Schüler stehen im Regen: Salmtaler Schulen warten seit Jahren auf Überdachung an der Bushaltestelle
Salmtal · Fünf Millionen Euro hat der Kreis zuletzt in zwei Salmtaler Schulen investiert. Dafür wurden diverse Gebäudeteile saniert, Wege gepflastert und neue Räume für den naturwissenschaftlichen Unterricht geschaffen. Eine Sache fehlt allerdings noch immer: ein Buswartehäuschen. Stattdessen stehen die mehr als 500 Schüler dort seit Jahren im Regen.
Der Wind pfeift ihnen eisige Kälte um die Ohren, die Wolken ergießen sich über ihnen. Noch mit Regen und bald schon mit Schnee. Trotzdem harren gegen 13 Uhr mehr als 500 Schüler an der Integrierten Gesamtschule in Salmtal aus. Sie warten auf den Bus - fast täglich. Eine schützende Überdachung gibt es nicht. "Das ist ein unhaltbarer Zustand", sagt Karl-Gustav Kwasny, Schulelternsprecher der Realschule plus und der Integrierten Gesamtschule in Salmtal.
Das sieht auch der Konrektor der Schule so. Michael Boost sagt, dass die Schüler dort zwischen zehn und 20 Minuten auf den Bus warten müssen - Verspätungen noch nicht berücksichtigt. "Da braucht es nicht viel, um zu verstehen, was das für die Schüler bedeutet", sagt er. Eine Änderung der Situation ist aber noch nicht in Sicht. Bereits vor Jahren, als die Schule noch in Trägerschaft der Verbandsgemeinde Wittlich-Land stand, habe er sich bei der Gemeinde um ein entsprechendes Wartehaus bemüht: "Es tat sich aber nichts."
Nun stehen die beiden Schulen, die sich einen Standort teilen, unter der Trägerschaft des Kreises Bernkastel-Wittlich. "Wir haben nun auch den Kreis um eine Aufstellungserlaubnis gebeten." Konkret stellt Boost sich eine einfache Überdachung in Form eines Carports vor. So, wie sie selbst die Einkaufswagen der Discounter schon seit Jahren "genießen" würden. "Das muss die Unversehrtheit und Gesundheit unserer Schüler einfach wert sein."
Wie viel genau in diesem Fall "wert sein" bedeutet, kann man zum aktuellen Zeitpunkt nicht genau beziffern. Manuel Follmann, Sprecher des Kreises Bernkastel-Wittlich, ordnet die Kosten für ein normales Buswartehäuschen zwischen 5000 und 10.000 Euro ein. Die Schule fordert allerdings einen Unterstand für mehr als 100 Schüler. "Dieser würde ein Mehrfaches kosten", sagt Follmann. Unbeachtet der Kosten sei eine baldige Lösung ohnehin nicht in Sicht. Zunächst müsste der Kreisausschuss die Verwaltung beauftragen, einen Unterstand zu planen und auszuschreiben. "Das würde etwa zwei Monate dauern." Anschließend müsse der Kreisausschuss der Vergabe dann noch einmal zustimmen, sagt Follmann. Das heißt konkret: "Ein Unterstand wäre in diesem Winter nicht mehr möglich." Eine andere Lösung müsste also her.
Schulelternsprecher Kwasny berichtet davon, dass die Schulbusse hin und wieder sogar etwas früher an der Schule eintreffen würden. Aber auch das ändere nichts an der Situation - die Busfahrer würden die Türen nämlich geschlossen halten. Martin Strouvelle, Niederlassungsleiter der Rhein-Mosel-Bus-Gesellschaft, bestätigt, dass das im Einzelfall passieren kann.
Grund seien die Ruhezeiten der Fahrer: "Macht ein Fahrer eine Pause, dann kann er die Kinder nicht hineinlassen", sagt er. Sind die Kinder nämlich im Bus, hat der Fahrer eine Aufsichtspflicht. Und dann wäre die Zeit, die der Bus an der Haltestelle wartet, keine Pausen- sondern Arbeitszeit. Bei dem Bau eines Wartehäuschens sei die Busgesellschaft aber außen vor. Die stellt nämlich lediglich ein Schild mit einem Haltestellensymbol auf und hängt dort den geltenden Fahrplan aus: "Für alles andere sind wir nicht zuständig."
Der Kreis hatte in den vergangenen Jahren fast fünf Millionen Euro in die Salmtaler Schulen investiert. Neben einer neuen Mensa, die bereits 2012 fertiggestellt wurde, gab es auch neue Räume für den naturwissenschaftlichen Unterricht. Zudem wurden weitere Gebäudeteile saniert, der Verwaltungstrakt aufgestockt und auch die Außenanlagen gepflegt. Hier hat der Kreis zum Beispiel neue Wege pflastern lassen. Die Arbeiten sind abgeschlossen - die Schüler stehen aber noch eine ganze Weile im Regen.
Kommentar
Zu kurz gedacht!
Fünf Millionen Euro sind viel Geld. Wenn der Kreis eine so hohe Summe für die Salmtaler Schulen in die Hand nimmt, dann muss auch alles von vorne bis hinten durchdacht sein. Neben neuen Räumen und gepflasterten Wegen gehört eben auch eine Überdachung an der Bushaltestelle zum Gesamtpaket. Das hat die Verbandsgemeinde vor Jahren versäumt und auch der Kreis nicht berücksichtigt. Hier gilt es nun nachzubessern. Und zwar nicht erst im nächsten Sommer, sondern sobald wie möglich. Denn eine Überdachung wird dann am dringendsten benötigt, wenn es nass und bitterkalt ist. Die Schüler können eben nicht einfach das Bürofenster schließen, wenn es wieder frisch um die Ohren wird.
s.klipp@volksfreund.de