensivem Spiel und zarter Farbgebung in den lyrischen Themen. Lenart erhielt den ersten Preis, zusammen mit Lenka Fehl-Gajdosovà (Tschechien). Sie spielte Marcel Duprés Prélude et Fugue g-Moll op. 7/3 mit sensiblem Gespür für zauberhafte Klangfarben und ließ das Präludium mit leisen, aus der Ferne herankommenden Klängen und flinker Technik erklingen. Schroeders Orgelsonate erschien bei ihr in anderem Licht: transparent und grazil gespielt, in hellen Farben und mit bestechender Präzision und prickelnder Spannung lieferte Fehl-Gajdosovà eine Interpretation, die dem Stil Schroeders gerecht wurde. Der 2. Preis ging an den erst 21-jährigen Albert Miklós (Ungarn), der Schroeders frühe, an Reger erinnernde Fantasie e-Moll op. 5b temperamentvoll und mit brillianter Pedal- und Akkordtechnik zu Gehör brachte. Ebenso gelungen war seine Interpretation von Alexander Glasunows Prélude et Fugue op. 98, ein selten zu hörendes Werk, das er mit viel Gespür für die Gesamtarchitektur und für die harmonisch reichen Details präsentierte. Die international besetzte Jury mit den Professoren Clemens Ganz und Johannes Geffert (Köln), Anne Froidebise (Liège), Alain Wirth (Luxemburg) sowie Domorganist Josef Still (Trier) hörte ein außergewöhnliches Programm mit nicht alltäglichen Werken, gespielt von jungen Organisten aus den drei östlichen Nachbarländern und neuen EU-Staaten Tschechien, Polen und Ungarn. Der Orgelwettbewerb wurde gemeinsam vom Kultursommer Rheinland-Pfalz, den Moselfestwochen und der Hermann-Schroeder-Gesellschaft getragen. Neben Geldpreisen winken Auftrittsmöglichkeiten durch zukünftige Konzerte in Luxemburg, Lüttich, Trier und Köln. Ein Mitschnitt des Konzertes wird vom SWR gesendet und auf CD erscheinen. Der nächste Internationale Orgelwettbewerb um den Hermann-Schroeder-Preis wird 2007 wieder im Trierer Dom stattfinden.