Schulsozialarbeit und die Frage nach dem Geld
Bernkastel-Wittlich · Sieben Grundschulen im Landkreis Bernkastel-Wittlich setzen auf Sozialarbeiter. Sie helfen Schülern bei Problemen. Ob sie eine Zukunft an den Schulen haben, zeigt sich bei der Kreistagssitzung am Montag. Dann entscheiden die Abgeordneten, ob die Sozialarbeit mit Geldern aus der Jugendhilfe unterstützt wird.
Bernkastel-Wittlich. Die Briefe im Kummerkasten sind mehr geworden. Kinder werfen sie dann ein, wenn sie über ein Problem sprechen wollen. Wie einen fiesen Streit mit Freunden.
Für Carina Bindges ist es kein schlechtes Zeichen, wenn mehr Post auf ihrem Schreibtisch liegt. Im Gegenteil. Die 24-Jährige ist Sozialarbeiterin an der Grundschule Friedrichstraße in Wittlich und in Traben-Trarbach. Sie sagt: "Gehen mehr Briefe ein, spricht das dafür, dass ich von den Jungs und Mädchen als Bezugsperson akzeptiert werde."
In einer Vorlage des Jugendhilfeausschusses für die Kreistagssitzung am Montag steht, dass der Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule ohne die Sozialarbeit vielfach nicht wahrgenommen werden könne.
Das Ergebnis der Sitzung ist für Bindges von Bedeutung. Denn dort entscheidet sich, ob sie über das Jahr 2015 hinaus eine Zukunft als Sozialarbeiterin an den Grundschulen hat. An sieben Schulen im Landkreis sind insgesamt 2,7 solcher Stellen eingerichtet (siehe Extra).
Die große Frage, die sich am Montag stellt, ist die nach dem Geld: Wer bezahlt die Personalkosten von 130 000 Euro, die im Jahr anfallen? Diskussionen darüber gab es in den vergangenen Jahren schon häufiger. Zunächst übernahmen Bund und Länder die Kosten. Und zwar in Form des Bildungs- und Teilhabepaketes, mit dem sie Kommunen die Gelder bereitstellten. Dann sprangen Stiftungen ein.
Nun laufen die Förderungen aus - und die Kreistagsabgeordneten entscheiden, was aus den Sozialarbeitern in der Grundschule wird.
Bindges arbeitet dort mit den Kindern regelmäßig an Fragen, wie sie Gewalt vorbeugen und Konflikte lösen können. Bei Problemen dient sie als Ansprechpartnerin. "Die Gesellschaft hat sich verändert. In den Schulen gibt es viele Kinder mit alleinerziehenden Eltern und Migrationshintergrund."
Das sahen auch Vertreter des Jugendhilfeausschusses in dieser Woche so. Ihre Empfehlung für die Kreistagssitzung: Die Schulsozialarbeit an den betroffenen Grundschulen nach Ablauf der bisherigen Finanzierung auf Kosten der Jugendhilfe fortzuführen - mit 130 000 Euro. Allerdings fordern sie den Landrat auf, sich in Gesprächen mit Bundes- und Landespolitik für eine Mischfinanzierung einzusetzen.
Carina Bindges wird die Abstimmung über die Mittel gespannt verfolgen. Sie sagt: "Ich will meine Arbeit natürlich weiter fortsetzen."Extra
Die Kreistagssitzung beginnt am Montag, 13. Juli, um 14.30 Uhr im großen Sitzungssaal der Kreisverwaltung in Wittlich. Neben der Schulsozialarbeit geht es um weitere Fragen. Dazu gehören die Verbandsverordnung des neuen Zweckverbandes Abfallwirtschaft Region Trier (ART), die Wahl eines Vertreters für die Nationalparkversammlung, ein Änderungsvorschlag der Hauptsatzung, der Übergang der Schulträgerschaft der Integrierten Gesamtschule Morbach auf den Landkreis Bernkastel-Wittlich zum 1. August, die Fachklassenbildung für Nahrungsberufe im Schulaufsichtsbezirk Trier, der Breitbandausbau im Landkreis und die Einführung der Ehrenamtskarte. florExtra
An sieben Schulen im Landkreis Bernkastel-Wittlich sind insgesamt 2,7 Stellen für Schulsozialarbeit eingerichtet. In Wittlich arbeiten die Fachkräfte an den Grundschulen Georg Meistermann, Friedrichstraße, Bombogen sowie Wengerohr, ebenso gibt es Posten in Traben-Trarbach, Bernkastel-Kues und Morbach. Die Mittel - insbesondere von Stiftungen - laufen nun aus: In Morbach, Wittlich-Friedrichstraße und Georg-Meistermann-Grundschule zum Ende des Jahres; an den Standorten Bombogen und Wengerohr Mitte des Jahres 2016. Für Traben-Trarbach, wo die Unterstützung Mitte 2015 enden sollte, hat der Kreisausschuss bereits im April beschlossen, die Kosten für die Fortsetzung der Schulsozialarbeit bis Ende des Jahres zu übernehmen, sofern die Finanzierung durch Dritte ausbleibe. flor