Schürfstollen wird Heilstätte

Fast drei Jahrzehnte konnten Mineralienfreunde aus aller Welt im Schürfstollen des Steinkaulenbergs nach Achaten, Bergkristallen, Amethysten und Jaspis suchen - bis der Abraum vergangener Jahrhunderte erschöpft war. Der seit etwa drei Jahren brach liegende Stollen soll nun Allergikern und Asthmatikern Linderung bringen - und der Schmuckstadt zusätzliche Besucher.

Idar-Oberstein. (jst) Wie durch Messungen des Deutschen Wetterdiensts bestätigt wurde, hat die Luft im Steinkaulenberg Eigenschaften, die vor allem Allergikern und Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen oder Neurodermitis ausgesprochen guttun: Sie ist völlig frei von Grob- und Feinstaub und hat ganzjährig eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit von 95 Prozent.

Nachdem der 1981 eröffnete Schürfstollen vor etwa drei Jahren komplett ausgeräumt war und die Edelsteinsucher auf ein Geröllfeld unter freiem Himmel ausweichen mussten, wurde der Stollen nicht mehr genutzt.

Das soll sich nun bald ändern: Aus dem früheren Schürf- soll nun ein Heilstollen werden. "Die Idee kam mir auf einer Urlaubsreise, auf der ich eine solche Einrichtung gesehen habe", berichtet Ex-Oberbürgermeister Otto Dickenschied, Geschäftsführer der Edelsteinminen GmbH, die Steinkaulenberg und Weiherschleife betreibt.

Da es nur rund ein Dutzend Heilstollen in Deutschland gibt, sei dies ein interessantes Marktsegment. Und auch der heutige Oberbürgermeister Bruno Zimmer betont: "Wir müssen unsere touristischen Angebote immer weiterentwickeln, und da liegen wir mit dem Bereich Gesundheit und Wellnesss voll in dem Trend, der auch von der Landesregierung intensiv verfolgt wird." Allerdings sind für die Nutzung des früheren Schürfstollens als heilende Höhle noch Umbaumaßnahmen im Steinkaulenberg, der durch die Jahrhunderte währende Suche nach Edelsteinen durchlöchert wie ein Schweizer Käse ist, notwendig.

"Der Bereich des Heilstollens soll etwa 50 bis 60 Meter in den Berg hineingehen", erläutert Lothar Rohlik vom städtischen Gebäudemanagement, das für die Vorplanung zuständig ist. "Es sollen rund 25 gut zugängliche Freiflächen für jeweils drei bis sechs Liegestühle geschaffen werden." Dafür, so Rohlik weiter, müssten schon vorhandene betonierte Pfade durch den Berg verbreitert werden, damit der gesamte Bereich auch mit Rollstühlen befahrbar ist.

Konstante Temperatur von etwa zehn Grad



Am Eingang soll ein Gebäude entstehen, wo die Besucher sich anmelden und im Untersuchungszimmer von einem Arzt auf ihre "Stollentauglichkeit" untersucht werden. Außerdem soll es eine Möglichkeit zum Umkleiden geben, schließlich herrscht im Berg das ganze Jahr über eine konstante Temperatur von etwa zehn Grad. Bereits jetzt gibt es vor dem späteren Heilstollen ein bislang als Versammlungsraum genutztes Foyer, das später als Schleuse dienen soll, um den Luftaustausch zwischen der reinen Stollenluft und der belasteten Außenatmosphäre möglichst gering zu halten.

Rund 300 000 Euro, so die Kalkulationen, werden die Umbaumaßnahmen kosten. "Wir haben vom Land schon signalisiert bekommen, dass wir 75 Prozent der Kosten als Zuschuss erhalten", erklärt Zimmer. "Das läuft über eine Umschichtung aus dem Strukturprogramm des Landes, die noch in diesem Jahr bewilligt werden soll." Das restliche Geld soll die Edelsteinminen GmbH aufbringen, sodass auf das strapazierte Stadtsäckel voraussichtlich keine Kosten zukommen.

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