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Schulschließungen an Mosel und im Hunsrück: Lehrer überrascht

Morbach. An der Mosel und im Hunsrück könnten in den nächsten Jahren mehrere Grundschulen geschlossen werden. Konkret geht es dabei um die Standorte Malborn, Morbach-Haag, Wintrich, Heidenburg und Monzelfeld.

Insgesamt sind es 41 Dorfschulen in Rheinland-Pfalz, die nun auf dem Prüfstand stehen, weil sie höchstens zwei Klassen haben und damit zu klein sind. Das teilte Ministerin Stefanie Hubig am Dienstag in Mainz mit. Ob alle auch geschlossen werden, stehe noch nicht fest - aber diese Schulen müssten auf den Prüfstand, so die Ministerin. Die Schulträger, also die Kommunen, haben ab Frühjahr sechs Monate Zeit, um Konzepte zu erstellen, um das Schulangebot langfristig zu sichern (der TV berichtete am 1. Februar). Die Grundschulen in Reil und Veldenz (beide Landkreis Bernkastel-Wittlich), die ebenfalls zu wenig Klassen haben, entfallen aus der Liste der zu prüfenden Schulen.

Der Grund: Die Schulbehörde erwarte dort in den nächsten fünf Jahren wieder die Bildung von drei Klassen. Die Nachricht kam für die Schulleiterin der Grundschule Morbach-Haag, Monika Fell, überraschend: "Wir sind weder vom Land noch von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier informiert worden. Wir haben das aus dem Trierischen Volksfreund erfahren. Das ist keine angenehme Situation." Für Fell ist die Nachricht umso überraschender, weil es vor den Sommerferien im vergangenen Jahr noch hieß: "Kurze Beine, kurze Wege" - kleine Kinder sollten also möglichst kurze Schulwege haben und eher im familiär-dörfliche Milieu unterrichtet werden. Es sei ein Unding, dass der Kurs nun plötzlich gewechselt werde. "Für die Kinder ist es angenehm, in kombinierten Klassen unterrichtet zu werden.

Hier ist alles überschaubar. Es ist eine schöne Gemeinschaft. Wenn es jetzt um Schließungen geht, sollen die Vertreter des Landes offen sagen, dass sie sparen wollen. Jetzt wird unsere Arbeit schlecht gemacht - und dagegen müssen wir uns wehren." Christine Prinz ist Leiterin der Grundschule in Wintrich. Auch sie erfuhr im Trierischen Volksfreund von den möglichen Schließungen, rechnete aber bereits seit Längerem damit: "Es war klar, dass es irgendwann darauf hinausläuft, ob in zwei oder in zehn Jahren. Man muss dabei den Kosten-Nutzen-Faktor sehen." Prinz verweist darauf, dass ihre Schule aus den 1960er Jahren stammt und inzwischen marode sei. Einfach-Verglasung, Elektro-Heizung seien nicht mehr zeitgemäß: "Die Verbandsgemeinde unterstützt uns soweit sie kann, aber oft fehlt das Geld." Es sei schon ein Unterschied, an einer kleinen Schule zu unterrichten.

Große Schulen hätten eben auch Vorteile. So könnten Kinder sich eher einen individuellen Freundeskreis aussuchen. "Das hat immer zwei Seiten. Ich habe in Hessen studiert und dann in Kassel gelehrt. Dort gab es große Grundschulen, was auch manches leichter machte - zum Beispiel die Pausenaufsicht oder die Vertretung im Urlaubs- oder Krankheitsfall. Hier in Wintrich sind wir nur zu dritt. Das ist schon eine starke Belastung für die Lehrer." Andererseits sei es natürlich gut, wenn die Kinder im Ort auch die Schule besuchen können und in ihrem dörflichen Umfeld aufwachsen. . Man müsse eben eine Plus/Minus-Rechnung aufmachen und beide Seiten betrachten, so Prinz.

Constanze Haag leitet die Grundschule in Monzelfeld: "Ich kann mich meinen Kolleginnen nur anschließen. Es gab im Vorfeld Gerüchte, aber wir wussten von nichts. Das war ärgerlich, wenn Eltern uns mit diesen Gerüchten konfrontierten." Haag weist auf weitere Aspekte möglicher Schließungen hin: "Da stellt sich die Frage, ob in den Schulen überhaupt noch investiert werden soll." Man müsse zudem überlegen, wer die übrig gebliebenen Schüler einer geschlossenen Schule aufnehmen soll, ob diese Schulen überhaupt die Kapazitäten dazu hätten. Außerdem: "Wie soll dann der Busverkehr laufen?"

Für ihren Standort in Monzelfeld will Haag kämpfen, denn ein Neubaugebiet und der Hochmoselüberang könnten das Dorf für junge Familien attraktiver machen. Mit diesen Aussichten wäre eine Ausnahmegenehmigung möglich Außerdem sei die Kita unlängst mit hohen Investitionen renoviert und erneuert worden: "Das passt eigentlich nicht mit der Schließung einer Grundschule zusammen."